Das neue Verfahren soll die Herstellungszeit von Augenprothesen halbieren. Foto: imago images/Westend61
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Kunstauge aus dem 3D-Drucker Krankenhaus in London implantiert erstmals „vollständig digital erstelltes Auge“

Ein Patient in Großbritannien soll als erster Mensch der Welt eine Augenprothese aus dem 3D-Drucker bekommen. Sieht so die Zukunft der Medizintechnik aus?

Ein Patient in Großbritannien soll der erste Mensch der Welt werden, dem ein Kunstauge aus dem 3D-Drucker implantiert wird. Wie das auf Augenkrankheiten spezialisierte Londoner Krankenhaus Moorfields Biomedical Research Centre am Donnerstag mitteilte, wird Steve Verze ein 3D-gedrucktes und vollständig digital erstelltes Auge erhalten. Durch das neue Verfahren soll die Herstellungszeit der Augenprothese halbiert werden und der Augenersatz realistischer aussehen.

Ich brauche eine Prothese, seit ich 20 Jahre alt bin, und ich hatte immer Komplexe deswegen, erklärte Verze, ein 40-jähriger Ingenieur aus London. Wenn ich von zu Hause weggehe, schaue ich oft ein zweites Mal in den Spiegel und mir gefällt nicht, was ich sehe. Das neue Kunstauge, das er Anfang des Monats bereits testen durfte, sei fantastisch.

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Bei den derzeitigen Prothesen aus Kunststoff muss zunächst ein Abdruck der Augenhöhle angefertigt werden. Dies ist ein schwerer Eingriff, der insbesondere bei Kindern häufig nur unter Vollnarkose gemacht werden kann. Anschließend wird die Prothese gefertigt, eingesetzt und bemalt. Das ganze dauert laut Krankenhaus sechs Wochen.

Bei der digitalen Variante reicht ein Computer-Scan der Augenhöhle. Eine Software erstellt ein dreidimensionales Modell. Das Ergebnis wird an einen 3D-Drucker in Deutschland geschickt, der das Auge innerhalb von zweieinhalb Stunden anfertigt. Der Augenersatz ist nicht nur schneller hergestellt, sondern sieht auch natürlicher aus, da er lichtdurchlässiger ist.

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Der Augenarzt Mandeep Sagoo erklärte, er hoffe, dass die laufende klinische Studie solide Beweise für den Mehrwert dieser neuen Technologie und den Unterschied, den sie für die Patienten macht, liefert. Ihm zufolge könnte die Innovation die Wartelisten für Augenprothesen verkürzen.

Laut der mit dem Krankenhaus verbundenen Stiftung Moorfields Eye Charity haben weltweit mehr als acht Millionen Menschen eine Augenprothese. Diese kann aufgrund einer Missbildung, einer Krankheit oder Gewalteinwirkung nötig werden. Der Stiftung zufolge haben sich die Herstellungstechniken in den vergangenen 50 Jahren kaum verändert. (AFP)

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