Es wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt

Germanwings-Absturz Die Blackbox von Flug 4U9525: Protokoll des Grauens

Wer ermittelt?
Die zuständige Staatsanwaltschaft von Marseille hat Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Auch die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Dabei gehe es um die Identifizierung der Opfer und die Klärung der Todesursache. Ein solches Verfahren werde eingeleitet, wenn von einer nicht natürlichen Todesursache auszugehen sei. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wird aber nicht vor Ort ermitteln, sondern mit den Behörden in Frankreich eng zusammenarbeiten. Die Federführung bei der Suche nach den Unfallursache hat gemäß den Richtlinien der internationalen Zivilluftfahrtorganisation der Vereinten Nationen das französische Bureau Enquestes Accidents (BEA), da sich das Unglück in Frankreich ereignete. Beteiligt sind die deutsche Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), da es sich um ein in der Bundesrepublik zugelassenes Flugzeug handelte, auch die spanischen Behörden dürften beteiligt werden. Airbus und der Triebwerkshersteller CFM International sind ebenfalls vertreten.

Wie laufen die Ermittlungen ab?
Basis der Arbeit der Ermittler ist ein spezielles Regelwerk der Internationalen Zivilluftfahrtbehörde ICAO, einer Unterorganisation der UN. Hier ist zum Beispiel definiert, dass die Untersuchung immer von einer unabhängigen Kommission durchgeführt werden muss. Im Regelwerk der ICAO ist auch festgelegt, dass es bei den Unfalluntersuchungen ausschließlich darum geht, künftige Unglücke zu vermeiden. Juristische Schuld- und Haftungsfragen bleiben ausdrücklich unberücksichtigt. Diese müssen die die Hinterbliebenen in eigenen Verfahren geltend machen.

Gerade die Analyse der Wrackteile hat am auffälligsten die Ähnlichkeit mit einem Puzzle. Der Aufwand ist teilweise gigantisch. So wurden von der 1996 über dem Nordatlantik verunglückten Boeing 747 der Fluggesellschaft TWA 98 Prozent aller Teile vom Meeresgrund geborgen. Die Stücke variierten von der Größe einer Münze bis zu neun Meter langen Wrackstücken. Dazu durchkämmten Krabbenkutter mit speziellen harkenähnlichen Geräten zehn Monate lang den Ozeanboden in 40 Meter Tiefe auf einer kreisförmigen Fläche mit einem Durchmesser von acht Kilometern. Eine Million Stücke wurde geborgen und zusammengetragen. So konnte festgestellt werden, dass ein Tank explodiert war. Die Kosten der gesamten Ursachenermittlung: rund 100 Millionen US-Dollar.

Vielen ist beim Fliegen nun mulmig zumute. Ist das gerechtfertigt?
„Obwohl in das letzte Jahr die tragischen Schicksale von MH370 und der ins Meer gestürzten A320 von AirAsia fallen, war es rein statistisch betrachtet sogar das sicherste Jahr in der Geschichte der zivilen Luftfahrt“, sagt Dennis Dahlenburg vom Online-Portal Aero.de. Der Weltluftfahrtverband IATA habe errechnet, dass es 2014 weltweit nur einen schweren Unfall je 4,4 Millionen Flüge gab – „gemessen am Straßen- oder Schienenverkehr ist schon das äußerst selten“. Der Hamburger Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg sagt, 2014 habe es weltweit rund 1000 Tote im Luftverkehr gegeben. „Im selben Jahr starben allein auf Deutschlands Straßen 3300 Menschen.“ In der EU gab es zugleich insgesamt 25 700 Tote im Straßenverkehr. mit dpa/AFP

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