CEO Reed Hastings muss die Schwächephase bei Netflix überwinden. Foto: dpa
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Überraschung, die AfD sorgt sich um Streaminganbieter_ Diversität ruiniert Netflix?

AfD-Vorstand Joachim Paul erkundet Gründe für die Schwäche von Netflix - und findet Diversität. Dabei ist Diversität das Problem der AfD. Ein Kommentar

Netflix sorgt sich um seine strahlende Zukunft. Erstmals musste der Streamingdienst eingestehen, dass die Zahl der Abonnenten nicht steigt, sondern sinkt. Dann kam die Nachricht, dass Netflix Mitarbeiter entlässt. Warum aber es bergab und immer schneller bergab geht, das weiß keiner besser als Joachim Paul.

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Er ist AfD-Funktionär, Mitglied im Bundesvorstand. In seiner jüngsten Pressemitteilung verknüpft Paul zwei Erkenntnisse zu einer Gewissheit: „Viele Kunden der gängigen Streaming-Plattformen, aber auch das Publikum klassischer Filmproduktionen stören sich an dem krampfhaften Fokus auf eine vermeintliche Diversität der porträtierten Charaktere sowie die Darstellung eines links-utopischen Weltbildes und der gebetsmühlenartigen Wiederholung linker Narrative wie das des alten weißen Mannes, Weltuntergang durch Klimawandel.“

Der Zuschauer werde infantilisiert und instrumentalisiert, denn anstatt dass man ihm eine freie Entscheidungsbildung zu gesellschaftspolitisch relevanten Themen zugestehe, versuche man ihn auf plumpe Weise in di gewünschte politische Richtung – nämlich linksgerichtet – zu erziehen.

Paul fühlt sich Musk ermutigt

Joachim Paul fühlt sich in seinem Move zunächst von Tesla-Chef Elon Musk inspiriert, der einen Tweet abgesetzt haben soll, wonach der „Woke-Virus“ Netflix unerträglich mache. In der Pressemitteilung wird zudem auf eine Civey-Umfrage verwiesen, wonach 35 Prozent aller Befragten angegeben hätten, sie fänden es falsch, dass Netflix sein Programm diverser und inklusiver gestalten wolle. Nur 30 Prozent würden diese Ausrichtung begrüßen. Überhaupt würden nur drei Prozent aller Zuschauer bei der Auswahl eines Streaminganbieters auf die Diversität bei der Schauspieler- und Programmauswahl achten.

Joachim Paul ist Mitglied im Bundesvorstand der Alternative für Deutschland Foto: AfD/obs Vergrößern
Joachim Paul ist Mitglied im Bundesvorstand der Alternative für Deutschland © AfD/obs

Diese kleine Zahl ist sehr verständlich, allein Diversität kann die Qualität von Serien und Filmen nicht entscheidend bestimmen. Thema, Story, Inszenierung, Besetzung – das sind beileibe nicht alle, aber die wesentlichen Faktoren, die Originalität und Attraktivität einer Produktion bestimmen. Den Preis für ein Abonnement nicht zu vergessen.

AfD-Mann Paul sieht im Streamingsektor Woke-Jünger und linke Gesellschaftsingenieure am Werk. Schlecht, dass sie ihren Druck weiter ausüben würden. Gut, „dass sich die Bürger ihr Urteilsvermögen und den Sinn für authentische Produktionen bewahrt haben“.

Netflix wird Schwächephase überwinden

Finde ich auch gut. Deswegen wird Netflix schneller aus der Schwächephase herauskommen als die AfD, die bei der Bundestagswahl 2021 und den letzten neun Landtagswahlen wieder und wieder an Stimmen verloren hat.

Es mag der Alternative für Deutschland grotesk erscheinen, aber der sich fortsetzende Bedeutungsverlust dieser Partei hängt eng mit dem Begriff der Diversität zusammen.

Wer immer nur mit demselben Hammer auf denselben Nagel haut, der erledigt irgendwann die Wand gleich mit. Diversität als Losung für die AfD hieße dann: Nachdenken, anders denken, alternativ denken.

Joachim Paul lehnt mit Tunnelblick auf Netflix „eine ideologische Durchdringung von Medien und Gesellschaft“ strikt ab. Also genau das, was die überragende Mehrheit der Wähler an der AfD ablehnt. Dann doch lieber Netflix.

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