Herbert Reul (CDU, r), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, verfolgt, wie nach einer Razzia Beweismittel aus einer Shisha-Bar getragen werden. Foto: dpa/Bernd Thiersen
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Organisiertes Verbrechen 1300 Polizisten bei großer Razzia gegen Clans im Ruhrgebiet

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Es war die größte Aktion dieser "in der NRW-Geschichte": Am Samstagabend wurden in mehreren Städten Shisha-Bars, Wettbüros, Cafés und Teestuben durchsucht.

Mit einer großangelegten Razzia im Ruhrgebiet ist die Polizei am Samstagabend gegen Clankriminalität vorgegangen. 1300 Polizisten seien im Einsatz gewesen, erklärte das nordrhein-westfälische Innenministerium. „Auftakt zur größten Razzia gegen Clan-Kriminalität in der NRW-Geschichte“, schrieb die Behörde bei Twitter. Unter anderem in Dortmund, Essen, Duisburg, Recklinghausen und Gelsenkirchen durchsuchten Beamte Shisha-Bars, Wettbüros, Cafés und Teestuben. In Essen wurde nach Angaben der Polizei eine Person festgenommen. Zudem stellten Beamte unverzollten Tabak sicher. Shisha-Bars wurden wegen zu hoher Belastung mit Kohlenmonoxid geschlossen.

Es gehe um den Verdacht der Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit, sagte eine Ministeriumssprecherin. Die Polizei werde unter anderem von Zoll und Finanzbehörden unterstützt. Zudem gebe es Verkehrskontrollen. Innenminister Herbert Reul (CDU) sei bei den Maßnahmen in Bochum vor Ort gewesen.

„Wir verfolgen konsequent Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, die von einzelnen Mitgliedern der „Familienclans“ begangen werden“, twitterte die Essener Polizei. Auch in anderen Städten wie Mülheim, Witten und Herne liefen Maßnahmen. Eine Bilanz des Einsatzes sollte es am Sonntagmittag geben.

Reul hatte die Bekämpfung der Clankriminalität zuletzt als große Herausforderung für die Sicherheitsbehörden bezeichnet. Das Treiben von rund 50 Clans in NRW besorge ihn „extrem“, sagte Reul im Dezember. „Sie erheben den Anspruch, zu bestimmen, was auf der Straße passiert. Das ist ein frontaler Angriff auf den Rechtsstaat.“

Die deutsche Polizei geht immer wieder gegen Clans und Mafia-Organisationen vor. Erst Anfang Dezember hatten Ermittler bei groß angelegten Razzien gegen die italienische Mafia-Organisation 'Ndrangheta in Deutschland und anderen Staaten fast 90 Verdächtige festgenommen. Bei den Vorwürfen geht es um Drogenhandel, vor allem mit Kokain, und Geldwäsche. In Deutschland werde im Rahmen der Operation gegen 47 Beschuldigte ermittelt.

Vor allem in Nordrhein-Westfalen wurden nach Behördenangaben damals Vermögenswerte von mehreren Millionen Euro vorläufig beschlagnahmt. An den Durchsuchungsaktionen in Deutschland waren damals rund 440 Beamte beteiligt, es gab 14 Festnahmen.

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Im vergangenen Juli und August war die Berliner Polizei mit einem Großaufgebot gegen kriminelle Mitglieder arabischer Großfamilien vorgegangen. Beamte durchsuchten Wohnungen und andere Objekte. Vier Menschen wurden in der Hauptstadt festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Bei der Razzia ging es um den Verdacht des Drogenhandels im großen Stil. (dpa)

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