Seltener Auftritt. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt zählte seit 1997 bisher nur 25 gesicherte Nachweise für Goldschakale. Foto: Blickwinkel/Imago
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„Kein Rückkehrer, sondern völlig neue Tierart“ Warum der Goldschakal nun auch in Deutschland auftaucht

Sie sind extrem scheu und nur sehr selten zu sehen. Aber Goldschakale, zuhause eigentlich in Asien und auf dem Balkan, sind nun auch vermehrt in Deutschland.

Wenn ein Goldschakal heult, dann klingt das wie eine Mischung aus Winseln und Schreien. Fast wie eine Sirene. Manchmal kommt auch nur ein Knurren aus der Kehle des Goldschakals. Oder ein heiseres Bellen. Man kann sich das eigentlich nur im Internet anhören. Denn in freier Wildbahn hört und sieht man diese Tiere in aller Regel nicht.

Dabei sind sie längst da. Nach tierischen Rückkehrern wie den lange Zeit ausgerotteten Wölfen, Luchsen und Bibern sowie eingewanderten oder eingeschleppten Arten wie Waschbär und Marderhund, breiten sich jetzt auch Goldschakale in Deutschland aus. In ganz Deutschland. Der bislang letzte Nachweis stammt von der Nordseeküste: Am 16. November um 6.52 Uhr tappte ein Schakal im Kreis Cuxhaven in eine Fotofalle. Die Landesjägerschaft Niedersachsen hat die Aufnahme daraufhin im Internet veröffentlicht.

Vom Aussehen und von der Größe her ist das Raubtier mit dem lateinischen Namen Canis aureus eine Mischung aus Fuchs und Wolf. Sein Fell glänzt zwar nicht, wie der Name suggerieren könnte, richtig golden, es changiert eher zwischen gelb-grau bis rötlich-braun. Nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes erreichen Goldschakale ein Gewicht von 15 Kilogramm, eine Schulterhöhe von bis zu 50 und eine Körperlänge von bis zu 90 Zentimetern, dazu kommen noch 20 bis 30 Zentimeter für die Lunte, also den Schwanz.

Als opportunistische Allesfresser sind Goldschakale bei ihren Mahlzeiten nicht wählerisch. Auf ihrem Speisezettel stehen neben Beeren und Mais, Aas und Schlachtabfällen etwa Insekten, Amphibien, Fische sowie auch kleine Säugetiere wie Mäuse. Nur wenn es unbedingt sein muss, wagen sich Goldschakale auch mal an größere Beutetiere heran. Sie können dabei, vor allem wenn sie als Paar oder im Rudel jagen, durchaus auch Rehe, Frischlinge und Schafe erlegen. In Schleswig-Holstein wurden 2017 drei Schafe von einem Goldschakal angegriffen und leicht verletzt.

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Menschen brauchen keine Angst vor Angriffen zu haben. Goldschakale sind sehr scheu, meiden Siedlungen und leben in kleinen Territorien. Zudem sind sie vor allem in der Dämmerung und in der Nacht unterwegs beziehungsweise auf der Jagd.

Das traditionelle Verbreitungsgebiet des Goldschakals erstreckt sich von Südasien über den Nahen Osten bis zur Balkanhalbinsel, allein in Europa sollen bis zu 120.000 dieser Tiere leben – rund fünfmal mehr als es Wölfe gibt. Aber erst seit einigen Jahren tauchen Goldschakale auch in mittel- und nordeuropäischen Ländern auf. In Österreich, der Schweiz, Deutschland, den Niederlanden, Dänemark und sogar in Finnland.

Kein Rückkehrer, sondern neue Tierart

In all diesen Ländern hat es nie zuvor Goldschakale gegeben. „Er ist kein Rückkehrer, sondern eine völlig neue Tierart“, sagt der Schakalexperte Felix Böcker von der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg.

Mindestens 25 gesicherte Goldschakalnachweise seit 1997 zählt Jörg Tillmann von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt auf. Die Tiere wurden in Fotofallen geknipst, anhand ihres Kots genetisch identifiziert oder, wie schon mehrmals in Niedersachsen, von Autos überfahren. Zuletzt wurde im Juni ein Goldschakal-Weibchen auf der Autobahn 7 bei Hannover tot aufgefunden, auch bei Osnabrück gab es einen Totfund.

Klimawandel wohl Grund für Ausbreitung

Wahrscheinlich handele es sich bei den 25 nachgewiesenen nur um einen Bruchteil der eingewanderten oder durchziehenden Tiere, schätzt Tillmann. Aus seiner Sicht ist der Klimawandel ein Grund für die Ausbreitung der Goldschakale. Die schneearmen Winter der vergangenen Jahre und die trockenen, heißen Sommer – für den Vierbeiner seien das gute Bedingungen, um inzwischen bis nach Nordeuropa vorzudringen.

„Wenn sich der Goldschakal hier etabliert, verändert das das Ökosystem in seinem Verbreitungsgebiet“, prognostiziert Tillmann. Sein Appell: Damit potenzielle künftige Konflikte, wie sie aktuell beim Wolf zu beobachten sind, gar nicht erst entstehen, sei „von Anfang an eine wissenschaftlich belastbare Datenbasis wichtig“. Interessensgruppen wie Naturschützer und Landnutzer sollten deshalb schon jetzt über Fachinformationen und Bestimmungshilfen für das mögliche Auftreten der Art sensibilisiert werden.

Sobald dokumentiert sei, dass der Goldschakal hierzulande Nachkommen aufziehe, sollte er aktiv über ein Monitoring erfasst werden. Auf dieser Grundlage könne dann ein Managementplan erarbeitet werden. In der Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie der Europäischen Union wird der Goldschakal als Tierart von gemeinschaftlichem Interesse geführt. Das heißt, die EU-Mitgliedsstaaten müssen einen günstigen Erhaltungszustand der Art gewährleisten, bevor sie Tiere bejagen dürfen. Beim Goldschakal ist dieser Zustand für Deutschland allerdings noch nicht definiert. Und – obwohl niemand weiß, wie viele Exemplare sich in den Wäldern verstecken – schon gar nicht erreicht.

Im alten Ägypten wurde der Goldschakal übrigens als heiliges Wesen verehrt und der Totengott Anubis mit einem Schakalkopf dargestellt. Die in Afrika lebende Art wurde 2015 allerdings als eigenständig eingestuft und heißt seitdem Goldwolf, weil sie im Gegensatz zu den hiesigen Goldschakalen genetisch enger mit dem Wolf verwandt ist.

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