Prinz Andrew galt einst als der Lieblingssohn der Queen. Nun soll er sich aus öffentlichen Auftritten des Königshauses zurückziehen. Foto: John Thys/AFP
© John Thys/AFP

Nach Millionenzahlung wegen Missbrauchsvorwürfen Prinz Andrews Ruf ist endgültig ruiniert

Um einem Prozess zu entgehen zahlt Prinz Andrew Millionen an ein mutmaßliches Missbrauchsopfer. Ein normales Mitglied des Königshauses wird er nie wieder

Ein drohender Krieg in Europa, kriminalpolizeiliche Ermittlungen gegen den Premierminister und sein Team in der Downing Street - nichts konnte die britischen Medien am Mittwoch von ihrer Berichterstattung über den bekanntesten Problemprinzen des Landes abbringen.

Nach Andrews demütigendem Vergleich mit Virginia Giuffre, die ihm sexuellen Missbrauch vorwirft, konzentrierte sich die Diskussion auf die Frage, wie der bekanntermaßen klamme Prinz die nun fällige zweistellige Millionensumme zusammenkratzen soll.

[Der tägliche Nachrichtenüberblick aus der Hauptstadt: Schon rund 57.000 Leser:innen informieren sich zweimal täglich mit unseren kompakten überregionalen Newslettern. Melden Sie sich jetzt kostenlos hier an.]

Kritiker des Königshauses verlangten eine Offenlegung der royalen Finanzen, die Yorker Labour-Abgeordnete redete der Aberkennung von Andrews Herzogtitel das Wort.

Als hätte die Monarchie ausgerechnet im Jahr des 70. Thronjubiläums von Queen Elizabeth II. nicht schon genug Negativschlagzeilen zu verkraften, wurde mittags eine weitere Hiobsbotschaft bekannt: Nun untersucht Scotland Yard undurchsichtige Vorgänge rund um die Millionenspenden eines saudischen Geschäftsmannes an eine Stiftung von Thronfolger Charles.

Angeblich hatte dessen langjähriger Vertrauter Michael Fawcett einem steinreichen Araber als Gegenleistung den Ritterschlag, womöglich sogar die britische Staatsbürgerschaft versprochen.

Fawcett legte nach Veröffentlichungen in der „Sunday Times“ sein Amt als Geschäftsführer der Stiftung nieder; Prinz Charles habe von den Vorgängen nichts gewusst, hieß es im Palast.

Die britische Presse kritisiert Andrew scharf

Wenigstens in dieser Hinsicht ähnelt der 73-Jährige seinem jüngeren Bruder. Auch Andrew (61) hatte mehr als zehn Jahre lang alle Vorwürfe zurückgewiesen, die Giuffre (38) gegen ihn vorbrachte: Dreimal, je einmal in London, New York und in der Karibik, sei sie, damals noch minderjährig, vor zwanzig Jahren von Andrew sexuell missbraucht worden.

Der Prinz beteuerte, er sei „dieser Lady“ nie begegnet.

Dabei war längst ein Foto im Umlauf, das Andrew in inniger Umarmung mit Guiffre zeigt. Mit auf dem Bild: Ghislaine Maxwell, inzwischen wie der verstorbene New Yorker Andrew-Vertraute Jeffrey Epstein wegen Sexualverbrechen verurteilt.

Eben jenes Foto verwendete „Daily Star“ auf der Titelseite - zusammen mit der Mitteilung, „Andy Windsor“, eine Anspielung auf die Aberkennung des Titels „Königliche Hoheit“, habe eine Zahlung geleistet „an eine Frau, die er nie getroffen hat - wie man das eben so macht“.

Eine zweistellige Millionensumme zahlte Prinz Andrew an Virginia Giuffre, damit es nicht zu einem Prozess kommt. Vor rund 20 Jahren soll der Prinz die damals noch minderjährige Giuffre missbraucht haben. Foto: Steve Parsons/Ben Gabbe/AFP Vergrößern
Eine zweistellige Millionensumme zahlte Prinz Andrew an Virginia Giuffre, damit es nicht zu einem Prozess kommt. Vor rund 20 Jahren soll der Prinz die damals noch minderjährige Giuffre missbraucht haben. © Steve Parsons/Ben Gabbe/AFP

Die Schlagzeilen der anderen Boulevardzeitungen fielen nicht weniger brutal aus. Von „endgültiger Schande“ schrieb „The Sun“, für Andrew gebe es „keinen Weg zurück“ in die Öffentlichkeit, trompetete „Daily Express“.

Nur über die Höhe der Summe - die Vergleichsparteien haben Diskretion vereinbart - bestand keine Einigkeit: Handelt es sich um zehn Millionen Pfund (11,9 Mio Euro), wie „Daily Mail“ meldete?

Oder muss der Herzog noch weitere zwei Millionen drauflegen, wie „The Mirror“ und „The Telegraph“ beteuerten? Jedenfalls habe die Öffentlichkeit ein Anrecht auf Transparenz, glaubt Graham Smith von der Lobbygruppe Republic, die getreu ihrem Namen für die Abschaffung der Monarchie eintritt.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Andrew und seine geschiedene Frau Sarah, mit der in einem geräumigen Haus im Schloßpark von Windsor zusammenlebt, haben erst kürzlich ihr Ski-Chalet im schweizerischen Verbier zum Verkauf angeboten.

Weitere Millionen wird die Queen aus der Kasse des Herzogtums Lancaster zur Verfügung stellen müssen. Dessen Einkünfte betrugen allein im vergangenen Jahr umgerechnet 27,4 Mio Euro.

Ein Teil des Geldes geht an eine Opferstiftung

Die Zahlung an Giuffre sowie deren Opferstiftung kann das Königshaus also leicht verkraften. Andrews beschädigten Ruf wiederherzustellen wird schwerer sein - wenn das Vorhaben denn überhaupt gelingt.

Die Verlautbarung des New Yorker Gerichts lässt keinen Zweifel daran, welche der beiden Parteien die Oberhand hatte. Ausdrücklich lobt der Herzog Giuffre sowie andere Opfer sexuellen Missbrauch für deren „Tapferkeit“, bedauert zudem die „unfairen öffentlichen Attacken“ auf seine Anklägerin.

Ihm selbst sei nie daran gelegen gewesen, sich an der Verleumdung zu beteiligen - eine Aussage, die in krassem Widerspruch zu dem Vorgehen von Andrews Anwälten steht.

Bald kein "Herzog von York" mehr?

Diese hatten Giuffre stets als geldgierige Dauerprozessiererin dargestellt, die mit unbewiesenen Vorwürfen Prominente ins Unrecht setze. „Dies stellt einen gewaltigen Sieg dar für Virginia“, jubelt die amerikanische Opferanwältin Lisa Bloom.

Ob die einschlägigen Organisationen wirklich auf die Mithilfe des diskreditierten Adeligen Wert legen, die Andrew dem Vergleich zufolge angeboten hat?

Ein anderes Zeichen der Demut verlangte die Labour-Abgeordnete Rachael Maskell aus der nordenglischen Stadt York: Der royale Paria solle seinen Titel als „Herzog von York“ schleunigst und freiwillig zurückgeben. Sämtliche militärischen Dienstgrade und royale Schirmherrschaften hatte die Queen ihrem Drittgeborenen bereits im Januar aberkannt.

Zur Startseite