Bedrohte Vielfalt. Besonders die kleinen und regionalen Sender ächzen unter den Werbeverlusten in Folge der Corona-Pandemie. Foto: imago stock&people
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Privatsender in der Corona-Pandemie Verband schließt Insolvenzen nicht aus

Besonders den kleineren Sendern macht Corona zunehmend zu schaffen. Aber auch bei den Öffentlich-Rechtlichen wird gespart.

Nachdem bereits die bisherige Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, Anja Zimmer, im Tagesspiegel auf die schwierige Situation insbesondere der privaten Radiosender aufmerksam gemacht hat, warnt nun auch der Privatsenderverband Vaunet vor den Folgen der Corona-Krise für die Branche. „Das Jahr ist dramatisch, weil wir anders als in 2020 nicht von ersten guten Monaten zehren können“, sagte Annette Kümmel, die Vorstandsvorsitzende des Verbands Privater Medien, der Deutschen Presse-Agentur.

Mit den Corona-Belastungen aus 2020 mit weggebrochenen Werbe-Erlösen sei man in ein neues Geschäftsjahr mit Lockdown-Szenario gekommen. „Das hat die negative Geschäftssituation für viele Unternehmen verschärft. Einige Unternehmen haben Existenzsorgen“, betonte Kümmel. Insolvenzen können aktuell nicht ausgeschlossen werden, so die Vaunet-Chefin. Sie hoffe, dass im Laufe des Jahres mit Öffnungen auch wieder Werbeinvestitionen angeschoben würden. „Insgesamt wird das allerdings die Verluste nicht auffangen können - insbesondere bei vielen kleinen Medienunternehmen nicht. Je kleiner und lokaler eine Firma ist, desto kritischer ist der Umsatzrückgang und das Risiko.“

Sondertopf für kleine und regionale Sender gefordert

Im vergangenen Jahr sprang der Bund mit Corona-Hilfen ein, zudem gab es in Bundesländern Unterstützung. Der Bund brachte etwa im Juni ein Hilfspaket - es nennt sich „Neustart Kultur“ - auf den Weg. Darin war auch die Unterstützung der privaten Hörfunkveranstalter mit bis zu 20 Millionen Euro inbegriffen. Von der Politik fordert Kümmel, dass noch einmal mit einem Sondertopf reagiert werden solle, der Medienvielfalt gerade bei kleinen und regionalen Sendern sichert.

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Vor einiger Zeit hatten bereits die Zeitschriftenverleger einen Ausblick auf das Jahr gegeben. Sie stellen sich auf niedrigere Umsätze als vor der Corona-Pandemie ein. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), Stephan Scherzer, hatte der dpa gesagt: „2021 wird ein sehr anspruchsvolles Jahr. Erst für 2022 kann ich mir vorstellen, dass wir uns langsam wieder auf dem Niveau von 2019 bewegen könnten.“

Viele Zeitungsverleger rechnen ihrerseits laut Trend-Umfrage des Verlegerverbands BDZV, die vor Wochen vorgestellt worden war, nicht mehr mit einer vollständigen Rückkehr des Anzeigenvolumens.

RBB bestätigt Kündigung von 75 Freien Mitarbeitern

Unterdessen hat der der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) die Kündigung von 75 freien Mitarbeiter:innen im Zusammenhang mit dem Umbau des Vorabendprogramms bestätigt. Hintergrund sind umfangreiche Änderungen im Vorabendprogramm. Vom kommenden Jahr an sind in den anderthalb Stunden vor „Abendschau“ und „Brandenburg aktuell“ Liveprogramme geplant. „RBB um 6“ und „Zibb - zuhause in Berlin und Brandenburg“ entfallen dafür.

Den Freien sollen innerhalb des RBB „andere Beschäftigungsperspektiven“ aufgezeigt werden, zudem soll auf „auf soziale Härtefälle“ besonders eingangen werden, teilte der Sender dem Evangelischen Pressedienst mit. Gegen die Kündigungen hatten zuletzt der Journalistenverband DJV Berlin-JVBB und der ARD-Freienrat protestiert.

Anlass für den Umbau der Vorabendstrecke ist laut RBB neben einer Modernisierung auch die Notwendigkeit, rund zwei Millionen Euro einsparen zu müssen.

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