Sandra Maischberger moderiert "Maischberger" künftig zwei Mal in der Woche. Foto: dpa
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Sandra Maischberger talkt zwei Mal in der Woche Dem Lanz endlich Konkurrenz bieten

Anna Ringle

Die ARD setzt künftig auf zwei Mal "Maischberger" in der Woche. Das Konzept bleibt weitgehend unverändert

Die Talkshow "Markus Lanz" im Zweiten ist ein Stachel im ARD-Fleisch. Zwar hat das Erste mit "Anne Will", "Hart aber fair" und "Maischberger. Die Woche" ein Übergewicht im Vergleich mit Lanz und "Maybrit Illner", aber wer kann bestreiten, dass "Markus Lanz" mit seinen drei Ausgaben pro Woche das Rennen macht? Sprich die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zieht mit seiner Art von "Twitter-Fernsehen". Also kommt und geht Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach bei ihm, also kassiert Lauterbach in der ZDF-Sendung Pandemiemaßnahmen ein, die er mittags noch lauthals in Berlin verkündet hatte. Das ZDF-Format hat im Gegensatz zu den klassischen politischen Talks im Ersten den Vorteil, dass es nicht monothematisch arbeitet, sondern seine Gäste mit ihren Themen nach Tages- und Aktualitätslage einladen kann.

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Diesen Vorteil will die ARD von der kommenden Woche wenigstens teilweise ausgleichen. Sandra Maischberger ist mit ihrer Talkshow von Dienstag zwei in der Woche zu sehen - neben dem bisherigen Termin am Mittwoch zusätzlich am Dienstag um 22 Uhr 50. Und weil der Titel "Maischberger. Die Woche" mit der neuen Frequenz nicht zu halten ist, heißt die Sendung künftig schlicht "Maischberger".

Maischberger sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass das Konzept bleibe weitgehend wie gehabt: In der Sendung geht es um Themen, die in der laufenden Woche aktuell sind. Die Sendung hat mehrere Elemente. Es gibt Kommentatoren - darunter häufig Journalisten, die die Geschehnisse einordnen. Zudem werden immer wieder ranghohe Politiker und andere Persönlichkeiten zu Einzelinterviews eingeladen. Die intensivierten, vertiefenden Gespräche - die Soloelemente - sollen etwas mehr Zeit bekommen. Die Details zu einer Rückkehr von Publikum in der Pandemie werden derzeit noch geklärt. „Unsere Sendung funktioniert besser mit Publikum“, sagte Maischberger.

Verlässlichkeit ist das wichtigste Prinzip

Die Moderatorin betonte ferner: „Ich glaube an ein Prinzip im linearen Fernsehen: Verlässlichkeit. Wer vor Mitternacht einschaltet, muss wissen, was er oder sie bekommt. Deswegen machen wir am Dienstag aus denselben Elementen wie am Mittwoch eine Sendung.“

Die ARD setzt mit Maischberger auf eine sehr bekannte und erfahrene Moderatorin. Die 55 Jahre alte Journalistin hat in unterschiedlichen Talk-Formaten bei mehreren TV-Sendern über Jahrzehnte Erfahrung gesammelt.Maischberger sagte: „Ich kannte bisher wöchentliche Sendungen, also einmal die Woche. Und ich habe zweimal schon eine tägliche Sendung moderiert.“ Bei der früheren Talkshow „0137“ bei Premiere und bei der damaligen Talkshow „Maischberger“ bei ntv. „Zweimal die Woche ist etwas ganz Neues.“

Zu wenig Zeit in der Vergangenheit

In den vergangenen Wochen und Monaten habe die Redaktion gedacht: "Schade, wir haben nur 75 Minuten pro Woche. Und es passiert gerade so viel, dass wir für jeden Mittwoch zwei bis drei gute Ideen verwerfen mussten, weil wir nur diesen einen Sendetag hatten.“

Die Polit-Talkshows im deutschen TV kreisen thematisch zurzeit um den russischen Krieg in der Ukraine, davor war die Corona-Pandemie das beherrschende Thema. Auf die Frage, wann der Moment komme, an dem nicht mehr monothematisch über eine Krise wie jetzt den Krieg geredet werde, sagte Maischberger: „Wir machen es zum Beispiel nächste Woche: Frank Elstner ist Gast im zweiten Teil der Sendung. Das haben wir regelmäßig jetzt eingeplant.“ Sie ergänzte: „Um ganz bewusst das Signal zu setzen: Dies ist auch eine Sendung, die sich mit interessanten und spannenden Persönlichkeiten und deren Geschichten und Themen beschäftigt.“

Mit Corona kam die Monothematik

Rückblickend sagt die Fernsehjournalistin: „Das war ja verrückt: Wir hatten die Sendung von einer monothematischen auf eine mit mehreren Themen umgestellt und dann kam Corona.“ Dann sei man zwangsläufig über weite Strecken wieder monothematisch geworden.

ARD-Chefredakteur Oliver Köhr sagte über den Maischberger-Talk, dieser habe als gesellschaftspolitische Gesprächssendung eine wichtige Funktion bei der Einordnung aktueller Ereignisse. „Das große Publikumsinteresse zeigt, dass in der Corona-Pandemie und während des Kriegs gegen die Ukraine der Talk als Informationsquelle gefragt ist.“ Wenn „maischberger“ jetzt zwei Mal pro Woche einlade, erlebe man mehr hintergründige Geschichten, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt würden. WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn ergänzte: „Die längeren vertieften Gespräche sind die besondere Qualität ihrer Sendung.“

Das Fernsehpublikum hat, wenn es will, künftig die Qual der Wahl. Nach Lage der Dinge werden sich "Maischberger" und "Markus Lanz" überschneiden. Klar ist, dass die Prominenz der Gäste die Entscheidung für und gegen Lanz oder Maischberger bestimmen wird. Der doppelte Lauterbach kann da bei keine Lösung sein. (mit dpa)

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