Libuse Safrankova in „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ Foto: dpa/WDR/Degeto
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Schauspielerin Libuse Safrankova ist tot Das zauberhafte Aschenbrödel mit den drei Haselnüssen

Ihre Hauptrolle im Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ von 1973 machte sie bekannt. Jetzt ist Libuse Safrankova mit 68 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Dieser Film gehört zum Fernsehprogramm an Weihnachten wie der geschmückte Baum: "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". In den Dritten Programmen, im Ersten und in vielen Ländern Europas wie Norwegen läuft die Defa-Koproduktion aus dem Jahr 1973 rauf und runter. Gedreht wurde vor der Kulisse von Schloss Moritzburg. Was dem Film nach der Vorlage der tschechischen Nationalautorin Bozena Nemcova auch seine besondere Aura gab und gibt, das war die Darstellung des zauberhaften Mädchens durch Libuse Safrankova. Zwar weiß mittlerweile jeder, wie es zum Happy End kommt, aber wer will sich nicht immer wieder davon berühren lassen, wie Prinz (Pavel Travnicek) den Weg zu seinem Aschenbrödel findet?

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Für Libuse Safrankova war die Rolle des Aschenbrödels das, was für eine Inger Nilsson die Rolle der Pippi Langstrumpf: Fluch und Segen zugleich. Die damals 20-jährige tschechische Schauspielerin war in ihren späteren Rollen für lange Zeit auf Märchenfilme festgelegt. Es folgten Streifen wie „Die kleine Meerjungfrau“ und „Der Prinz und der Abendstern“. Und immer blieb sie eine gefragte Künstlerin, sie stand in fast 150 Kino- und Fernsehfilmen vor der Kamera. Dazu zählen auch die koproduzierten Fernsehserien "Zirkus Humberto" aus dem Jahr 1988 und "Die Halskette" von 1992. Prägnanter ausleben konnte sie ihr schauspielerisches Talent auf der Theaterbühne des Prager Kammertheaters „Cinoherni klub“ (Schauspielklub).

"Oscar" gewonnen

In dem mit einem "Oscar" als bester ausländischer Film ausgezeichneten Drama „Kolya“ von 1996, die sorgfältig und behutsam inszenierte Schilderung einer familiären Beziehung, überzeugte sie in der Rolle der Sängerin Klara. Der Film hielt sich lange in den tschechischen Filmcharts, ging einmal um die Welt und war auch in deutschen Kinos erfolgreich.

Libuse Safrankova war mit dem Schauspielerkollegen Josef Abrham verheiratet, der unter anderem als Arzt in „Das Krankenhaus am Rande der Stadt“ zu sehen war. Die beiden galten lange als das Traumpaar des tschechischen Fernsehens.

Lange Krankheit

Im Jahr 2014 erkrankte Safrankova an Lungenkrebs und musste sich einer schweren Operation unterziehen. An der Verleihung der tschechischen Verdienstmedaille im Herbst 2015 konnte sie nicht persönlich teilnehmen. „Mich hat die Auszeichnung sehr überrascht, denn ich habe das Gefühl, dass ich erst noch richtig etwas leisten sollte“, sagte sie damals der Zeitung „Blesk“. In den letzten Jahren zog sie sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück und gab nur noch äußerst selten Interviews.

Tochter einer Lehrerfamilie

Libuse Safrankova wurde am 7. Juni 1953 in Brünn (Brno) in eine Lehrerfamilie geboren. Schon als Kind zog es sie zum Theater. Als 17-Jährige stand sie erstmals vor der Fernsehkamera und begeisterte mit ihrem Charme und ihrem Temperament. Starallüren waren ihr dennoch fremd. Als junge Frau sei sie nach abendlichen Theateraufführungen mit dem Güterzug nach Hause gefahren, erinnerte sie sich einmal. „Die Züge haben bei uns in der Nähe immer abgebremst - und ich bin während der Fahrt abgesprungen." Fast eine Aschenbrödel-Geschichte.

Am Mittwoch ist Libuse Safrankova, die Frau von zarter Gestalt und mit zarter Stimme, im Alter von 68 Jahren gestorben.

Reaktionen

Tschechiens Präsident Milos Zeman zeigte sich zutiefst berührt und sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Regierungschef Andrej Babis schrieb bei Twitter, er habe Safrankova sehr geschätzt. „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ habe er vielleicht hundertmal gesehen. Ohne diesen Film könne er sich Weihnachten nicht vorstellen. Als eine „unglaublich talentierte Schauspielerin“ würdigte der Regisseur Zdenek Sverak („Kolya“) die Verstorbene. „Sie hat uns berührt und sie hat uns zum Lachen gebracht“, sagte er der Agentur CTK. (mit dpa)

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