Gerade in der Kulisse versteckt: der Comedian Luke Mockridge. Foto: dpa
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Update Vergewaltigungsvorwürfe gegen Comedian Luke Mockridge verzichtet 2022 auf alle Sat-1-Shows

Die Medienschlammschlacht um Luke Mockridge geht weiter. „Spiegel“-Recherche zeigt einen Mann, der sich nicht im Griff hat. Jetzt hat der Comedian reagiert

Luke Mockridge hat auf eine aktuelle "Spiegel"-Recherche reagiert. Er verzichtet auf die 2022 geplante Show "All Together Now" bei Sat 1. Auf seinem Instagram-Account schrieb der Moderator: "Ich brauche Zeit, Ruhe und Abstand, um zu verstehen, zu lernen und heilen." Aus diesem Grund könne und werde er die für das kommende Jahr bereits angekündigte Sendung nicht moderieren.

Ein TV-Aus für immer plant der 32-Jährige aber nicht, sein kurzes Statement endet mit den Worten: "Wir sehen uns wieder." Sat-1-Sprcher Christoph Körfer sagte dem Branchendienst DWDL: "Wir respektieren die Entscheidung von Luke Mockridge, seine Auszeit zu verlängern und die für 2022 angekündigten Sat.1-Shows nicht zu moderieren." Vorausgegangen war eine "Spiegel"-Berichterstattung, die neue Vorwürfe gegen Mockridge erhebt.

Privtsache?

Eigentlich aber sollte gesellschaftsweit darüber Konsens herrschen, dass das, was Menschen in einer gemeinsamen Nacht erlebt haben, deren Privatsache ist. Aber diese Annahme ist wahrscheinlich naiv und in diesen (medialen) Zeiten besonders naiv.

Sei es der frühere Nationalspieler Jerome Boateng, sei es der Comedian Luke Mockridge – deren Beziehungen sind in Schlammschlachten geendet und nicht zuletzt durch den Auftrieb in den Sozialen Medien zu Medienschlammschlachten hochgewachsen.

Und es ist nicht nur die „Bild“-Zeitung, die daraus ihre Klick- und Auflagedividende ziehen will. Auch ein etabliertes Medium wie „Der Spiegel“ beteiligt sich, weniger an der Causa Boateng als an der Causa Mockridge. Der Comedian, durch seine Sat-1-Shows zu einer echten Genregröße emporgewachsen, ist Thema einer großen Geschichte, die am Freitag auf „Spiegel online“ publiziert wurde.

Der Teaser unter der Überschrift „Die Akte Mockridge“ geht so: „Ines Anioli warf Luke Mockridge vor, sie vergewaltigt zu haben. Er bestreitet dies, das Verfahren wurde eingestellt. Nun zeichnen Ermittlungsunterlagen und Aussagen anderer Frauen das Bild eines Mannes, der sich nicht im Griff hat.“

Mockridge schweigt

Die beiden „Spiegel“-Autorinnen Ann-Katrin Müller und Laura Backes haben eine umfassende Recherche aufgeschrieben. Sie haben mit mehr als zehn Frauen gesprochen, denen sich Mockridge in der Öffentlichkeit genähert hat. Er wird als „aggressiv“ und „rücksichtslos“ beschrieben, er wirkt wie einer, der ein „Nein“ nicht akzeptieren kann.

Er bestätigt einen Spitznamen, der in Köln, wo erlebt und feiert, durchaus Verwendung findet: „Cockridge“ (Cock = englisch für Schwanz). Auch seine Kurzzeit-Partnerin Anioli, 35, kommt zu Wort und erneuert die Kontur eines übergriffigen Mannes, der mittlerweile 32 Jahre alt ist.

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Mockridges Anwalt sagt zu den Vorwürfen von Ines Anioli, sie seien „sämtlichst wahrheitswidrig“. Die „Spiegel“-Geschichte verschiebt die Gewichte in der Auseinandersetzung ein wenig und zwar zulasten des Comedians. Aber der Kern bleibt bestehen: Es steht Aussage gegen Aussage.

Die Medienschlammschlacht wird weitergehen, und die „Spiegel“-Autorinnen resümieren sehr zu Recht: „Mittendrin: die zwei Protagonisten selbst. Beide kämpfen um ihren Ruf und damit auch um ihre Karriere. Anioli ist entweder Betroffene oder eine Lügnerin, Mockridge ist entweder das Opfer einer wütenden Ex-Partnerin oder Täter.“

The show must go on

Es geht um nicht weniger als um die Deutungshoheit der Beteiligten und es geht – und da wird es existenziell – um die künftige Karriere, die ohne Öffentlichkeit nicht funktioniert. Die Youtuberin und Podcasterin sucht mit ihrer Version der Beziehungsgeschichte die Anschlussfähigkeit an bisherige Erfolge, Indem sie die Wahrheit auf ihre Seite bekommt. Für den Comedian Mockridge, der sich in Öffentlichkeitsabsenz begeben hat, hat sein Haussender 2022 neue TV-Auftritte angekündigt. The show must go on.

Bei Boateng wie bei Mockridge zeichnet sich ein Lehrstück ab: Wie eine Privatsache öffentlich und via Soziale Medien immer öffentlicher wird, wobei die etablierten Medien das Feuer immer wieder gerne mit eigener Puste selbst neu befeuern. Anders gesagt: Die Akte Mockridge mag auf juristischer Seite geschlossen sein, auf medialer Seite ist sie es längst nicht. Der Prozess dauert an, ein endgültiges Urteil ist nicht in Sicht.

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