Bei einer Verurteilung droht Kelly eine langjährige Haftstrafe. Foto: E. Jason Wambsgans/Chicago Tribune/Pool via REUTERS/File Photo
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„Jeden Trick aus Handbuch des Raubtiers“ genutzt Missbrauchsprozess gegen R&B-Star R. Kelly hat begonnen

Die Anklage wirft dem Sänger vor, seinen Ruhm genutzt zu haben, um "junge Mädchen, Jungen und Frauen für seine sexuelle Befriedigung auszubeuten".

Mit schweren Anschuldigungen der Anklage hat in New York der Missbrauchsprozess gegen den berühmten R&B-Musiker R. Kelly begonnen. Staatsanwältin Maria Cruz Melendez warf dem Sänger des Welthits "I Believe I Can Fly" am Mittwoch vor, über Jahrzehnte seinen Ruhm genutzt zu haben, um "junge Mädchen, Jungen und Frauen für seine sexuelle Befriedigung auszubeuten".

Der 54-Jährige habe "jeden Trick aus dem Handbuch des Raubtiers" genutzt, um sich Minderjährigen zu nähern, ihnen und ihren Familien Versprechungen zu machen und seine Opfer dann sexuell zu missbrauchen, sagte die Staatsanwältin vor dem Bundesgericht im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Er habe sich dabei auf ein "Netzwerk" von Helfern gestützt, die Mädchen für Sex mit ihm rekrutiert und seine Verbrechen vertuscht hätten.

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Kelly habe Zugang zu "jungen Fans" gehabt und seine Opfer wie "Objekte" gesammelt. Der Sänger soll Opfer, die sich seinen Wünschen widersetzten, mit "grausamen und erniedrigenden Strafen" gepeinigt und sie unter anderem verprügelt haben. Auch filmte und fotografierte er seine Opfer demnach beim Sex und drohte dann mit einer Veröffentlichung.

Kelly, der im Gerichtssaal einen grauen Anzug und eine lilafarbene Krawatte trug, verfolgte die Ausführungen der Staatsanwältin schweigend und teilweise mit gesenktem Kopf. Dem Grammy-Gewinner werden unter anderem sexuelle Ausbeutung Minderjähriger, Entführung, Zwangsarbeit und Bestechung in den Jahren 1994 bis 2018 vorgeworfen. Bei einer Verurteilung droht Kelly eine langjährige Haftstrafe.

Laut der Anklage wurden für Kelly systematisch junge Mädchen "rekrutiert", um Sex mit dem einstigen Superstar zu haben. Dabei sei ihnen auch eine Geschlechtskrankheit Kellys verschwiegen worden. Wenn Kelly auf Tour war, sollen die Opfer in Hotelzimmern eingesperrt worden sein. Ziel sei gewesen, die Mädchen und jungen Frauen zu isolieren und finanziell abhängig zu machen.

Eine Gerichtszeichnung von R. Kelly und seiner Anwältin Nicole Blank Becker. Foto: REUTERS/Jane Rosenberg Vergrößern
Eine Gerichtszeichnung von R. Kelly und seiner Anwältin Nicole Blank Becker. © REUTERS/Jane Rosenberg

Gegen den Sänger und Komponisten waren bereits vor rund 25 Jahren erste Vorwürfe laut geworden. Ein Prozess endete jedoch mit Freispruch, andere Verfahren wurden außergerichtlich beigelegt.

Die 2019 veröffentlichte Dokumentationsserie "Surviving R. Kelly" führte dann zu neuen Ermittlungen, zu Kellys Festnahme - und jetzt zu dem Prozess in New York. "Nach zwei Jahrzehnten beginnen die Menschen endlich zu reden, und ich bin dafür demütig dankbar", sagte Jonjelyn Savage, deren Tochter Missbrauchsvorwürfe gegen Kelly erhoben hat, am Mittwoch vor dem Gerichtsgebäude.

Der Sänger mit dem bürgerlichen Namen Robert Sylvester Kelly weist alle Vorwürfe zurück und hat auf nicht schuldig plädiert. Der Prozess begann wegen der Corona-Pandemie mit mehr als einem Jahr Verspätung und dürfte rund einen Monat dauern. Über Kellys Schicksal entscheidet eine Jury aus zwölf Geschworenen, sieben Männern und fünf Frauen. Kelly droht auch in Chicago ein Prozess. (AFP)

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