Sido bei einem Auftritt in Hannover im November 2019. Foto: imago images/Future Image/U. Stamm
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Update Beim „Stanglwirt“ in Kitzbühel Berliner Rapper Sido provoziert mit Hitler-Witz

Bei einem Auftritt in Österreich macht Rapper Sido mal wieder einen Hitler-Witz. Via Social Media äußert sich der Berliner später dazu.

Der Berliner Rapper Sido ist für seinen grenzwertigen Humor und deftige Aussagen bekannt, sie sind seit fast zwei Jahrzehnten Teil seines Programms. Am Freitagabend machte er wieder eine offensichtlich satirisch gemeinte – Aussage zur deutsch-österreichischen Vergangenheit. Sido sagte während des Konzerts im Nobelhotel "Stanglwirt" unweit von Kitzbühel: "Jetzt ziehen wir das mit deutscher Gründlichkeit durch, die uns ein Österreicher beigebracht hat." Die "Bild" schreibt von einem neuen "Hitler-Skandal um Rapper Sido".

Sido macht den Witz über Hitler in Kitzbühel in Österreich

Im "Stanglwirt" trifft sich alljährlich rund um das berühmte Ski-Abfahrtsrennen am Hahnenkamm gut betuchtes Publikum zur "Weißwurstparty". Am Freitag war Prominenz von Arnold Schwarzenegger bis Mario Adorf zugegen. Bei der Party in der großen Reithalle des "Stanglwirt" waren später die großen Stars nicht mehr dabei. Dafür feierte hunderte Besucher in bierseliger Stimmung, angeheizt von einem DJ.

Der Mann am Schaltpult fragte gegen 22 Uhr in die Runde: "Wie besoffen seid ihr denn? Wer ist schon voll dabei? Hand hoch?" Etliche Menschen hoben die Hände.

Kitzbühel ist rund um das berühmte Rennen jedes Jahr für drei Tage Österreichs Partyhauptstadt. Wie immer betrat zu später Stunde bei der Party im "Stanglwirt" ein Überraschungsgast die Bühne. Diesmal war es der Berliner Rapper, der dafür eine, so ist es üblich – eine satte Gage einstrich.

Zunächst stellte sich Sido unter falschen Namen "Vico" vor und zog dann in Lederhose gekleidet betont genervt wirkend sein Programm durch. Dabei bepöbelte er das Publikum immer wieder, machte Witze über den Namen des DJs (Nachname "Moese"), nannte den österreichischen Schlagersänger Andreas Gabalier "Schwabbel". Und mitten im Programm gab es dann seine Anspielung auf die düstere gemeinsame Vergangenheit von Deutschen und Österreichern.

Das Publikum reagiert kaum auf den Witz von Sido

Reaktionen des Publikums auf die Hitler-Anspielung waren nicht wahrnehmbar, Pfiffe gab es keine. Auch nicht, als Sido in Richtung der auf der Empore sitzenden Gäste sagte, früher bei der französischen Revolution hätte man "alle Reichen geköpft". Aber, so der Berliner Sido weiter, "dann hätte man mich auch köpfen müssen". Insgesamt war Sido nur eine Dreiviertelstunde auf der Bühne, sagte mehrmals: "Ihr wollt mich ja nicht." Oder fragte: "Wollt ihr, dass ich aufhöre?"

Es gab bis zum Ende des Auftritts kaum Unmutsbekunden aus dem Publikum, wohl auch, weil Sido für seinen Stil bekannt ist und der Berliner Rapper sich durch sein Auftreten deutlich bemühte, das Ganze als – Grenzen überschreitenden – satirischen Beitrag wirken zu lassen.

Sidos Ehefrau Charlotte Würdig. Foto: Jörg Carstensen/dpa Vergrößern
Sidos Ehefrau Charlotte Würdig. © Jörg Carstensen/dpa

Sido meldete sich zu dem Vorfall inzwischen via Instagram zu Wort und adressierte eine Nachricht direkt an die "Bild": "Liebe Bild, dass ich bei Auftritten in Österreich ab und an Beiträge zum dritten Reich herstelle, ist mittlerweile gute Tradition. Ihr könnt also wieder in Ruhe gegen Minderheiten hetzen und die Gesellschaft spalten!!! Gute Nacht!!!"

Sidos Ehefrau Charlotte Würdig kann Aufregung nicht verstehen

2011 hatte Sido tatsächlich bereits im österreichischen Fernsehen eine ähnliche Anspielung auf Hitler gemacht. Im ORF hatte er gesagt: "Ihr Österreicher habt uns da mal einen rübergeschickt, der uns Ordnung beigebracht hat."

Sidos Ehefrau Charlotte Würdig (41) kann die ganze Aufregung nicht nachvollziehen. Sie sagte dem Blatt: "Ich kann das nicht mehr hören! Es ist unfassbar. Ich war da. Und viele andere auch. Und wer Ironie nicht versteht, versteht sie halt nicht. Ich habe nicht einen getroffen, der das anders verstanden hat."

Der "Stanglwirt" distanzierte sich nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa von sämtlichen getätigten Aussagen. "Wir wollten unsere Gäste mit Sido und seinen beliebten Chart-Hits eigentlich positiv überraschen und unser Haus auch für neue Musik-Genres öffnen. Auch wenn die Aussagen von Sido vielleicht ironisch gemeint waren, sind sie schockierend und enttäuschen unser entgegengebrachtes Vertrauen sehr", sagte Maria Hauser, Juniorchefin des "Stanglwirts".

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