Die Schauspielerin Gal Gadot. Foto: imago images / Runway Manhattan
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Darf eine Weiße Kleopatra spielen? Gal Gadot verteidigt sich gegen „Whitewashing“-Vorwürfe

„Wonder Woman“ Gal Gadot soll die ägyptische Herrscherin Kleopatra spielen. Doch es gibt Bedenken, ob der israelische Filmstar die richtige Besetzung ist.

Die Frage erregt die Gemüter. Darf eine Israelin eine Ägypterin spielen? Was ist, wenn die Ägypterin eigentlich aus Mazedonien stammt? Und: Gilt eine israelische Jüdin als Nordafrikanerin? Diese Fragen werden im Netz heiß diskutiert, seit bekannt ist, dass die israelische Schauspielerin und „Wonder Woman“-Darstellerin Gal Gadot die Rolle der legendären Königin Kleopatra übernehmen wird. Für den Film will Gadot wieder mit der „Wonder Woman“-Regisseurin Patty Jenkins zusammenarbeiten.

Eine Kleopatra, die „dunkler als eine braune Papiertüte“ ist, sei historisch akkurater, twitterte die Autorin Morgan Jenkins bereits im Oktober. „Können sie nicht zur Abwechslung mal eine afrikanische Schauspielerin finden?“, fragte auch der amerikanische Sachbuchautor James Hall auf Twitter.

Im britischen „Guardian“ kritisierte die Kolumnistin Hanna Flint die Besetzung als eine „verpasste Chance“ Hollywoods, die Rolle mit einer nordafrikanischen Schauspielerin zu besetzen. Gadot sei zwar als Israelin nicht ganz so „westlich“ wie Angelina Jolie oder Lady Gaga, die für diese Rolle bereits im Gespräch waren, würde aber immer noch einen „weißen Standard von Fremdheit“ fortsetzen.

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Eine mazedonische Schauspielerin habe es nicht gegeben

Gadot, die 1985 in Petach Tikwa geboren wurde, schwieg lange zu den Vorwürfen. Jetzt hat sie sich in einem Interview mit BBC Arabic erstmals geäußert. Kleopatra sei mazedonisch gewesen, betonte sie. Deshalb sei für den geplanten Film nach einer mazedonischen Schauspielerin gesucht worden.

„Die gab es nicht, und Kleopatra lag mir sehr am Herzen“, sagte Gadot weiter. „Menschen sind Menschen, ich möchte das Erbe von Kleopatra feiern und diese großartige historische Ikone ehren, die ich so bewundere.“ Es stehe jedem und jeder frei, einen weiteren Film über Kleopatra zu drehen.

Der Streit um „Whitewashing“ schwelt schon lange

Kritiker sehen in dem Casting Gadots eine Fortsetzung des Whitewashing, das eine lange Geschichte in der US-Unterhaltungsindustrie hat. In sogenannten Minstrel-Shows traten bereits im 19. Jahrhunderts weiße Schauspieler auf, die sich schwarz und mit übertrieben dicken Lippen schminkten, um Afroamerikaner darzustellen.

Derartiges „Blackfacing“ gehört zwar inzwischen der Geschichte an, doch auch in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Diskussionen um Besetzungen nicht-weißer Rollen mit weißen Schauspielern und Schauspielerinnen. So stellte Scarlett Johansson 2017 in „Ghost in the Shell” einen japanischen Anime-Charakter dar, Emma Stone spielte 2015 in dem Film „Aloha“ eine Frau hawaiianisch-chinesischer Abstammung, wofür sie sich später entschuldigte.

Das Phänomen beschränkt sich nicht auf die USA

Regisseur Ridley Scott verteidigte sich 2014 dafür, dass er seinem Film „Exodus: Götter und Könige“ über Mose nur mit weißen Schauspielern besetzte. „Ich kann nicht einen Film mit einem derartigen Budget auf die Beine stellen (...) und sagen, dass mein Hauptdarsteller Mohammed So-und-So aus So-und-So ist“, sagte der Regisseur. „Der Film würde einfach nicht finanziert werden. Also stellt sich die Frage nicht.“

Das Phänomen des Whitewashing beschränkt sich keineswegs nur auf die USA, man denke nur an die beliebten „Winnetou“-Filme aus den 60er Jahren, in denen der französische Schauspieler Pierre Briece einen Ureinwohner Nordamerikas darstellte.

Viele Schauspielerinnen haben Kleopatra schon verkörpert

Im Falle Gal Gadots ist die Sache aber komplizierter. Über Kleopatras ethnische Herkunft streiten sich Historiker. Ihr Vater war griechisch-mazedonischer Herkunft, über die Mutter ist wenig bekannt, möglicherweise war sie Ägypterin. Kleopatra, die als letzte Königin und als letzter weiblicher Pharao über das ägyptische Ptolemäerreich herrschte, wurde bereits von einer Reihe von Stars gespielt, darunter Vivien Leigh, Sophia Loren, Claudette Colbert und Monica Belluci.

Am bekanntesten ist die Darbietung Elizabeth Taylors in dem monumentalen Historienstreifen „Cleopatra“, der 1963 vier Oscars gewann. Allen diesen Schauspielerinnen ist gemeinsam, dass sie weiß sind und aus Nordamerika oder Europa stammen. Gadot hingegen ist zumindest in einem Nachbarland Ägyptens geboren.

Legendär war Elisabeth Taylor in „Cleopatra“. Foto: imago images/Mary Evans Vergrößern
Legendär war Elisabeth Taylor in „Cleopatra“. © imago images/Mary Evans

In ihrer Heimat wird die Schauspielerin gefeiert und geschätzt. „Eine Ikone spielt eine andere!“, twitterte etwa die israelische Botschaft in Washington, nachdem bekannt geworden war, dass Gadot Kleopatra spielen soll. Die Israelis sind zum einen Stolz darauf, dass Gadot es nach Hollywood geschafft hat und mit „Wonder Woman“ Weltruhm erlangte.

Als der Superheldinnen-Film anlief, prangte in Riesenbuchstaben der Satz „Wir lieben Dich“ auf einer Werbetafel über einer Autobahn in Tel Aviv. Und an der Fassade eines Wolkenkratzers waren zu einem Bild von ihr die Worte zu lesen: „Our Wonder Woman“.

Zum anderen rechnen es viele Israelis Gadot hoch an, dass sie sich nicht vor dem obligatorischen Militärdienst gedrückt hat – wie zum Beispiel Supermodel Bar Refaeli. Gadot lobte sich später selbst, sie habe während ihrer Armeezeit als Krafttrainerin Soldaten fit gemacht. Und sie fühlt sich Israels Streitkräften nach wie vor verbunden. Deutlich wurde dies vor allem im Gazakrieg 2014.

Stolz der Landsleute, Ärger mit Israel-Kritikern

Damals postete Gadot auf Facebook ein Bild von sich und ihrer Tochter Alma vor zwei Kerzen. Dazu schrieb sie: „Ich sende meine Liebe und Gebete an meine israelischen Mitbürger. Besonders an all die Jungen und Mädchen, die ihr Leben riskieren, um mein Land vor den schrecklichen Taten der Hamas zu schützen, die sich wie Feiglinge hinter Frauen und Kindern verstecken.“

Diese öffentlichkeitswirksame Unterstützung brachte Gadot zwar viel Lob ihrer Landsleute ein, aber auch eine Menge Unmut von Israel-Kritikern, die dem jüdischen Staat Verstöße gegen das Völkerrecht vorwarfen. Libanon, Tunesien und Katar haben 2017 sogar die Ausstrahlung von „Wonder Woman“ verboten.

Gadot ist übrigens eine Anhängerin der Diplomatie. BBC Arabic sagte sie: Irgendwann werde es hoffentlich zwei mutige Politiker geben, die dem Frieden im Nahen Osten den Weg bereiteten. Offenbar meinte Gadot damit eine einvernehmliche Übereinkunft mit den Palästinensern.

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