Eine gesunde Natur für ihre Kinder wünschen sich viele Eltern – manche haben die Hoffnung aber schon aufgegeben. Foto: picture alliance/dpa/Andreas Arnold
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Aus Angst vor der Klimakatastrophe Warum Frauen in den Gebärstreik treten

Trotz Kinderwunsch verzichten manche Menschen wegen der Erderwärmung auf Nachwuchs. Eine Studie hat nun die Gründe dafür genauer untersucht.

Als die britische Sängerin Blythe Pepino ihren Partner kennenlernt, weiß sie gleich, dass sie Kinder mit ihm bekommen will. „Er ist der Richtige“, sagt sie in einer Arte-Dokumentation. Trotzdem entscheidet sie sich dagegen. Wieso Kinder in eine Welt setzen, die auf eine Klimakatastrophe zusteuert? „Birthstrike“ nennt die 34-Jährige ihre Bewegung, die in England viel Zuspruch findet.

Auch in Deutschland gibt es Menschen, die aus Protest gegen den Klimawandel ihren eigenen Lebensentwurf in Frage stellen. In ihrem 2019 erschienen Buch „Kinderfrei statt Kinderlos – ein Manifest“ erklärt die Autorin und Lehrerin Verena Braunschweiger, dass sie der Umwelt zuliebe auf Nachwuchs verzichte.

Das ist nicht nur ein politisches Statement. Hinter dieser Einstellung steckt eine tiefe Angst vor den verheerenden Folgen des Klimawandels. Das haben Forschende des Yale-NUS College in Singapore in einer Studie festgestellt, die das Phänomen erstmals wissenschaftlich untersucht hat.

Befragt wurden 607 Menschen aus den USA im Alter zwischen 27 bis 45, die den Klimawandel als Faktor in ihre Familienplanung miteinbeziehen. 96,5 Prozent der Befragten gaben an, dass sie „sehr“ oder „extrem“ besorgt sind über das Wohlergehen ihrer existierenden oder zukünftigen Kinder.

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Jüngere waren der Studie zufolge besorgter als Ältere, die Antworten von Frauen und Männer fielen ungefähr gleich aus. Auch Eltern wurden befragt. Von ihnen gaben sechs Prozent an, dass sie es bereuen, Kinder gezeugt zu haben.

Eine Teilnehmerin habe von apokalyptischen Zuständen in der Zukunft gesprochen, ein anderer Befragter von Terror vergleichbar mit dem des Ersten Weltkriegs. Fast alle hätten „überwältigend negative Erwartungen“ bezüglich der Folgen der Erderwärmung, schreiben die Forschenden.

Ein weiterer CO2-Fußabdruck wäre unverantwortlich

Auch Blythe Pepino aus Großbritannien warnt in Interviews vor einer Klima-Apartheid, in der nur noch die Reichen Zugang zu den knapper werdenden Ressourcen haben werden. Ein weiteres Kind und damit einen weiteren CO2-Fußabdruck auf dieser Welt zu hinterlassen, findet sie deshalb unverantwortlich.

Auch knapp 60 Prozent der Befragten aus den USA gaben das als Grund für ihre Kinderlosigkeit an. Die Angst vor einer Klima-Katastrophe sei aber emotionaler und öfter artikuliert worden als die Sorge vor dem schädlichen Einfluss des eigenen Nachwuchses auf die Umwelt, heißt es in der Studie.

Für Blythe Pepino gibt es jetzt nur noch eine Möglichkeit, um sich den Kinderwunsch mit gutem Gewissen erfüllen zu können. Sie denkt mit ihrem Partner über Adoption nach.

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