Christoph Singelnstein ist Chefredakteur, Programmbereichsleiter Information und stellvertretender Programmdirektor des Rundfunk Berlin-Brandenburg. Foto: RBB/Christoph Michaelis
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Zu meinem Ärger Erstaunlich meinungsfrei

In Deutschland gibt es keine Meinungsfreiheit? Absurd, sagt RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein in seinem Rückblick auf die Medienwoche.

Herr Singelnstein, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?
Die Umfrage zur Meinungsfreiheit und die darauf folgende Debatte über die Frage, ob es bei uns Meinungsfreiheit gibt oder nicht. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn man in einem Land ohne Meinungsfreiheit lebt. Wer in der DDR zum Beispiel demonstriert oder ein nicht genehmigtes Plakat hochgehalten hat, wurde schlichtweg eingesperrt. Heutzutage in Deutschland zu behaupten, man könne seine Meinung nicht mehr frei äußern, ist absurd. Es ist im Gegenteil eher erstaunlich, mit welcher Vehemenz, um es höflich auszudrücken, heute Meinungen vertreten werden.

Worüber haben Sie sich gefreut?
Im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ geht Walter Momper mit uns Ossis hart ins Gericht. Er spricht mir dabei in Teilen aus dem Herzen – zum Beispiel, wenn er die Diskrepanz zwischen gefühlter Wahrnehmung und tatsächlichen Veränderungen seit der friedlichen Revolution anspricht.

Was empfehlen Sie aus dem Internet?
Ich empfehle unser Instagram-Projekt „wende_rewind“. Basierend auf der aufwändigen „Chronik der Wende“ erzählen wir dort täglich die besondere Zeit vom 7. Oktober 1989 bis 18. März 1990 noch einmal neu. Außerdem habe ich viel Freude an dem wöchentlichen Podcast „Hauptstadtderby“ vom Inforadio mit Christian Beeck und Axel Kruse über die beiden großen Fußballclubs unserer Stadt. Wie man an meinem Beispiel sieht, ist der auch für Leute hörenswert, die sich nicht so brennend für Fußball interessieren.

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