Kindesmissbrauchskomplex Bergisch Gladbach: Ein Haus wird von der Polizei mit Unterstützung des THW durchsucht. Foto: dpa/Dagmar Meyer-Roeger/dmp press
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Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach Ermittler identifizieren 439 Tatverdächtige und befreien 65 missbrauchte Kinder

Seit 2019 ermittelt die Sondergruppe im Fall Bergisch Gladbach. Die Ermittler der Sondergruppe „Berg“ ziehen nun Bilanz.

Rund zwei Jahre nach ihrer Gründung hat die spezielle Polizeiermittlungsgruppe „Berg“ der Kölner Polizei ihre weitreichenden Ermittlungen im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch an Kindern beendet und eine Bilanz ihrer Arbeit gezogen. Insgesamt wurden 65 missbrauchte Kinder befreit und 439 Tatverdächtige identifiziert, wie Kölns Polizeipräsident Uwe Jacob am Mittwoch berichtete. Zehn der 15 Angeklagten erhielten inzwischen teils langjährige Haftstrafen. Sieben weitere Tatverdächtige sitzen derzeit in Untersuchungshaft.

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Die „BAO (Besondere Aufbauorganisation) Berg“ als bislang größte Ermittlungsgruppe in der Geschichte der Polizei Köln hatte seit Oktober 2019 in einem weit verzweigten Missbrauchskomplex ermittelt, der auf das Aufdecken eines Falls in Bergisch Gladbach zurückging.

Im Haus eines Manns waren damals große Mengen kinderpornografischer Daten gefunden worden. Zudem stießen die Ermittler auf viele Kontakte zu Männern, die im Netz Videos und Abbildungen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs austauschten. Auf diese Weise kam man immer mehr Verdächtigen auf die Spur.

In Hochphase der Ermittlungen etwa 350 Beamte im Einsatz

In der Hochphase der Ermittlungen waren den Angaben zufolge annähernd 350 Polizistinnen und Polizisten rund um die Uhr damit beschäftigt, Tatverdächtige anhand Zehntausender gesicherter Fotos, Videos und Chats zu identifizieren. „Was wir hier aufgedeckt haben, sprengt alle Maßstäbe“, sagte Jacob.

Uwe Jacob, Polizeipräsident von Köln (l-r), Michael Esser, Leiter der BAO Berg, und Markus Hartmann, Oberstaatsanwalt und Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen, sitzen bei einer Pressekonferenz auf dem Podium. Nach mehr als zwei Jahren Arbeit zieht die Polizei-Ermittlungsgruppe «Berg», die auf Kindesmissbrauch in Bergisch Gladbach zurückgeht, ein Resümee. Die «Besondere Aufbauorganisation Berg» (BAO Berg) hatte seit Oktober 2019 ermittelt. Foto: dpa/Federico Gambarini Vergrößern
Uwe Jacob, Polizeipräsident von Köln (l-r), Michael Esser, Leiter der BAO Berg, und Markus Hartmann, Oberstaatsanwalt und Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen, sitzen bei einer Pressekonferenz auf dem Podium. Nach mehr als zwei Jahren Arbeit zieht die Polizei-Ermittlungsgruppe «Berg», die auf Kindesmissbrauch in Bergisch Gladbach zurückgeht, ein Resümee. Die «Besondere Aufbauorganisation Berg» (BAO Berg) hatte seit Oktober 2019 ermittelt. © dpa/Federico Gambarini

Die aufgedeckten Fälle hätten gezeigt, dass der sexuelle Missbrauch von Kindern „mitten in unserer Gesellschaft stattfindet“. Er glaube deshalb nicht daran, dass mit den Ermittlungen eine große Abschreckung erreicht worden sei.

Unter der Leitung der Kölner Polizei wurde in ganz NRW und darüber hinaus ermittelt. Sieben Verfahren gab die BAO Berg nach Österreich, Frankreich, Finnland, Schweden, in die Schweiz und in die Niederlande ab.

„Emotional sind wir an unsere Grenzen gegangen“, machte der Leiter der BAO Berg, Kriminaldirektor Michael Esser, deutlich. Die eingesetzten Beamten hätten „enormes Leid“ gesehen. Von den befreiten missbrauchten Kindern sei das älteste 17 Jahre alt, das jüngste ein drei Monat alter Säugling gewesen. (epd)

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