Passanten mit Masken in der Steglitzer Schlossstraße in Berlin. Foto: Fabrizio Bensch/Reuters
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Das Wichtigste zu Mund-Nasen-Bedeckungen In welchen Situationen Alltagsmasken schützen – und wann nicht

Nicht alle Masken erfüllen die erforderlichen Qualitätsstandards. Worauf Käufer achten müssen, um sich und andere nicht zu gefährden.

Seit März hat der Zoll an den deutschen Grenzen 175 Millionen Masken beschlagnahmt, ein Drittel von ihnen entsprach nicht den Standards. Das berichtet die „Berliner Morgenpost“.

Von den zunächst beschlagnahmten Masken wurden demnach 660 Sendungen aus dem Verkehr gezogen, was etwa 68 Millionen Masken entspricht. Diese hätten Mängel aufgewiesen, wären für den Träger gefährlich oder seien fehlerhaft zertifiziert gewesen.

Wie aber können Verbraucher sicher gehen, dass sie Produkte nutzen, die verlässlich sind? Und welche Masken schützen in welcher Situation am besten? Wir haben darüber mit Christian J. Kähler gesprochen. Er ist Leiter des Institutes für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr in München. Mit seinem Team hat er in den vergangenen Monaten viel zum Thema Masken geforscht.

Welchen Schutz können Alltagsmasken vor dem Coronavirus bieten?

Es gibt zwei Arten, auf denen sich Menschen mit dem Coronavirus anstecken können: die direkte und die indirekte Infektion. Und diese Arten spielen eine Rolle, wenn es um die Bewertung der Schutzes durch Masken geht. „Die direkte Infektion geschieht dann, wenn man länger mit einem infizierten Menschen in Kontakt ist, miteinander spricht, angehustet wird“, sagt Christian Kähler. Die indirekte Infektion meint die Ansteckung in Räumen, in denen die Luft eine hohe Viruslast enthält. „Da können wir uns anstecken, auch wenn wir uns mit niemandem unterhalten“, sagt Kähler.

Mund- und Nasenbedeckungen, also die sogenannten „Alltagsmasken“, schützen vor der direkten Infektion, nicht aber vor der indirekten. Sie sind in der Lage, die Ausbreitung von ausgeatmeten Aerosoltröpfchen in Räumen über kurze Zeit zu verhindern.

Normalerweise fliegen ausgehustete Partikel über einen oder anderthalb Meter weit, bei einem Reizhusten sogar noch etwas weiter. „Eine einfach Mund-Nasen-Bedeckung verringert diese Reichweite der Partikel deutlich.“

Aber der Stoff der Mund-Nasen-Bedeckung und auch der sogenannten OP-Masken filtert keine Aerosole aus der Atemluft. Er lenkt diese nur um, so dass eine direkte Ansteckung nach vorne von Gesicht zu Gesicht nicht möglich ist. Dafür nimmt die Atemluft anderer Wege, denn die Bedeckung schließt nicht luftdicht am Gesicht ab.

„Die ausgeatmete Luft mit den möglicherweise virenbelasteten Aerosolen geht den Weg des geringsten Widerstandes, tritt also durch die Lücken am Maskenrand an Nase, Wangen und Kinn aus.“

Das gleiche gilt auch umgekehrt: „Da wir die Außenluft auch über die Lücken am Maskenrand einatmen, bieten die Alltagsmasken keinen Eigenschutz gegen eine virenbelastete Raumluft“, sagt Kähler.

Sind Alltagsmasken in Klassenräumen oder im öffentlichen Nahverkehr sinnvoll?

Die ausgeatmeten Partikel entweichen also trotz der Mund-Nasen-Bedeckung, nur eben seitlich. „Deshalb bieten sie keinen Schutz, wenn man nebeneinander sitzt, wie zum Beispiel Schüler in Klassenräumen oder auf den Sitzbänken in S-oder U-Bahnen“, sagt Kähler.

Sie könnten in solchen Situationen sogar schädlich wirken, wenn Menschen dicht, also nur mit um die 50 Zentimeter Abstand nebeneinander säßen.

„Denn dann leiten diese ,Alltagsmasken’ die Atemluft direkt zum Nachbarn um, und der atmet die Luft dann auch seitlich durch die Lücken seiner Maske ein.“ In solchen Situationen können die Mund-Nasen-Bedeckungen eine direkte Ansteckung zum Nachbarn begünstigen.
Zudem bieten solche Mund-Nasen-Bedeckungen keinen Schutz dagegen, dass sich die Raumluft mit virenbelasteten Aerosolen anreichert.

„Sie sind aus meiner Sicht eigentlich nur draußen wirklich nützlich, in geschlossenen Räumen aber nicht.“ Wenn man sich draußen oder auch in großen Räumen wie Messehallen oder Kirchen begegne und kurz miteinander spreche, sei man – wenn beide eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen – gut gegen eine direkte Ansteckung geschützt.

In kleineren Räumen aber nicht, sagt der Experte. Dort könne man zwar durch regelmäßiges Lüften die Aerosolbelastung senken.

Die Gefahr, seinen Nachbarn anzustecken, wenn man mit einem Mund-Nasen- Schutz nebeneinander sitzt, banne das Lüften nicht. Deshalb halte er nicht viel davon, in Klassenräumen eine Mund-Nasen-Bedeckung zur Pflicht zu machen.

Bieten „Alltagsmasken“ besseren Schutz, wenn sie aus einer doppelten Stoffschicht bestehen?

„Nein, das ist nicht wesentlich“, sagt Kähler. „Doppelten Schichten mögen größere Schleimpartikel durch Husten oder Niesen besser zurückhalten, als einfache.“ Doch die seien nicht das Problem, weil sie sowieso nach kurzer Distanz zu Boden sinken. Eine doppelte Stofflage ändert nichts daran, dass die Luft mit den gefährlicheren, weil lange schwebenden Aerosolen seitlich durch die Lücken herausströme.

Wie ist das bei FFP2- und FFP-3-Masken?

Das ist bei den FFP-2- und -3-Masken anders. Wenn diese lückenlos an der Gesichtshaut sitzen, tritt die Atemluft direkt durch das Filtergewebe der Masken nach außen. „Die Aerosole bleiben im Filter hängen und gelangen nicht in die Raumluft.“ Und das gilt genauso für die eingeatmete Luft, aus der die in der Raumluft möglicherweise vorhandenen Aerosole herausgefiltert werden. „Diese Masken bieten also sowohl einen guten Selbst- wie einen guten Fremdschutz“, erklärt Kähler.

Sie müssten dafür aber dicht abschließend am Gesicht sitzen. Wenn es Spalten gibt, durch die die Luft ungehindert ein- und austreten kann, bieten auch FFP-2- und -3-Masken nur den gleichen Schutz wie eine einfache Mund-Nasen-Bedeckung oder OP-Maske.

Sollten Risikopatienten also besser zu FFP-2- oder -3-Masken greifen?

„Ich fordere schon lange, dass sich die Risikogruppen mit besseren Masken schützen sollen, als nur mit den einfachen Mund-Nasenbedeckungen“, sagt Kähler. Das ist jetzt im Gegensatz zur ersten Pandemiewelle im Frühjahr auch kein Problem mehr, da es inzwischen ausreichend FFP-Masken gibt und man also dem Fachpersoal, das diese Masken im Job benötigt, dadurch nichts „wegnimmt“.

Da es sich bei den Risikogruppen oft um ältere Menschen handelt, könnte das durch den Filterstoff etwas erschwerte Atmen ein Problem sein. „Die Menschen, die als Risikogruppe einen erhöhten Schutzbedarf haben, denen aber das Atmen unter der Maske schwer fällt, sollten eine mit Ausströmventil nutzen“, sagt Kähler. Das erleichtert das Ausatmen, da die Luft durch das Ventil ungehindert austreten kann. Beim Einatmen schließt sich das Ventil und die Außenluft wird bei jedem Atemzug gefiltert. „Dann bietet die Maske aber nur noch den Selbstschutz, nicht mehr den Fremdschutz einer FFP-2- oder -3-Maske.“ Zum Schutz von Risikogruppen sei das aber immer noch sinnvoll – damit diese weiter am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Wie testet man selbst den korrekten Sitz der FFP-2-Masken?

Es gibt die Masken in verschiedenen Formen und Größen, die jeder individuell ausprobieren muss. „Dazu setzt man die Maske auf und drückt den Nasenbügel fest an die Nase“, erklärt Kähler. Dann atme man einmal kräftig ein und puste anschließend die ganze Luft so schnell es geht aus. „Wenn es dann irgendwo pfeift, die Luft also ungefiltert ausströmt, dann passt die Maske nicht und bietet zu wenig Schutz.“ Dann kann man den Bügel fester andrücken und – falls diese Möglichkeit vorhanden ist – die Halteriemen straffer ziehen. „Wenn das nichts bringt, dann ist es die falsche Maskenform, die man wechseln muss“, sagt der Experte.

Woran kann ein Laie erkennen, dass er eine gute FFP-2- oder -3-Maske in den Händen hält?

Zum einen am Preis. „Eine solche Maske kostet mindestens drei bis fünf Euro“, sagt Kähler. „Trifft man auf vermeintliche Sonderangebote, bei denen die einzelne Maske deutlich weniger kostet, würde ich die Hände davon lassen.“

Außerdem müssen solche Masken zertifiziert sein, weshalb jede einzelne Maske mit mindestens diesen vier Kennzeichen bedruckt sein muss: Das ist zum einen das Zertifizierungskennzeichen „EN 149“. Das ist die Norm, nach der die Funktion des Filtermaterials getestet sein muss. „Steht diese Nummer nicht auf der Maske, kann man sie eigentlich schon vergessen.“

Außerdem sollte die Schutzstufe aufgedruckt sein, also FFP-2 oder -3. Diese Kennzeichen sagen etwas darüber aus, wie viel Aerosole das Filtermaterial herausfiltert und wie viel Luft selbst bei korrektem Sitz am Rand der Maske noch ausströmen kann. „FFP-3 filtert noch besser, als FFP-2.“

Vorgeschrieben ist auch, dass das CE-Zeichen auf der Maske steht, das für geprüfte Sicherheit steht. Und schließlich muss der Hersteller auf jeder Maske aufgedruckt sein.

Wo sollte man die Masken kaufen?

Wenn diese vier Kriterien erfüllt sind, spiele es keine Rolle, ob man die Masken in der Apotheke, einem Supermarkt oder im Online-Shop kauft, meint der Experte.

Wie lange kann man die FFP-2- und -3-Masken nutzen?

Die Herstellerempfehlungen lauten oft, dass man die Maske für etwas mehr als eine Stunde tragen könne und dann eine halbe Stunde Tragepause machen sollte. Zudem solle man die Masken nicht öfter als dreimal am Tag tragen.

Doch ob er dieser Empfehlung folgen wolle, müsse jeder selbst entscheiden, sagt Kähler. Denn für Ärzte, Pflegekräfte oder auch Handwerker ist es offenbar kein Problem, wenn sie die Masken länger und öfter tragen.

Und diese Masken kann man durchaus mehrere Tage nutzen. „Die sind ja ursprünglich dafür gedacht, über einen ganzen Arbeitstag hinweg Feinstaub aus der Luft zu filtern“, sagt Kähler. „So eine Extrembelastung ist im Alltagsgebrauch der Masken während der Pandemie ja gar nicht der Fall.“ Deshalb könne man die Masken auch über Tage hinweg immer wieder verwenden.

Allerdings könnten sich mit der Zeit Bakterien im Filterstoff ansiedeln. „Die Maske wird ja durch die Atemluft feucht und warm gehalten.“ Dann könne es sein, dass die Maske anfange, unangenehm zu riechen. „Diesen Bakterienfilm kann man aber durch Erhitzen zum Beispiel im Backofen beseitigen und die Maske weiternutzen.“

Das Ende der Nutzungsdauer sei eher durch den Verschleiß der Haltebänder und Nasenbügel vorgegeben, meint Kähler. „So lange sie lückenlos am Gesicht sitzen und nicht merkwürdig riechen, kann man sie gut nutzen und sich auf ihren Schutz verlassen.“

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