Aus der Bredouille: Assane Diop (Omar Sy, links) ist ein Wiedergänger von Arsène Lupin. Foto: Netflix
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Zweite Staffel „Lupin“ Der Gauner als Held

„Lupin“, die zweite: Auch die Fortsetzung rankt sich in erster Linie um Assane Diop, gespielt von Omar Sy.

Der Filmriss war nur kurz und schnell behoben war er auch. „Lupin“, die sensationelle und sensationell erfolgreiche Netflix-Serie aus Frankreich, geht nach ihrer Premiere im Januar schon jetzt in die Fortsetzung. Wiederum sind es fünf Folgen von jeweils 45 Minuten Länge. Die Drehbücher stammen erneut vom Briten George Kay und dem Franzosen François Uzan. Die Regie hat gewechselt. Statt Louis Leterrier und Marcela Said haben dieses Mal Ludovic Bernard und Hugo Gélin inszeniert.

Auch die neue Regie stellt sich in den Copyright-Dienst: Jede Minute, jede Sekunde der Streaming-Erzählung ist mit Spannung gefüllt, die Bilder sind sorgfältig verfugt für den genuinen Lupin-Look. Der Zuschauer muss sich gar nicht mit Rätselraten ums Wer, Wie und Warum aufhalten, allerdings tut er gut daran, die Auftaktfolgen zu kennen. Die Fortsetzung setzt dort ein, wo Staffel eins geendet hatte („Lupin“, fünf Folgen, Netflix, ab Freitag).

Assane Diop (Omar Sy) war mit seiner Freundin Claire (Ludivine Sagnier) und dem gemeinsamen Sohn Raoul (Etan Simon) zu einem Arsene-Lupin-Festival in die Normandie gefahren, nicht ahnend, dass ein Helfershelfer von Diops Gegenspieler Hubert Pelligrini (Hervé Pierre) auf sie wartet. Léonard (Adama Niane) entführt Raoul, was Claire hysterisiert, während Assane die Verfolgung aufnimmt.

Der wird wiederum von Youssef Guedira (Soufiane Guerrab) verfolgt, der Assane angeblich helfen will, tatsächlich möchte der Polizist, der Diops wahre Identität enthüllt hat, ihn verhaften.

Assane Diop wäre nicht der einzig wahre Wiedergänger von Arsène Lupin, wenn er sich nicht aus der Bredouille ziehen könnte, weswegen der Zweikampf mit Business-Tycoon Pellegrini in die nächste Runde gehen kann. Schlau und schlagkräftig, als würde sich Sherlock Holmes mit Robin Hood vereinen, fehlt bei der Zentralfigur nur wenig zum Superhero. Allein die Beziehung zu Claire vermittelt in ihren Irrungen und Wirrungen etwas sehr Irdisches.

Und zum elegant Kriminellen kommt die Milieustudie, die zeigt, wie das weiße Frankreich weniger auf Integration als auf Abgrenzung setzt.

Assane Diop ist eine Person of Colour, in der französischen Gesellschaft gerade mal gelitten. Eine Rückblende berichtet davon, wie schon der junge Assane diese Hochnäsigkeit, diese Impertinenz der Ansager-Franzosen erfahren musste, wie er seine Stigmata erfahren, erlitten hat. Die junge Claire muss zum Vorspielen, ihre Geige ist zerbrochen worden.

In einer Musikalienhandlung findet sie eine Ersatzgeige, sie soll aber 3000 Francs kosten, was sich das junge Mädchen nicht leisten kann. Es gibt noch die Möglichkeit der Ausleihe, was die finanziellen Mittel ebenfalls übersteigt. Und an einen Schwarzen wie Assane würde der Musikalienhändler niemals etwas verleihen. „Rassist“ kann Assane noch sagen, dann trollt er sich mit Claire. Er kommt auf eine andere „Ausleihidee“.

Smooth sind die Manieren der Figur

Genug gespoilert, die Folgen kommen schnell in die Spur der Auseinandersetzung zwischen Lupin und Pelligrini. Wie der Milliardär es formuliert: „Ein Boxkampf braucht zwei Kämpfer.“ Die Liebe aber auch: Assane und Pellegrinis Tochter Juliette (Clotilde Esme) kommen sich näher, als sie sich als Jugendliche nahegekommen sind..

Die Polizei ist Diop bei alledem immer dichter auf den Fersen. Der Flucht wegen geht es mit dem besten Freund Benjamin Ferel (Antoine Gouy) in die Katakomben von Paris…

Natürlich rankt sich auch die Fortsetzung in erster Linie um Assane Diop, gespielt von Omar Sy.

Smooth sind die Manieren der Figur, seine camouflierte Intelligenz erlaubt ihm, das Verhalten seiner Mitmenschen zu antizipieren, dass er unterschätzt wird, gerät dem Meister der Verkleidung zum Vorteil.

Selbstverständlich ist dieser französische Meisterdieb comme if faut angekleidet, immer geht die Frage mit ihm, ob er kriminell ist oder seine Umgebung, die Vermögenden und die Polizei, die Assane Diop als „korrupt“ bezeichnet. Der Gauner als Held könnte die Vögel aus den Bäumen herauscharmieren, wie ein französisches Sprichwort sagt. Diops Waffe ist sein Selbstvertrauen.

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Und wenn die Serie ihre Inszenierung der fiktionalen Figur nach dem Vorbild von Arsène Lupin vergisst, wird ihre Eindrücklichkeit umso stärker. Das sind die Momente, wo die Authentizität der Wirklichkeit durchbricht. Ein schwarzer Franzose ist ein durch seine weißen Landsleute diskriminierter Franzose.

Das sind wenige Momente, gewiss, doch Momente, die nicht übersehen sein wollen – weil sie eindringlich sind, aller leichtfüßigen Unterhaltung zum Trotz.

Die Autoren wie auch die Regisseure setzen auf Emotionen und Spannung, vielleicht sind in der zweiten Staffel die Gefühle, die positiven wie die negativen, zwischen den Figuren noch stärker betont, das Publikum darf seufzen, wenn alle hinter dem Glück und ihrem individuellen Verständnis davon hinterherjagen.

Es ist diese mit nur fünf Folgen gezügelte Kraft, die den Serien-Fan sofort an eine Fortsetzung denken lässt. Netflix denkt nicht anders und hat bei der Produktionsgesellschaft Gaumont eine weitere Staffel bestellt. Hoffentlich mit dem Hund, der auf den schönen Namen „J'accuse“ hört.

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