Das religiöse Web wird vor allem von der Basis bestritten

Social Seelsorge Die Kirchen entdecken das Web 2.0

In Sachen Web 2.0 sind einzelne Bistümer und Gemeinden bislang sehr unterschiedlich aufgestellt. Die „Citykirche Wuppertal“ setzt beispielsweise auf selbst entwickelte Applikationen fürs Handy. Im Bistum Osnabrück bloggt der katholische Bischof selbstironisch auf seiner Seite „Bode bloggt“. Auf der Seite des Erzbistums Köln wiederum können Nutzer Kardinal Joachim Meisner direkt ihre Fragen stellen. Seit November ist auf der Homepage des Erzbistums auch eine Kommentarfunktion freigeschaltet. „Das ist bisher auf keiner anderen Seite eines Erzbistums möglich“, sagte Petra Dierkes, Diplomtheologin und Web-2.0.-Beauftragte im Bistum Köln.

„Das Kerngeschäft der Kirche lässt sich gut im Netz und in Applikationen für Smartphones abbilden. Es geht dabei um Kommunikation und Information“, sagt Dierkes. Auch auf Facebook ist das Erzbistum Köln seit kurzem mit einer Gruppe aktiv. Betreut werde die Seite von festen Redakteuren, die die Diskussionen im Blick hätten. Weitere Projekte seien in Planung, sagt die Theologin, zum Beispiel eine flächendeckende Gottesdienst-Applikation, die Nutzern den nächstgelegenen Gottesdienst nennen soll. Auch werde ein Onlineprojekt für das Lesen der Bibel im virtuellen Raum entwickelt. Fast fertiggestellt seien die medialen Richtlinien für den Umgang in sozialen Netzwerken für das erzbischöfliche Generalsekretariat mit 500 Mitarbeitern. „Die sind nicht nur in Wirtschaftsunternehmen wichtig, auch bei uns gilt es zu klären, was privat und was öffentlich ist und wo die Grenze zwischen Berufs- und Privatidentität verläuft“, sagte Dierkes.

Doch das religiöse Web wird vor allem von der Basis bestritten, abseits der offiziellen Kirchenauftritte finden sich zahlreiche Gruppen, die von Gläubigen selbst ins Leben gerufen wurden. Auch im mobilen Web ist Religion ein Thema: Allein für das iPhone gibt es knapp 100 verschiedene Bibel-Apps auf Deutsch. Selbst die christliche Seelsorge verlagert sich ins Netz, wenngleich zögerlich. Kritiker befürchten unter anderem, dass der virtuelle Kontakt den Gang in die Kirche ersetzen könnte. Die Kölner Netzbeauftragte Dierkes bezweifelt das. „Ich halte nichts von virtuellen Kerzen an Gebetsständern, doch bin ich beispielsweise von der Übertragung von Gottesdiensten überzeugt.“ Auch virtuelle Diskussionstreffen von Firmlinge auf Facebook käme der Kirche langfristig zugute. In seiner Arbeit setze das Erzbistum auf die Verbindung zwischen on- und offline, beispielsweise mit der Kölner-Dom-Applikation für Fürbitten. Die sammelt der Diakon und nimmt sie dann mit in den realen Gottesdienst.

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