Der britische Premierminister Boris Johnson. Foto: IMAGO/Tayfun Salci
© IMAGO/Tayfun Salci

Johnson erhält Bericht zur Partygate-Affäre Augenzeugen berichten von wöchentlichen Lockdown-Feiern in Londoner Downing Street

Am nächsten Morgen sollen leere Flaschen rum gestanden haben. Der britische Premierminister äußert sich heute zum „Partygate“-Untersuchungsbericht.

Unmittelbar vor der erwarteten Veröffentlichung des „Partygate“-Untersuchungsberichts haben Augenzeugen von Lockdown-Feiern in der Regierungszentrale schwere Vorwürfe erhoben. In der Londoner Downing Street habe es während des Corona-Lockdowns jeden Freitag Einladungen zu Treffen mit Alkohol gegeben, zitierte die BBC am Mittwoch mehrere anonymisierte Beschäftigte. Leere Flaschen und Reste von Essenslieferungen hätten noch am nächsten Morgen herumgelegen.

Der britische Premierminister Boris Johnson hat übereinstimmenden Medienberichten zufolge den vollständigen Untersuchungsbericht zur „Partygate“-Affäre erhalten. Mehrere Kopien des Reports der Spitzenbeamtin Sue Gray seien in der Downing Street abgegeben worden, berichteten am Mittwoch unter anderem der Sender Sky News und die Zeitung „Daily Mirror“. Es wurde erwartet, dass Johnson gegen Mittag im Parlament Stellung dazu nehmen wird.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Der Bericht wird mit Spannung erwartet. Gray hatte intern zu mehreren Lockdown-Partys im Regierungssitz ermittelt, bei denen Corona-Regeln gebrochen wurden. Wegen Polizeiermittlungen hatte Gray bisher nur einen stark gekürzten Bericht veröffentlicht. Darin wirft sie Downing Street schweres Fehlverhalten vor. Die Londoner Polizei hat mittlerweile mehr als 120 Strafbescheide gegen Dutzende Beschäftigte erlassen, auch Johnson erhielt in einem Fall eine Geldstrafe.

Die Opposition sowie einige Abgeordnete von Johnsons Konservativer Partei fordern den Rücktritt des Premiers. Dies schließt der 57-Jährige bisher aus. Johnson erhielt am Mittwoch auch Unterstützung: Dies sei kein Schlüsselmoment für den Premier, sagte der Tory-Abgeordnete Charles Walker der BBC. Im Gegenteil: Johnson habe das Schlimmste hinter sich.

Dutzende Beschäftigte mit 120 Strafbescheiden

Zuletzt waren Fotos einer Zusammenkunft im Regierungssitz vom 13. November 2020 aufgetaucht. Zu sehen ist, wie Johnson ein Glas erhebt und offenbar den anderen Anwesenden zuprostet. Niemand trägt eine Maske, auf einem Tisch stehen mehrere offene Flaschen. Nach BBC-Angaben standen etwa 30 bis 40 Menschen eng an eng in einem Raum. Johnson selbst habe seinen Mitarbeitern Alkohol eingeschenkt. Zu dem Zeitpunkt waren private Zusammenkünfte untersagt. Wegen der Veranstaltung hatte die Londoner Polizei mehrere Teilnehmer mit Geldstrafen belegt, Johnson aber nicht.

Insgesamt belegte die Polizei Dutzende Beschäftigte mit insgesamt mehr als 120 Strafbescheiden, darunter auch den Premier für eine andere Feier. Wegen der Affäre fordern auch Mitglieder von Johnsons Konservativer Partei seinen Rücktritt. Dies schließt Johnson aus. Er hatte Fehler eingeräumt, aber betont, er habe stets den Eindruck gehabt, dass es sich um Arbeitstreffen handelte. (dpa)

Zur Startseite