Biker-Treffen in Augustusburg (Archivbild von 2013) Foto: Arno Burgi/dpa
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Update Empörung wegen Auftritt in NS-Montur Hitler-Imitator fährt auf Biker-Treffen vor – Polizist filmt begeistert

Mit Hitlerbart und Wehrmachtsbike fährt ein Mann in Augustusburg in Sachsen neben einen Polizeiwagen. Die begeisterte Reaktion des Beamten sorgt für Aufregung.

Der Fall eines Hitler-Imitators bei einem Biker-Treffen im sächsischen Augustusburg sorgt für Empörung. Auf einem Facebook-Video ist zu sehen, wie ein Motorradfahrer in Wehrmachtsuniform mit Stahlhelm seine Maschine direkt neben einem Polizeiwagen einparkt. In seinem Beiwagen sitzt ein als Hitler verkleideter Mann, auch das Motorrad sieht wie eine Wehrmachtsmaschine aus.

Mehrere Zuschauer lachen begeistert und filmen den Auftritt. Ein weiteres Video auf Twitter zeigt: Auch der Polizist im Polizeiwagen nimmt die Aktion offensichtlich amüsiert mit dem Handy auf. Der Fall wird nun rechtliche Konsequenzen haben.

Wie die Polizei am Montag mitteilte, habe der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Es werde geprüft, ob bei der Hitler-Imitator bei dem Auftritt das Strafrecht verletzt hätte. Bei dem Mann stehen der Verdacht des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen oder auch Volksverhetzung im Raum.

Am Dienstag teilte die Staatsanwaltschaft Chemnitz mit, dass sie in dem Fall ermittele. „Das Material zu dem Fall liegt uns vor“, sagte eine Behördensprecherin. Es werde geprüft, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird und ob der Auftritt strafrechtlich relevant ist.

Polizist räumt Fehlverhalten ein

Auch der Polizist muss mit Konsequenzen rechnen. Der Auftritt habe durchaus eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dargestellt, sagte ein Polizeisprecher. „Wir hätten deshalb vom Kollegen erwartet, dass er dies ohne Wenn und Aber unterbunden hätte“, sagte ein Sprecher.

Der Beamte habe sein Fehlverhalten in einem „konstruktiven Gespräch“ mit der Leitung der Polizeidirektion Chemnitz eingesehen, sagte ein Sprecher der Polizei am Dienstag. Dienstrechtliche Konsequenzen würden dennoch geprüft.

Scharfe Kritik von Kretschmer

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) verurteilte die Aktion scharf. Der Auftritt als Massenmörder sei mehr als geschmacklos, twitterte der Regierungschef.

Auch Dirk Neubauer, SPD-Bürgermeister von Augustusburg, verurteilte den Auftritt in einem Facebook-Video als „nicht akzeptabel“. Und ergänzte: „diese Bilder gehören auf den Müllhaufen der Geschichte“.

In so einer Montur auf dem Jagdschloss Augustusburg aufzutreten sei zudem „geschichtsvergessen“, ergänzte der Bürgermeister. Denn der Ort habe eine NS-Vergangenheit: Dort habe sich eine Gau-Schule in der Nazizeit befunden, zudem sei dort die Außenstelle eines KZs gewesen. Der Bürgermeister wies zudem darauf hin, dass der Hitler-Imitator polizeibekannt sei, er tauche häufiger bei solchen Veranstaltungen auf.

Über Augustusburgs Bürgermeister Dirk Neubauer können Sie hier ein Tagesspiegel-Porträt lesen.

Die Schlossbetriebe, Mitveranstalter des Motoradtreffens, zeigten sich auch empört über den Hitler-Imitator. Es sei unklar, wie der Mann an dem Sicherheitspersonal vorbeigekommen sei, sagte laut MDR Geschäftsführerin Patrizia Meyn. Für das nächste Jahr solle sichergestellt werden, dass solche Auftritte nicht mehr möglich seien.

Zu dem Biker-Treffen waren am vergangenen Wochenende 1800 Motorradfahrer und rund 7500 Besucher zum Schloss Augustusburg gekommen. Die Veranstaltung hat Tradition: Sie fand in diesem Jahr zum 49. Mal statt. (Tsp, dpa, epd)

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