Harry und Meghan am 07.01.2020 im Kanada-Haus in London. Das Paar plant mit Baby Archie zeitweise in Kanada zu leben. Foto: Daniel Leal-Olivas/PA Wire/dpa
© Daniel Leal-Olivas/PA Wire/dpa

Update Harry hat England verlassen Auf dem Weg in ein neues Leben

Harry ist in Kanada angekommen und von seiner Kleinfamilie empfangen worden. Der Rückzug von den Royals hat allerdings auch Schattenseiten.

Prinz Harry ist britischen Medien zufolge wieder nach Kanada zu seiner kleinen Familie geflogen. Er landete mit einer British-Airways-Maschine auf dem Flughafen von Vancouver, wie unter anderem die Zeitung „Daily Mail“ am Dienstag berichtete. Anschließend flog er mit einer kleineren Maschine nach Vancouver Island, wo sich Herzogin Meghan und der acht Monate alte Archie aufhalten.

Die „Sun“ und andere Blätter veröffentlichten Fotos und Videos, die zeigen, wie Meghan lachend mit Archie und ihren beiden Hunden auf Vancouver Island spazieren geht. Auch Harry - in Jeans und mit Mütze - lächelte bei seiner Ankunft in Kanada. Vancouver Island liegt vor der Pazifikküste und hat ein relativ mildes Klima.

Rückzug aus Königsfamilie hat auch Schattenseiten

Zuvor hatte sich der britische Prinz Harry traurig über seinen Rückzug von seiner Rolle in der Königsfamilie gezeigt. „Als Meghan und ich heirateten, waren wir aufgeregt, hoffnungsvoll und wir wollten etwas Sinnvolles tun“, sagte Harry in einem Video, das er auf Instagram postete. Dort ist eine Rede zu sehen, die Harry vor Mitarbeitern der Hilfsorganisation Sentebale gehalten hatte. Er fügte hinzu: „Deshalb macht es mich traurig, dass es so weit gekommen ist.“

Einleitend hatte er betont, wie wichtig ihm sei, dass die Welt die Wahrheit erfahre – von ihm. „Ich kann mir nur vorstellen, was Sie in den vergangenen Wochen womöglich gehört oder vielleicht gelesen haben“, sagte er: „Ich will, dass Sie die Wahrheit – so viel ich davon teilen kann – von mir hören. Nicht von mir als Prinz oder Herzog, sondern von mir als Harry. Dieselbe Person, die viele von Ihnen in den vergangenen 35 Jahren haben aufwachsen sehen. Aber mit einer klareren Perspektive.“

Erst am Samstag hatte das Königshaus mitgeteilt, dass Harry und Meghan vom Frühjahr an auf ihre Titel „Königliche Hoheit“ verzichten und keine offiziellen Aufgaben für die Queen mehr übernehmen werden. Das Paar hatte zuvor bereits selbst angekündigt, sich teilweise zurückzuziehen und finanziell auf eigenen Füßen stehen und künftig zeitweise in Nordamerika leben zu wollen.

Vor ihrer Entscheidung für den Teilrückzug hatten sich Harry und Meghan eine sechswöchige Auszeit in Kanada gegönnt und dort auch das Weihnachtsfest verbracht. Meghan hatte in Toronto mehrere Jahre erfolgreich als Schauspielerin („Suits“) gearbeitet und ist dort bestens in Film- und Politikerkreisen vernetzt. Sie hält sich derzeit mit dem acht Monate alten Sohn Archie in Kanada auf.

Vorgestellt hatten die beiden sich das Ganze aber anders, wie Harry nun erläuterte. Sie hätten sich nicht leichtfertig dazu entschieden, von ihrer Rolle zurückzutreten. „Es gab aber keine andere Option.“ Konkret sprach Harry von einer „Entscheidung, die ich für meine Frau und mich getroffen habe“. Nach der Rückzugsankündigung von Harry und Meghan hatten Kritiker der Herzogin von Sussex vorgeworfen, sie treibe einen Keil zwischen Harry und seine Familie.

Harry kam auch auf die Medien zu sprechen, die eine „gewaltige Macht“ hätten. Über Meghan sagte er unter anderem, sie sei noch immer dieselbe Frau, in die er sich einst verliebt habe.

Harry wollte weiter der Queen dienen

Harry machte deutlich, dass ihn besonders der Verlust seiner militärischen Titel und Schirmherrschaften schmerzt, die er durch seinen zweimaligen Dienst als Soldat in Afghanistan erworben hatte. In der Ansprache vor Unterstützern seiner Hilfsorganisation für junge Menschen mit HIV in Afrika sagte er, die Entscheidung für den Rückzug von den royalen Pflichten habe er „nicht leichthin“ getroffen. Sie sei nach monatelangen Gesprächen und jahrelangen „Herausforderungen“ gefallen.

Seine Hoffnung sei gewesen, nach dem Verzicht auf öffentliche Gelder weiterhin „der Queen, dem Commonwealth und meinen militärischen Vereinigungen dienen“ zu können. Doch dies sei nicht möglich gewesen.

Harry sagt, er sei der Queen „unglaublich dankbar“

„Ich habe das akzeptiert mit dem Wissen, dass es nichts daran ändert, wer ich bin, oder wie entschlossen ich bin.“ Er lasse alles hinter sich, was er gekannt habe, in der Hoffnung auf ein friedvolleres Leben. Für seine Großmutter, die Queen, habe er aber den allergrößten Respekt.

Zugleich bekundete der 35-Jährige seinen „höchsten Respekt“ für Königin Elizabeth II. Er sei ihr sowie der übrigen Familie „unglaublich dankbar“ für die Unterstützung, die sie ihm und Meghan in den vergangenen Monaten gegeben hätten.

Am Montag vergangener Woche hatte zu der Rückzugsankündigung von Harry und Meghan ein Krisengipfel der britischen Königsfamilie auf dem Landsitz Sandringham stattgefunden. Königin Elizabeth II. erklärte anschließend, sie unterstütze „voll und ganz“ den Wunsch des Paares, „ein neues Leben als junge Familie aufzubauen“. Sie verwies aber auf die noch notwendige Klärung „komplexer“ Fragen.

Am Samstag dann erklärte sich der Buckingham-Palast. Nach Beratungen in der Königsfamilie gebe es eine Vereinbarung: Demnach werden Harry und Meghan keine offiziellen Aufgaben für das Königshaus mehr übernehmen, auch nicht mehr für das Militär. Harry wird in Zukunft nicht mehr in Uniform zu sehen sein. Und es wird auch keine finanziellen Zuwendungen mehr für royale Aufgaben geben. Die Änderungen sollen im Frühling in Kraft treten.

Das Paar will demnach auch das Geld für die 2,4 Millionen Pfund (umgerechnet rund 2,8 Millionen Euro) teure Renovierung ihres Wohnsitzes in Windsor, Frogmore Cottage, zurückzahlen. Das Anwesen auf dem Gelände von Schloss Windsor soll aber weiterhin das Zuhause der beiden in Großbritannien bleiben.

Harrys Vater Prinz Charles will es seinem jüngeren Sohn zumindest vorerst regelmäßig Geld zuzuschießen. Foto: imago images / APress Vergrößern
Harrys Vater Prinz Charles will es seinem jüngeren Sohn zumindest vorerst regelmäßig Geld zuzuschießen. © imago images / APress

Harrys Vater Prinz Charles will es offenbar nicht nur bei moralischer Unterstützung belassen. Der Thronfolger plant laut einem Bericht des „Daily Telegraph“ vom Montag, seinem jüngeren Sohn zumindest vorerst regelmäßig Geld zuzuschießen.

Allerdings brauchen Harry und Meghan dies wahrscheinlich nicht: Der Prinz soll ein riesiges Vermögen von seiner verstorbenen Mutter Diana geerbt haben, Meghan verdiente vor der Einheirat ins britische Königshaus als Schauspielerin Millionen. Außerdem gehen Experten davon aus, dass das Paar seine Prominenz künftig problemlos in Geld ummünzen kann-

Weitere Texte zum Megxit:

Queen Elizabeth II entschied sich für einen klaren Schnitt - äußerte aber Verständnis für die Entscheidung von Harry und Meghan. Foto: AFP Vergrößern
Queen Elizabeth II entschied sich für einen klaren Schnitt - äußerte aber Verständnis für die Entscheidung von Harry und Meghan. © AFP

Harry und Meghan hatten angekündigt, ihre Zeit künftig zwischen dem Vereinigten Königreich und Nordamerika aufzuteilen. Sie dürften damit vor allem Kanada gemeint haben. Dort nahmen die beiden bereits über Weihnachten und den Jahreswechsel eine sechswöchige Auszeit mit ihrem im Mai zur Welt gekommenen Söhnchen Archie.
In der Mitteilung vom Samstag würdigte Königin Elizabeth II. (93), Harrys Großmutter, die beiden ausdrücklich. „Harry, Meghan und Archie werden immer sehr geliebte Mitglieder meiner Familie sein“, so die Queen.

Sie erkenne die Schwierigkeiten an, denen die beiden in den vergangenen zwei Jahren durch die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit ausgesetzt gewesen seien. Sie unterstütze deren Wunsch nach einem unabhängigeren Leben und sei „besonders stolz, wie Meghan so schnell ein Mitglied der Familie geworden ist“. Die ganze Familie hoffe, dass die Entscheidung den beiden ein „glückliches und friedliches neues Leben“ ermögliche.

Schon Mutter Diana wurde der Titel entzogen

Auch Harrys Mutter Diana war nach ihrer Scheidung von Prinz Charles (71) der Titel „Königliche Hoheit“ entzogen worden.

Sie kam vor 23 Jahren bei einem Autounfall in Paris ums Leben. Harry hatte danach als Jugendlicher schwierige Phasen und galt als Rebell, der bei den Briten dennoch beliebt war.

Erst Jahre später räumte er in Interviews ein, psychische Probleme gehabt zu haben. Harry gilt als sensibel und setzt sich inzwischen gemeinsam mit seinem Bruder William unter anderem für psychisch kranke Menschen ein.

In Großbritannien weckt der Rückzug von Harry und Meghan Erinnerungen an einen Skandal in den 1930er Jahren: Die US-Amerikanerin Wallis Simpson – zweimal geschieden und nicht adelig – war damals die große Liebe von König Eduard VIII.

Regierung und Kirche waren allerdings strikt gegen diese Beziehung. Der König dankte 1936 schon nach weniger als einem Jahr ab, um Simpson heiraten zu können. Er wurde von einigen als ihr „Schoßhündchen“ verspottet.

Das Paar lebte abwechselnd in Frankreich und den USA. Auf dem Thron folgte der Bruder des Ex-Königs: Georg VI., der Vater von Königin Elizabeth II. (dpa, AFP)

Zur Startseite