Okay, Elvis ist tot, der amerikanische Traum ist tot, aber die Imitatoren des „King“ und des „American Dream“ sind quicklebendig. Foto: picture alliance / Subel Bhandar
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Roadmovie über den "King" 12.000 Meilen Elvis

Eugene Jareckis vielstimmiges Roadmovie beschwört die Karriere des „King“ und fragt zugleich, wie es um den amerikanischen Traum heute bestellt ist.

„Ich glaube, das Wichtigste im Leben ist Glück. Keine weltlichen Sachen. Was nützen einem Autos, Geld und ein fantastisches Zuhause, wenn man nicht glücklich ist?“, antwortet er einmal in einem Radio-Interview auf die Frage: „Wenn Sie haben könnten was Sie wollen, was würden Sie sich aussuchen?“

Der, der so antwortet, heißt Elvis Presley und ist zu diesem Zeitpunkt der personifizierte amerikanische Traum. Er hat es geschafft. Er hat die Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Verheißung eingelöst. Schwerreich ist er und weltweit bekannt. Gelebte globale US-Popkultur.

Doch der Weg des am 8. Januar 1935 in Tupelo, Mississippi geborenen, einfachen jungen Mannes vom Land hin zur bewunderten Ikone war mühsam und steinig, voller Schweiß und Tränen. Als er am 16. August 1977, im Alter von nur 42 Jahren, auf seinem Anwesen „Graceland“ in Memphis, Tennessee stirbt, ihn Geld, Drogen und Ruhm zerstört haben, da stellen sich auch diese beiden Fragen: War dieser Weg es wert, gegangen zu werden, hat Elvis Presley dieses so sehr ersehnte Glück jemals selbst erfahren?

Der neue Dokumentar-Langfilm „The King“ erzählt mit seinen 103 Minuten Laufzeit gut 40 Jahre nach Elvis Presleys Tod die Geschichte von Aufstieg und Fall dieses Menschen und – gerade das macht ihn so interessant – setzt parallel zu dieser Erzählung eine weitere, nämlich die des Landes, in dem Elvis gelebt hat. So erzählt der preisgekrönte Regisseur und Autor Eugene Jarecki („Drogen: Amerikas längster Krieg“) letztlich zwei Geschichten – eine auf persönlicher Ebene und eine auf allgemeiner, polithistorischer. Eine narrative Parallelmontage.

Mit dem Rolls-Royce zum Rock'n'Roll

Jarecki bedient sich dabei eines weiteren Mittels, um diese doppelte Erzählung anschaulich voranzutreiben. Mit dem authentischen, in die Jahre gekommenen Rolls-Royce Elvis Presleys fährt er die Lebensstationen des King of Rock’n’Roll nach. Er kommt von Tupelo und Memphis über Nashville ins hessische Bad Nauheim, wo der in der Bundesrepublik stationierte US-Soldat Presley 1959 seinerzeit die 14-jährige Priscilla Beaulieu, seine spätere Frau kennenlernte. Danach geht es auf der 12.000 Meilen langen Fahrt nach Hollywood und Las Vegas.

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Ein Road-Movie, mit vielen historischen Archivaufnahmen und mit Musik zeitgenössischer Bands versehen. Auf diese Reise lädt Jarecki sporadisch Zeitzeugen und Interviewpartner ein, die ein Stück weit mitfahren und sich an Presley erinnern. Unter denen, die im Rolls-Royce wahlweise auf der Rückbank oder aber direkt hinterm Lenkrad Platz nehmen, sind unter anderem: Ethan Hawke, Alec Baldwin, Ashton Kutcher, Van Jones, Chuck D, James Carville, Emmylou Harris sowie ganz normale Menschen, denen der Filmautor auf dieser geografischen wie biografischen Odyssee im Lauf der Zeit begegnet.

Interessant mag an Eugene Jareckis Dokumentation „The King“ auch sein, dass sich unter den Produzenten und Co-Produzenten des Films unter anderem Steven Spielberg und Ethan Hawke finden. Offenbar ist ihnen das Anliegen, das dieser während der US-Präsidentschaftswahlen 2016 gedrehte Dokumentarfilm neben dem Blick auf Elvis Presleys Leben liefert, wichtig. Es ist die durchaus nüchterne, teilweise sehr kritische Bestandsaufnahme über ihr Land, das ein gespaltenes Land ist – die Vereinigten Staaten von Amerika.

Doppelter Blick auf Uramerikanisches

Mehrfach ist in dem Film zu hören, teils mit harscher Verbitterung, mit Wut auch formuliert: „The American Dream is dead!“ Das Land, diese Weltmacht, sei zu einem einzigen großen Las Vegas verkommen, dass hier nur noch das Geld, der Kapitalismus herrsche, und auch über Trumps ehemalige politische Gegnerin Hillary Clinton wird Kritisches geäußert. So wird „The King“, der mit seinen eindreiviertel Stunden Laufzeit etwas zu lang geraten und stellenweise ein wenig redundant ist, zu einem doppelten Blick auf Uramerikanisches schlechthin.

„The King – Elvis und der amerikanische Traum“, ARD, am Mittwoch, um 23 Uhr 30

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