Nemi El Hassan sollte die WDR-Sendung Quarks moderieren. Foto: WDR/Tilman Schenk
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Update „Vertrauen nicht mehr vorhanden“ WDR beendet Zusammenarbeit mit Nemi El-Hassan endgültig

Ellen Nebel

Die Journalistin hatte Kritik am Umgang ihres Arbeitgebers mit ihr geäußert. Dieser will nun endgültig nicht mehr mit ihr arbeiten.

Der Westdeutsche Rundfunk hat sich endgültig gegen eine Zusammenarbeit mit der Journalistin Nemi El-Hassan entschieden. Das teilte der öffentlich-rechtliche Sender in Köln am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur mit.

Zuvor hatte die Journalistin einen Gastbeitrag in der „Berliner Zeitung“ veröffentlicht, in dem sie Kritik am WDR zum Umgang mit ihr in den vergangenen Wochen äußerte. Vom Sender hieß es als Begründung für seine Entscheidung: „Das Vertrauen für eine künftige Zusammenarbeit ist nicht mehr vorhanden.“
Die Journalistin Nemi El-Hassan wirft der „Bild“-Zeitung eine Kampagne gegen ihre Person vor und kritisiert den Umgang ihres Arbeitgebers WDR damit. „Es gibt eine Grenze zwischen kritischer journalistischer Arbeit und einer gezielten Kampagne zur Demontage einer Person. Diese Grenze wurde in meinem Fall überschritten“, schreibt El-Hassan über die „Bild“-Recherchen in einem Gastbeitrag für die „Berliner Zeitung“.

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Die „Bild“-Zeitung habe ein von rechtsextremen Internet-Aktivisten initiiertes Narrativ in weite Teile der Öffentlichkeit getragen, kritisiert El-Hassan in dem Gastbeitrag. Die Journalistin verweist darauf, dass sie sich nach der ersten Berichterstattung der „Bild“ öffentlich für die Teilnahme an einer Al-Kuds-Demonstration im Jahr 2014 entschuldigt hatte. Zudem hätten Recherchen von „Zeit Online“ gezeigt, wie die Kampagne gegen sie in rechtsextremen Foren „von langer Hand vorbereitet“ worden sei.

Vorwürfe an den WDR

„Der WDR hat sich - in der Hoffnung, sich selbst aus der Schusslinie zu ziehen - allen Argumenten der 'Bild'-Zeitung angeschlossen und somit auch zukünftigen Kampagnen Tür und Tor geöffnet“, schreibt El-Hassan. In der öffentlichen Debatte über ihren Fall seien Stimmen „gezielt ignoriert“ worden. Zudem habe es „keinen ehrlichen Diskurs darüber“ gegeben, wie sich Antisemitismus von israelkritischen Positionen abgrenzen lasse, „oder worin etwa die deutsche Verantwortung gegenüber Menschenrechtsverletzungen in Israel/Palästina besteht“. Die Reaktion des WDR zeige exemplarisch, „dass es schlecht steht um die vielfach gerühmte Debattenkultur in diesem Land“.

El-Hassan hatte sich von Antisemitismus-Vorwurf distanziert

Der ganze Fall rund um die Beschäftigung El-Hassans hängt mit aufgekommenen Antisemitismus-Vorwürfen zusammen. Ursprünglich sollte die Journalistin die Wissenschaftssendung „Quarks“ moderieren. Ihr Start war für November vorgesehen. Die „Bild“-Zeitung hatte dann im Kontext der neuen Aufgabe El-Hassans von ihrer Teilnahme an einer Al-Kuds-Demo in Berlin vor einigen Jahren berichtet.

Bei den alljährlichen Al-Kuds-Demos in Berlin waren in der Vergangenheit immer wieder antisemitische Parolen gerufen und Symbole der pro-iranischen libanesischen Hisbollah-Bewegung gezeigt worden. El-Hassan hatte sich nach dem Medienbericht in einem Statement von der Demo distanziert.
Der WDR hatte sich im weiteren Verlauf gegen eine Moderation El-Hassans in der Wissenschaftssendung entschieden. Als Begründung hieß es vom Sender, „dass die Auseinandersetzung um ihre Person zu einer unangebrachten Politisierung der renommierten Wissenschaftssendung geführt hat“. Die ARD-Anstalt hatte dann zunächst weiter geprüft, ob sie möglicherweise als Autorin für „Quarks“ arbeiten könnte.

Zentralrat begrüßt Entscheidung

Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßte die Entscheidung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt, von einer Zusammenarbeit mit El-Hassan nun vollständig abzusehen. „Wir begrüßen es, dass der WDR den Fall Nemi El-Hassan sorgfältig geprüft und jetzt klar entschieden hat“, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der „Jüdischen Allgemeinen“ (Mittwoch, Online-Ausgabe). „Die Zweifel an den grundsätzlichen Positionen von Frau El-Hassan waren offenbar berechtigt.“ Allerdings seien jegliche Pauschalverdächtigungen von Muslimen völlig inakzeptabel. (mit dpa, epd)

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