Am Flughafen von Palma gilt eine generelle Testpflicht für alle Flugreisen nach Deutschland. Foto: Clara Margais/dpa
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Fahnder ermitteln auf Mallorca Deutscher Inselarzt stellt falsche Tests aus

Ein PCR-Test ohne Nasen-Rachen-Abstrich? Auf Mallorca soll ein Mediziner gefälschte Zertifikate an Urlauber verkauft haben.

Zehntausende von Urlaubern, die sich in diesen Osterferien auf Mallorca aufhalten, brauchen einen Corona-Test für den Rückflug in die Heimat. Doch offenbar nicht alle wollen sich in die langen Warteschlangen vor den Kliniken einreihen.

Die spanische Polizei bestätigte, dass sie gegen einen deutschen Inselarzt im Süden Mallorcas ermittelt, der in den letzten Tagen falsche oder unkorrekte Testbescheinigungen ausgestellt haben soll.

Wie die Inselzeitung „Ultima Hora“ berichtet, wollen die Fahnder jetzt alle Testzertifikate, die von dem Arzt in der jüngeren Vergangenheit ausgestellt worden sind, untersuchen.

Die Ermittlungen waren durch eine RTL-Reportage ins Rollen gekommen. In dem TV-Bericht wurde über den Fall einer Deutschen berichtet, die von dem Arzt eine Bescheinigung über einen negativen PCR-Coronatest bekommen habe, ohne dass bei ihr ein Nasen-Rachen-Abstrich gemacht worden sei. Zuvor hatte die Frau gegenüber dem Arzt geklagt, dass sie Angst vor der nicht sehr angenehmen Testprozedur habe.

80 Euro für falsche Bescheinigungen

Als der RTL-Reporter später, ohne sich zu erkennen zu geben, versuchte, von dem Mediziner gleichfalls eine Bescheinigung ohne Test zu erhalten, gelang auch ihm dies. Allerdings erst, nachdem er den Arzt überredete, weil er den Abstrich mit dem tief in Nase und Mund eingeführten Abstrich fürchte. In beiden Fällen soll der Arzt 80 Euro für die falschen Bescheinigungen kassiert haben.

Die deutschsprachige „Mallorca Zeitung“ berichtete über weitere Merkwürdigkeiten in der deutschen Praxis. So habe etwa ein ausländischer Bewohner, dessen Name und Nationalität nicht bekannt gegeben wurde, den Mediziner um einen PCR-Test gebeten.

Das Ergebnis war nach wenigen Minuten da

Angesichts der ungewöhnlichen Umstände bei der Testabwicklung schöpfte der Mann Verdacht. Zunächst fiel ihm auf, dass das Stäbchen bei ihm nicht tief, wie eigentlich üblich, in die Nase eingeführt wurde.

„Nur etwa zwei Zentimeter“, zitiert ihn die „Mallorca Zeitung“. Dann wunderte er sich, dass ihm das negative Ergebnis schon Minuten später in der Praxis mitgeteilt wurde.

„Es kann sich also nur um einen Schnelltest gehandelt haben“, berichtet der Testkunde in dem Blatt. Dabei habe er ausdrücklich um einen PCR-Test gebeten und diesen auch teuer bezahlt. Zudem habe ihm der Mediziner angeboten, das Testdatum auf den Tag vor dem Abflug zu verlegen.

Busreisegruppe mit gefälschten Zertifikaten ertappt

Die mallorquinische Testaffäre ist offenbar kein Einzelfall in Spanien. Ende März ertappte Spaniens Polizei eine Busreisegruppe mit 31 Personen an der Landgrenze zu Frankreich, die mit gefälschten Testzertifikaten unterwegs war.

Im gleichen Zeitraum erwischte Italiens Polizei sechs junge Spanier, die auf dem Flughafen Ciampino in Rom mit unechten Coronabescheinigungen reisen wollten.

Die Testpflicht für Reisende hat offenbar nicht nur in Spanien einen Schwarzmarkt für negative Coronazertifikate entstehen lassen. Deswegen warnte die Europäische Polizeibehörde Europol bereits Anfang Februar vor europaweitem Betrug mit Bescheinigungen, die nicht aus dem Labor, sondern aus den Druckern von Betrügern stammen.

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