Der deutsche Astronaut Matthias Maurer arbeitete an mehr als 100 Experimenten. Foto: Nasa/Esa/dpa
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Nach sechs Monaten auf der ISS Deutscher Astronaut kehrt aus dem All zurück

Nach sechs Monaten soll Matthias Maurer am Freitagmorgen wieder auf der Erde landen. Er freut sich auf die Familie - und auf frischen Salat.

Ein letztes Mal mit ungefähr 28.000 Stundenkilometern um den Erdball rasen, ein Abschiedsblick auf funkelnde Städte – dann ist Feierabend für Matthias Maurer. Nach knapp sechs Monaten im All hat der deutsche Esa-Astronaut am Donnerstagmorgen die Internationale Raumstation ISS verlassen, wie eine Esa-Sprecherin am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Knapp 24 Stunden später sollte er dann in einer „Crew Dragon“-Kapsel im Wasser vor der US-Küste landen. Kurzfristige Verschiebungen sind wetterbedingt aber noch möglich. Mit der Mission habe er sich einen Traum erfüllt, sagt der 52-jährige Maurer. Und jetzt? „Ich habe noch viele Träume“, meint der Astronaut. Diese Träume seien aber anders. „An Größe muss ich das hier nicht unbedingt überbieten.“

Hinter dem Saarländer liegt eine intensive Dienstreise in die Schwerelosigkeit. Inmitten größter Spannungen zwischen dem Westen und Moskau wegen des Ukraine-Krieges forschte Maurer in der „Weltraum-WG“ mit Russen und US-Amerikanern. Noch aus 400 Kilometern Entfernung bemerkte er beim Flug über die Ukraine große Rauchfahnen.

„Meine Mission für Deutschland und die Menschheit“

Die Spannungen betreffen auch die Raumstation selbst: Russland hat seinen Teil des fliegenden Labors für die Zeit nach 2024 zuletzt offen gelassen. Die USA streben eine Laufzeit bis mindestens 2030 an. Ob und wann der nächste Deutsche dort arbeiten wird, ist unklar. Die Flüge zur ISS sind nicht unumstritten: Zu teuer, zu belastend für die Umwelt, zu ineffizient, meinen Kritiker.

Maurer (links) mit seinen russischen und US-amerikanischen Kollegen. Foto: Nasa/dpa Vergrößern
Maurer (links) mit seinen russischen und US-amerikanischen Kollegen. © Nasa/dpa

Maurer hingegen, der zwölfte Deutsche im All, ist anderer Meinung. „Ich möchte vor allem Kinder, Jugendliche und Studenten inspirieren, neugierig zu bleiben, Fragen zu stellen und zu sagen: Ich kann das auch“, sagt der Astronaut der europäischen Raumfahrtagentur Esa. „Wenn mir das gelingt, war meine Mission für Deutschland und für die Menschheit ein großer Erfolg.“

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Auch andere Befürworter betonen, für umgerechnet zwei Euro im Jahr pro Bundesbürger liefen auf der Raumstation wichtige Experimente zu Zukunftstechnologien, die so auf der Erde nicht möglich wären. Und es gibt noch etwas: Seit mehr als 20 Jahren läuft auf der Station trotz irdischer Konflikte eine internationale Kooperation. Gerne wird die Station in Raumfahrtkreisen als „Enterprise des 21. Jahrhunderts“ gefeiert – in Anlehnung an das gleichnamige Raumschiff aus der Kult-TV-Serie, auf dem viele Nationen und Kulturen zusammenarbeiten.

Maurer ist medial weniger präsent als sein Vorgänger

Maurer war am 11. November 2021 mit drei Kollegen der US-Raumfahrtbehörde Nasa zur Internationalen Raumstation ISS gereist. Auf dem Außenposten der Menschheit war er an mehr als 100 Experimenten beteiligt, davon 34 aus Deutschland, unter wesentlicher Organisation des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Und Maurer stieg zu fast siebenstündigen Arbeiten in den freien Weltraum aus. Die Planung der Mission war auch wegen der Pandemie eine gewaltige Herausforderung.

Maurer war der vierte Deutsche auf der ISS. Sein Vorgänger Alexander Gerst stand gefühlt stärker in der öffentlichen Wahrnehmung. „Astro-Alex“ forschte genauso ernsthaft wie Maurer, rasierte daneben aber einem US-Kollegen nach verlorener Wette eine Glatze und widmete den deutschen Fußballern nach gewonnener Weltmeisterschaft 2014 launig „meine nächsten elf Erdumrundungen“.

Maurer während eines Außeneinsatzes an der Raumstation ISS. Foto: Nasa/Esa/dpa Vergrößern
Maurer während eines Außeneinsatzes an der Raumstation ISS. © Nasa/Esa/dpa

Maurer ist anders. Mit 52 Jahren ist der Mann mit einem Doktortitel in Materialwissenschaft auch der älteste deutsche Raumfahrer bei einem Erstflug. Zudem bot der Krieg auf der Erde nicht gerade Anlass für Klamauk im Kosmos. Maurer freut sich auf vieles auf der Erde, etwa auf frischen Salat. Die Tage vor der Rückkehr seien aber ein „Moment der Trauer“, sagt der deutsche Astronaut Reinhold Ewald.

Die Landung ist schnell vorbei

„Man macht alles zum letzten Mal an Bord der ISS. Man lässt beim Blick auf die Erde noch einmal alles still vor sich herziehen. Bei diesem Sentiment saugt man alles noch einmal auf“, so Ewald. Er war 1997 mit einer russischen Kapsel zur Raumstation „Mir“ geflogen und hatte dort drei Wochen lang geforscht.

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© Grafik: Rita Bötcher

Am Ende seiner Mission wird es für Maurer schnell gehen. Nach dem Abkoppeln tritt die „Crew Dragon“-Kapsel der US-Firma SpaceX in die Erdatmosphäre ein und wird durch die Luftreibung gebremst. Diese massiven Kräfte drücken Maurer und drei weitere Rückkehrer in die Sitze, bis Fallschirme den Sturz weiter abbremsen und eine sanfte Wasserung ermöglichen – normalerweise vor der Küste Floridas, es gibt aber je nach Wetter weitere mögliche Landezonen.

Auf der Erde hilft ein eingespieltes Bergungsteam den Rückkehrern. „Das fängt bei der Sonnenbrille an, die die Augen nach monatelangem Kunstlicht schützen muss, bis zum Trinkwasser, weil die Rückkehrer erschöpft sind“, schildert Ewald. Nach der Landung wird Maurer noch am selben Tag in Köln erwartet. Dann stehen unter anderem medizinische Tests an – und ein glückliches Wiedersehen mit Familie, Freunden und Verwandten.

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