Am offenen Herzen: Foto der Operation am vergangenen Freitag. Foto: AFP/University of Maryland School of Medicine
© AFP/University of Maryland School of Medicine

Er verletzte einen Mann mit sieben Messerstichen Schweineherz-Empfänger saß in den 80ern sechs Jahre in Haft

Mit 23 Jahren soll David Bennett Senior einen Bekannten aus Eifersucht schwer verletzt haben. Die Angehörigen des Opfers machen ihm schwere Vorwürfe.

Die Nachricht des todkranken Mannes, der das Herz eines gentechnisch veränderten Schweins transplantiert bekam, ging um die Welt: ein medizinischer Durchbruch. Wie die Washington Post berichtet, soll der Empfänger des Spenderorgans jedoch selbst einem Menschen das Leben beinahe genommen haben.

Im Jahr 1988 sei David Bennett Senior für die Attacke auf den damals 22-jährigen Edward Shumaker verurteilt worden. Er habe Shumaker sieben Messerstiche versetzt. Die Folge: Shumaker habe die folgenden 19 Jahre im Rollstuhl verbracht, bevor er 2005 einen Herzinfarkt erlitten habe und zwei Jahre später daran gestorben sei.

[Lesen Sie auch: „Großer Schritt für die Xenotransplantation“. Schweineherz erhält erstmals Menschen am Leben (T+)]

Sie wünsche sich, dass die „zweite Chance“, die Bennett dank modernster Technologie erhalten habe, „an einen Patienten gegangen wäre, der sie mehr verdient hätte“, zitiert die Washington Post Shumakers Schwester Leslie Shumaker Downey.

Verantwortliche des Krankenhauses der University of Maryland, an dem die Operation durchgeführt wurde, reagierten auf die Anfrage des US-Mediums mit einer schriftlichen Stellungnahme: „Der Patient kam zu uns in schlimmer Not. Und die Entscheidung über seine Transplantation wurde einzig auf Grundlage seiner medizinischen Daten getroffen.“ Lebensrettende Behandlungen würden jedem Patienten zuteil, und zwar auf Grundlage seiner medizinischen Bedürfnisse – und nicht seiner Lebensumstände.

Das Foto, das die Welt bewegte: Dave Bennett Senior mit dem Chirurg Barley Griffith. Foto: imago images/ZUMA Wire Vergrößern
Das Foto, das die Welt bewegte: Dave Bennett Senior mit dem Chirurg Barley Griffith. © imago images/ZUMA Wire

Der Bioethik-Professor Arthur Caplan sagte der Post“: „Es geht hier nicht darum, Sünder von Heiligen zu trennen. Verbrechen ist eine Sache des Rechts.“

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Zugleich versucht das Blatt, genau diese ethische Dimension des Falls zu eröffnen. Bennetts Opfer vor 34 Jahren, Edward Shumaker, sei mit ihm zusammen auf der High School gewesen. Nachdem er seine damalige Frau Norman Jean Bennett und Shumaker bei körperlichen Annäherungen beobachtet habe, habe er ihn an einem Pool-Tisch von hinten in Bauch, Brust und Rücken gestochen. Bennett sei wegen versuchten Mordes angeklagt, aber schließlich nur wegen Körperverletzung verurteilt worden.

Spenderherz-Empfänger soll Geldstrafe nie gezahlt haben

Sechs Jahre habe er dafür im Gefängnis gesessen und gut 30.000 US-Dollar zur Wiedergutmachung an Shumaker gezahlt. Nach einer Zivilklage des Opfers und seiner Angehörigen sei Bennett sogar zu einer Zahlung von 3,4 Millionen Dollar verpflichtet worden, die er aber nie geleistet habe.

Shumaker habe nach der Attacke unter Infektionen und Druckstellen gelitten, in Pflegeeinrichtungen gelebt. Sein Bruder, der ihn zur Pool-Bar gebracht hatte, habe sich Vorwürfe gemacht, sei drogenabhängig geworden und 1999 an einer Überdosis gestorben.

„Mein Vater hat in seinem ganzen Leben nie mit mir darüber geredet“, wird Bennett Seniors Sohn zitiert. Er werde nichts zu den Vorwürfen sagen - aber sei stolz auf den Mut des Vaters, die risikoreiche Operation an sich durchführen lassen zu haben. „Er hat einen starken Willen und Wunsch zu leben.“ Die Schwester seines Opfers, Leslie Shumaker Downey, empfinde es dagegen als verletzend, Bennet Senior als Helden darzustellen. „Ihm wurde ein neuer Versuch im Leben gegeben. Aber meinem Bruder Ed wurde dieser Versuch nicht gegeben. Er bekam die Todesstrafe.“

Zur Startseite