Das Wiener Ermittler-Duo Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer). Foto: ARD Degeto/ORF/Hubert Mican
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"Tatort" aus Wien Ermittler unerwünscht

Im Wiener „Tatort“ scheinen für Moritz Eisner und Bibi Fellner alle Spuren in die Ukraine zu führen.

„Trautes Heim, Glück allein“ steht draußen an der Tür. Es eines dieser Schilder, die eigentlich zu spießig sind, um sie aufzuhängen. Doch in der einen oder anderen Reihenhaussiedlung sind sie zu finden. Auch hier, in einem Stadtteil von Wien. Dunkel ist das Schild, es hängt direkt links neben der Eingangstür, man kann gar nicht anders, als draufschauen, wenn man klingelt. Ein Haus, hinter dessen Fassade sich ein Abgrund auftut, als die Wiener Sonderermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) abends zum Tatort gerufen werden, als sie mit ihrem Vorgesetzten Rauter (Hubert Kramar) im Restaurant sitzen. Ihnen bietet sich ihnen ein Bild des Grauens: ein zehnjähriges Mädchen, das um ihr Leben ringt; die Mutter liegt tot in der Küche. Blut überall.


Wobei, eigentlich wurden Eisner und Fellner nicht zum Tatort gerufen. Es vibrierte am Essenstisch das Mobiltelefon vom Herrn Rauter, der die Anweisung von ganz oben bekommt, dass bereits eine Ermittlerin am Tatort sei. Die Herrschaften Eisner und Fellner seien am Tatort unerwünscht. Rauters Protestieren nützt nichts, Eisner und Fellner lassen die Suppen stehen und eilen raus.


Am Tatort begegnen sie der Kommissarin Julia Soraperra (Gerti Drassl), die sich um den einzigen Unversehrten der Familie kümmert: den Ehemann und Vater, den Herrn Nationalratsabgeordneten Ladurner (Cornelius Obonya). Der ist am Boden zerstört, die Frau tot, die Tochter lebensbedrohlich verletzt. Am Rande des Geschehens beobachten Eisner und Fellner, dass die Soraperra und der Ladurner tuschelnd beieinander stehen. Zunächst scheinen die Ermittlungen zu ergeben, dass es sich um einen missglückten Einbruch ukrainischer Banden gehandelt haben muss.

Dann führt eine andere Spur zu der ukrainischen Geschäftsfrau Natalia Petrenko (Dorka Gryllus), gegen die Ladurner längst einen Untersuchungsausschuss einleitete. Einmal stürmt der Choleriker Ladurner wutentbrannt in die kalten Petrenko-Büroräume und geht fast auf die Geschäftsfrau los. Im letzten Moment ist Eisner dazwischen. Aber führen wirklich alle Fäden zu der kühlen Frau aus der Ukraine? Eisner und Fellner kommt bald ein ganz anderer Verdacht, ein sehr unschöner, einer, den sie selbst nicht glauben wollen.


„Glück allein“ ist einer der besseren „Tatorte“ aus Wien. In Wien ist das ja immer so eine Sache, die Ausschläge nach oben wie nach unten sind stark. Der jüngste Fall, „Wahre Lügen“, der die beiden Ermittler an den Wolfgangsee führte, war schon arg fad. „Glück allein“ hingegen – von Regisseurin Catalina Molina nach einem Drehbuch von Uli Brée in Szene gesetzt – hat unter dem vordergründigen Fall, der zunächst auch von der Politik gesteuert zu sein scheint, eine zweite Ebene, eine emotionale nämlich.


So stellt sich bald heraus, dass Kommissarin Soraperra die Geliebte des Politikers Ladurner ist und sofort von dem Fall abgezogen wird. Moritz Eisner wiederum fühlt sich von Ladurner provoziert, sobald sich die beiden Männer nur gegenüberstehen. Unter Tränen erzählt er Kollegin Bibi Fellner davon, wie es als Junge war, am Essenstisch des Vaters zu sitzen, der es nur darauf anlegte, durch schleichende Provokation den Jungen zu Fehlern zu verleiten. Ähnlich empfindet Eisner bei den Konfrontationen mit Ladurner.

Immer geht es in diesem „Tatort“ darum, die Gefühle außen vor zu lassen, sie wegzuschieben. Eisner darf die seinen in einem Fall nicht zulassen. Die verliebte Kommissarin Soraperra, überdies schwanger, fällt über ihre Gefühle, und dann wäre da Ladurner selbst, der vor zehn Jahren schon die erste Tochter verloren hat, der unentwegt unter Druck zu stehen scheint, kurz vor dem Implodieren, und am Ende doch auch von Gefühlen geleitet wird.


„Tatort: Glück allein“, Sonntag, ARD, 20 Uhr 15

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