Eine Aschewolke und Gase steigen nach dem Ausbruch eines unterseeischen Vulkans im Inselreich Tonga auf. Foto: imago images/ZUMA Wire
© imago images/ZUMA Wire

Himmel in Asche, Land unter Wasser Tsunami-Alarm in zahlreichen Weltregionen nach Vulkanausbruch in Tonga

Der Ausbruch des Hunga Tonga-Hunga Ha’apai alarmiert viele Pazifik-Staaten. Betroffen ist aber vor allem das Inselreich Tonga in der Südsee.

Die Explosion war Tausende Kilometer weit zu hören, in der Südsee stiegen Aschewolken hoch in die Luft: Der Ausbruch eines Unterwasservulkans hat Tsunami-Wellen ausgelöst, die mehrere Inseln Tongas überschwemmt haben. Experten warnten vor den Folgen der Vulkanasche, die sich über der Hauptinsel verteilt hat.

US-Behörden veröffentlichten Satellitenaufnahmen des Ausbruchs und erklärten, die Eruption des Vulkans Hunga Tonga scheine der bisher „stärkste und heftigste Ausbruch des 21. Jahrhunderts“ zu sein. Der geologische Dienst von Tonga verkündete, Gas, Rauch und Asche seien 20 Kilometer in die Luft geschleudert worden.

Während nach der ersten Eruption vom Freitag nur kleine Tsunami-Wellen registriert wurden, war die zweite Eruption am Samstag Medienberichten zufolge auch im 2000 Kilometer entfernten Neuseeland zu hören. Außer in Tonga, den USA und Japan wurden auch in Fidschi, Vanuatu, Neuseeland, Australien, Ecuador und Chile Tsunami-Warnungen ausgegeben.

Japans Pazifik-Küste wurde von knapp 1,20 Meter hohen Wellen getroffen. In Neuseeland wurden 120 Menschen aus nördlichen Küstenregionen in Sicherheit gebracht. Eine Riesenwelle zerstörte mehrere Boote in einem Jachthafen. Auch Überschwemmungen in Santa Cruz im US-Staat Kalifornien wurden auf den Vulkanausbruch zurückgeführt. Am Sonntag hob das Pazifik-Tsunami-Warnzentrum seine Warnung wieder auf.

Der Himmel verdunkelt sich

Welches Ausmaß an Zerstörung die Tsunami-Wellen auf Tonga angerichtet haben, war zunächst schwer einzuschätzen. Auf den wenigen Videos, die in sozialen Medien kursierten, waren Überschwemmungen zu sehen und Menschen, die vor den Wellen auf höheres Gelände flüchten.

Außerdem ist zu erkennen, wie sich der Himmel mit Asche verdunkelte. „Der Boden hat gebebt, das ganze Haus wurde durchgeschüttelt“, sagte die Tongaerin Mere Taufa der Nachrichtenseite „Stuff“. Ihr jüngerer Bruder habe gedacht, „dass in unserer Nähe Bomben explodieren“.

Schilder weisen auf die Tsunami-Gefahr am Strand von El Tabo in Chile hin. Foto: imago images/Aton Chile Vergrößern
Schilder weisen auf die Tsunami-Gefahr am Strand von El Tabo in Chile hin. © imago images/Aton Chile

Berichte über Verletzte oder Todesopfer gab es zunächst nicht. Ein Mensch galt in Tongas Hauptstadt Nuku’alofa als vermisst. Ein Video, das vom neuseeländischen Hochkommissariat in Nuku’alofa aufgenommen wurde, zeigt die überschwemmte Innenstadt, darunter auch den Königspalast und die größte Bank Tongas.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Auf Fotos von anderen Inseln sind aufgerissene Straßen und Teile einer zerstörten Seemauer zu sehen. Nach Angaben der neuseeländischen Botschaft in Tonga beschädigte der Tsunami vor allem die Küste im Norden von Nuku’alofa. Boote und große Felsbrocken seien an Land gespült worden.

Autos stehen im Hochwasser auf einem durch eine Tsunami-Flutwelle überschwemmten Parkplatz am oberen Hafen von Santa Cruz in Kalifornien. Foto: dpa Vergrößern
Autos stehen im Hochwasser auf einem durch eine Tsunami-Flutwelle überschwemmten Parkplatz am oberen Hafen von Santa Cruz in Kalifornien. © dpa

„Wir sind bereit, unsere Freunde und Familien in Tonga zu unterstützen“

Die Hilfsorganisation Save the Children war in Sorge um die Luft- und Wassersicherheit aufgrund von Asche und Rauch. „Die Regierung hat die Öffentlichkeit gebeten, vorerst Masken zu tragen und Wasser in Flaschen zu verwenden“, hieß es in einer Mitteilung. In den Stunden nach dem Ausbruch fielen die Telefon- und Internetverbindung sowie der Strom auf den Inseln aus.

Dies erschwerte auch Hilfsmaßnahmen, die für die etwa 105.000 Bewohner Tongas aus dem Ausland anliefen.

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern kündigte einen Aufklärungsflug der Luftwaffe an. Dieser könne aber wegen der Aschewolke erst am Montag stattfinden. Gleichzeitig stehe ein weiterer Flieger bereit, um Wasser, Lebensmittel und medizinische Hilfsgüter zu transportieren. Auch die Marine würde sich bereits auf einen Einsatz vorbereiten.

Ein Satellitenbild zeigt den Vulkanausbruch im Pazifik. Foto: dpa/AAP Image/Tonga Meteorological Services Vergrößern
Ein Satellitenbild zeigt den Vulkanausbruch im Pazifik. © dpa/AAP Image/Tonga Meteorological Services

„Wir sind bereit, unsere Freunde und Familien in Tonga zu unterstützen“, erklärte Neuseelands Regierungschefin. Auch Australien, die USA und die Vereinten Nationen sagten dem Inselstaat Unterstützung zu.

Der Vulkan, der mit vollem Namen Hunga Tonga-Hunga Ha’apai heißt, ist 1800 Meter hoch und 20 Kilometer breit und liegt rund 65 Kilometer nördlich von Tongas Hauptstadt Nuku’alofa entfernt. 2015 spuckte der Unterseevulkan wochenlang Asche und Lava.

Der Flugverkehr musste zeitweise umgeleitet werden, die Eruption formte eine neue, zwei Kilometer lange Insel aus Gestein und Asche. Tonga liegt am Pazifischen Feuerring, Erdbeben und Vulkanausbrüche sind keine Seltenheit.

Der neuseeländische Geologe Marco Brenna sagte jetzt, die Auswirkungen des Vulkanausbruchs seien insgesamt „relativ gering“ gewesen. Eine weitere Eruption mit größeren Folgen sei aber nicht auszuschließen. (mit AFP, dpa)

Zur Startseite