Digital-Detox. Diese Stars verfügen über eine beachtlicher Reichweite, auf die sie für eine Weile verzichten werden. one
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Aufklärung gegen Falschnachrichten Fakten statt Face-Filter

Joana Nietfeld

Stars übergeben ihre Social-Media-Kanäle an Forscherinnen und Virologen. Für die Stars bedeutet das Digital-Detox - für die Expertinnen eine enorme Reichweite.

Berlin - „Die Letzte, von der ihr gerade hören müsst, bin ich!“, sagt die britische Schauspielerin Naomi Ackie in einem Video in dem Sozialen Netzwerk Instagram. In den vergangenen Wochen hatte sie vor allem Selfies und ein Video vom heimischen Krafttraining hochgeladen. Jetzt bereitet sie ihre knapp 86 000 Follower darauf vor, dass in den kommenden Tagen damit Schluss sein wird und stattdessen wichtige Informationen zur Eindämmung des Coronavirus von Experten in ihrem Account bereitgestellt werden.

Bei der Kampagne „PassTheMic“, zu deutsch „das Mikro weiterreichen“, überlässt jeweils eine prominente Persönlichkeit ihr Facebook-, Twitter- oder Instagram-Profil einer renommierten Forscherin, einer Ärztin oder einem Krankenpfleger, der mit Covid-19-Patienten zu tun hat. Organisiert wird die Aktion von der internationalen Wohltätigkeitsorganisation One, die in der Coronavirus-Pandemie dazu aufruft, der globalen Krise mit einer globalen Antwort zu begegnen. Zusätzlich sollen deswegen Experten aus Entwicklungspolitik und Wirtschaft aus afrikanischen Ländern das Wort ergreifen, um einen Einblick zu geben, welche Einschränkungen die Pandemie weltweit mit sich bringt – und wie insbesondere Menschen in ärmeren Ländern betroffen sind. Gayle Smith, Präsidentin von One, sagt: „Das Virus zu schlagen, bedeutet, auf die Expertinnen und Experten zu hören und der Wissenschaft, den Daten und Fakten zu folgen. Nur so können wir schneller sein als das Virus.“

Julia Roberts macht den Anfang und übergibt ihr Instagram-Profil an den Corona-Chefberater des Weißen Hauses, den US-Virologen Anthony Fauci. Normalerweise veröffentlicht Roberts hauptsächlich Fotos von sich selbst. Dabei schauen ihr knapp neun Millionen Menschen zu. Faucis’ Audienz besteht am Donnerstagabend also schlagartig aus ebenso vielen Menschen, wie in der US-Metropole New York leben. Die Hollywood-Schauspielerin beginnt die Übergabe mit einem Interview. Sie fragt Fauci: „Wie schaffen Sie es, Menschen trotz allem noch zu ermutigen?“ Die Macht der Wissenschaft und die Möglichkeit, in das einzugreifen, was passiert, stimme ihn optimistisch, antwortet Fauci.

Die Kampagne setzt auf eine ganz neue Option der Informationsverbreitung: Internetnutzer, die den Diensten von Prominenten folgen, um Ausschnitte ihres Alltags, ihrer Outfits, Mahlzeiten oder Urlaubsorte mitzuerleben, erhalten ungefragt Informationen zum Coronavirus. Somit erreichen die Expertinnen und Experten nicht mehr nur diejenigen, die sich aus eigenem Interesse für valide Fakten über das Virus interessieren.

Nach Roberts’ Interview übernimmt Fauci ihren Kanal vollständig. „Hi, hier ist Dr. Tony Fauci“, beginnt der 79-Jährige seinen ersten von fünf Beiträgen. Er erklärt zunächst grundlegende Fakten zum Coronavirus. Im nächsten Beitrag fasst er den Forschungsstand zusammen und teilt den Aufruf an Covid-19-Geheilte, Blutplasma für wissenschaftliche Untersuchungen zu spenden. Auch Tipps zum Umgang mit der Pandemie teilt Fauci mit Roberts’ knapp neun Millionen Followern: Zum Beispiel sollten Menschen auf ihren Körper achten, virtuell Kontakt zu Bekannten und Freunden suchen und manchmal Pausen vom Nachrichtenkonsum einlegen.

Weder Roberts, noch Fauci oder die Kampagnenleiter von One spielen direkt auf die Falschaussagen an, die beispielsweise der US-Präsident Donald Trump in den vergangenen Wochen über das Virus verbreitete. Trotzdem könnte die Aktion eine Maßnahme gegen Falschnachrichten und Verschwörungstheorien sein.

Der letzte Beitrag von Fauci ist ein Foto, das ihn beim Händewaschen zeigt. Dieses Bild erhält etwa 130 000 befürwortende Likes. Die Informationsbeiträge, die er teilt, erhalten hingegen nur knapp 40 000 Likes – und das, obwohl Roberts Selbstporträts sonst bis zu 800 000 mal geliked werden.

In den kommenden drei Wochen stellen weitere Stars ihre Social-Media-Kanäle zur Verfügung, darunter Sarah Jessica Parker, Hugh Jackman, Penelope Cruz und Rita Wilson, die sich selbst mit dem Coronavirus infiziert hatte und seitdem immer wieder öffentlich über die Gefahren von Covid-19 aufklärt. Zuletzt hatte sie gemeinsam mit ihrem Mann Tom Hanks Blutplasma für die Forschung mit Antikörpern gespendet.

Anfang Juni soll die Aktion auch auf Europa und Afrika ausgeweitet werden. Dann wollen unter anderem die Komikerin Carolin Kebekus und Komiker Michael Mittermeier teilnehmen.

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