Ein Angestellter der Tankstelle war in Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz von einem mit einer Pistole bewaffneten Mann erschossen worden. Foto: dpa/Foto Hosser/Christian Schulz
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Erschossen im Streit um die Maskenpflicht Mutmaßlicher Tankstellenmörder steht ab Montag vor Gericht

Der Mord an dem 20-jährigen Tankstellenmitarbeiter in Idar-Oberstein löste Entsetzen aus. Am Montag beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter.

Vor dem Landgericht im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach muss sich ab Montag ein 50-Jähriger verantworten, der in Idar-Oberstein einen Tankstellenkassierer im Streits um die Maskenpflicht erschossen haben soll. Die Anklage wirft ihm vor, den 20-Jährigen im September ermordet zu haben. Das Entsetzen in Deutschland nach der Tat war groß. Neben Mord werden dem Angeklagten das unerlaubte Führen der Tatwaffe und der unerlaubte Besitz einer weiteren Schusswaffe vorgeworfen.

Der Anklage zufolge wollte der 50-Jährige am 18. September in der Tankstelle Bier kaufen. Beim Bezahlen soll es eine kurze Diskussion mit dem 20-Jährigen gegeben haben, weil der Kunde keine Mund-Nasen-Bedeckung trug. Der Tatverdächtige habe die Tankstelle ohne das Bier verlassen. Zu Hause habe er sich immer mehr über die Situation in der Tankstelle geärgert und beschlossen, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen.

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Der Angeklagte soll sich seit langem durch die zur Bekämpfung der Corona-Pandemie angeordneten Beschränkungen belastet gefühlt haben. Mit der Tat habe er ein Zeichen setzen wollen. Gut eineinhalb Stunden nach seinem ersten Besuch in der Tankstelle sei der Mann mit Maske zurückgekehrt. An der Kasse habe er diese dann heruntergezogen. Damit habe er eine Reaktion des 20-Jährigen provozieren wollen.

Angeklagter stellte sich selbst und gestand

Es sei zu einem kurzen Wortwechsel gekommen, in dem der Mann dazu aufgefordert wurde, die Maske wieder aufzusetzen. Daraufhin habe der 50-Jährige die Waffe auf sein Opfer gerichtet und es mit einem Schuss ins Gesicht getötet. Anschließend sei er geflüchtet und habe sich nach einer ergebnislosen Großfahndung einen Tag später selbst gestellt.

Das Opfer erlag noch vor Ort seinen Verletzungen. Ihn habe der Angeklagte als mitverantwortlich für die Gesamtsituation angesehen, weil er die Maskenpflicht habe durchsetzen wollen. Der in Untersuchungshaft sitzende 50-Jährige gestand die Tat in seiner ersten Vernehmung umfänglich, danach schwieg er. Er war davor polizeilich nicht in Erscheinung getreten.

Rechtextremisten feierten die Tat

Die Tat löste eine breite Diskussion über eine Radikalisierung der Szene der Corona-Leugner und sogenannten Querdenker aus. In rechtsextremen Chats und Foren wurde sie begrüßt. Die Politik reagierte parteiübergreifend mit Entsetzen und Bestürzung. Die Tat wurde rund eine Woche vor der Bundestagswahl begangen und wurde eines der beherrschenden Themen in der Schlussphase des Wahlkampfs. Der AfD wurde vorgeworfen, eine Mitschuld an der Radikalisierung von Corona-Leugnern zu tragen.

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Verfassungsschützer reagierten indes wenig überrascht auf die Tat. Für den Präsidenten des thüringischen Verfassungsschutzes, Stephan Kramer, war sie nach eigener Aussage eine Konsequenz rechtsextremistischer Verschwörungsfantasien. Die Tankstellenlobby beklagte, dass ein hoher Druck auf den Unternehmen und Beschäftigen laste, die Regeln umzusetzen.

Für Montag ist zum Prozessbeginn die Verlesung der Anklage geplant. Im Anschluss hat der Angeklagte die Möglichkeit, sich einzulassen. Bis Mitte Mai sind zunächst 13 Verhandlungstermine angesetzt. (AFP)

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