Influencer Fynn Kliemann auf seinem Hof im Kliemannsland in Niedersachsen am 04.11.2020. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
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Unsaubere Kunstauktionen? Neue Vorwürfe gegen Fynn Kliemann

Fynn Kliemann hatte 2021 eine NFT-Auktion initiiert. Nach ARD-Recherchen soll er dabei unsauber gehandelt haben. Es geht um ein Plus von 68.000 Euro.

Es wird nicht still um den Influencer und Geschäftsmann Fynn Kliemann. Das Multitalent geriet erst jüngst mit einem Maskenskandal in die Schlagzeilen.

Im Rahmen von Recherchen des „ZDF Magazin Royale“ von und mit Jan Böhmermann wurden Vorwürfe laut, dass Kliemann bei der Produktion von Schutzmasken im Jahr 2020 ganz bewusst das Produktionsland verschwiegen haben soll.

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Dabei ging es auch um die Frage, ob fehlerhafte Masken an Geflüchtete gespendet wurden. Mittlerweile wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den Influencer eingeleitet. Nun gibt es erneute Vorwürfe gegen Kliemann - und zwar in einem ganz anderen Metier.

Neue Vorwürfe wegen Kunstauktionen

Fynn Kliemann ist nicht nur als Youtuber, Musiker, Autor, Heimwerker-King und Modeproduzent bekannt, sondern seit März 2021 auch als Künstler. Wie etwa das Branchen-Magazin „t3n“ im März 2021 berichtete, plante er damals die Versteigerung von 99 digitalen Kunstwerken, die er auf einer Auktionsplattform zum Verkauf anbieten wollte. Dabei sollte es sich um streng limitierte, kurze Musikstücke (Jingles) handeln, die als sogenannte NFTs („Non-Fungible Tokens“) angeboten werden sollten. Das Besondere daran: Solche Tokens sind einzigartig und garantieren dem Käufer den Erwerb eines absoluten Unikats.

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Insgesamt erwirtschaftete der Influencer laut Berechnungen des ARD-Magazins „Kontraste“ mit dieser Aktion namens „JingleBe“ 215.000 Euro. Allerdings soll fast ein Drittel der Summe erzielt worden sein, weil Kliemann sich nicht an seine eigenen Auktionsbedingungen gehalten habe.

Die Versteigerung aller NFT-Jingles sollte eigentlich am 7. März 2021 um 20 Uhr enden. So lautete nach dem Bericht die Auktionsbedingung auf der Versteigerungsplattform. Laut „Kontraste“ sollen aber auch nach dem offiziellen Auktionsende noch Kunstwerke versteigert worden sein.

Verspätetes Auktionsende: Um wie viel Umsatzsteigerung geht es?

Das ARD-Magazin sprach mit einem der damaligen Interessenten, der als Höchstbietender für ein Musikstück mutmaßlich nochmals überboten wurde - und zwar nach dem offiziellen Auktionsende. Die Versteigerung soll demnach erst um 21 Uhr mit einer Stunde Verspätung beendet worden sein. Schließlich soll der letzte Betrag laut des Interessenten sein eigenes ursprüngliches Finalgebot um mehr als das Doppelte überstiegen haben.

Laut Berechnungen der „Kontraste“-Redaktion soll Fynn Kliemann insgesamt rund 68.000 Euro mehr erwirtschaftet haben, weil er den Versteigerungszeitraum überschritten und sich damit nicht an seine eigenen Auktionsbedingungen gehalten habe.

Wie reagierte Fynn Kliemann auf die Vorwürfe?

Auf eine E-Mail des Bietenden, die „Kontraste“ vorliegt, soll der Influencer mit „Es tut mir wirklich sehr leid. Du hast vollkommen recht“ geantwortet haben. Auch via Twitter sollen mehrere Auktionsteilnehmer sich direkt bei Fynn Kliemann beschwert haben. Dieser soll allerdings entgegnet haben, dass ihm der verbliebene Auktionszeitraum der Gebote nicht angezeigt worden sein soll.

Kliemanns Anwalt sagte wiederum dem ARD-Magazin, dass der Influencer mit seiner Kunstauktion Neuland betreten habe. Ein Missverständnis solle zu dem überzogenen Auktionszeitraum geführt haben. Während Kliemann wohl zunächst davon ausging, er könne alle Auktionen um Punkt 20 Uhr gemeinsam beenden, soll ihm die Auktionsplattform mitgeteilt haben, er müsse alle Höchstgebote einzeln beenden. Die manuelle und händische Bestätigung aller Höchstgebote solle entsprechend zu den Verzögerungen geführt haben.

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