Am 19. April 2005: Phoenix schreibt ein kleines Stück Fernsehgeschichte, als Stephan Kulle um 18 Uhr 39 - vier Minuten vor der offiziellen Bekanntgabe - die Wahl von Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst Benedikt XVI. live verkündet. Foto: phoenix
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Phoenix sendet seit 25 Jahren Alter schützt vor Anspruch nicht

Der gemeinsame Ereignis- und Dokumentationskanal von ARD und ZDF wird als gemeinsames Programm weiterarbeiten - trotz Tagesschau24.

Ein Fernsehprogramm will Zukunft haben. Also wird Phoenix, der Ereignis- und Dokumentationskanal von ARD und ZDF, seinen Standort wechseln. Bis 2024 soll der Umzug in den früheren Schürmann-Bau, dem heutigen Sitz der Deutschen Welle, erfolgen. Die beiden Programmgeschäftsführerinnen Eva Lindenau (ARD) und Michaela Kolster (ZDF) betonten bei einem Pressegespräch am Montagabend, dass mit dem Umzug "sämtliche Strukturen und Workflows neu organisiert werden". Ziel sei es, bei stabilem Etat und gleichbleibender Zahl der Mitarbeitenden Phoenix für die digitale Zukunft fit zu machen und zu einer multimedialen Politik-Plattform auszubauen. Und auch am Konzept gibt es bestenfalls Retuschen, nicht aber eine grundlegende Änderung: Politik erlebbar zu machen und dazu die Einordnung und Vertiefung mit Gesprächssendungen, Dokumentation und Reportagen zu liefern. In großen Worten: Im ganzen Bild auszumalen, was Demokratie, was demokratische Prozesse ausmachen.

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Phoenix hat am 7. April 1997 zu senden begonnen, als Umsetzung einer Idee der damaligen Intendanten Fritz Pleitgen (WDR) und Dieter Stolte (ZDF). Ihre Nachfolger Tom Buhrow und Norbert Himmler ließen keine Zweifel aufkommen, dass das gemeinsame Programm sich mehr als bewährt habe. Buhrow sagte, "die Verbindung aus Live-Berichterstattung, Gesprächen und Dokumentationen macht Phoenix so einzigartig und wertvoll für unsere Demokratie". Wie unverzichtbar Phoenix sei, hätten die Mitarbeitenden gerade in den vergangenen Wochen während des Krieges in der Ukraine wieder eindrucksvoll gezeigt. Sein ZDF-Kollege Himmler betonte, "Phoenix ist live dabei, wenn sich politisch Relevantes ereignet und wenn Geschichte geschrieben wird. Das lässt sich nur schwer planen und ist in Zeiten von Krieg und Corona wichtiger denn je."

Irritationen ausgeräumt

Gerade Norbert Himmler war es, der einst von ihm betonte "Irritationen" über den Ausbau des ARD-Kanals Tagesschau 24 zu einem Nachrichtenprogramm zu zerstreuen suchte. Diese Irritationen habe ein Gespräch mit der ARD-Vorsitzenden, RBB-Intendantin Patricia Schlesinger und Tom Buhrow ausräumen können. Nach seinen Worten bleibt Phoenix in der gewohnten Spur, am gemeinsamen Willen zum gemeinsamen Programm gebe es keine Zweifel. Selbst wenn Phoenix im künftigen Medienstaatsvertrag nicht mehr als Muss-Programm gelistet sein wird.

Tom Buhrow suchte nochmals die Unterscheidbarkeit von Tagesschau24 und Phoenix festzuschreiben. "Tagesschau24 kümmert sich um sich entwickelnde Ereignisse, niedrigschwelliger und weniger relevant, Phoenix um langfristige Entwicklungen und Hintergründe". Der Krieg in der Ukraine ebnet solche Ansätze ein und bringt die Programme in unmittelbare Konkurrenz. Am Ende muss der Zuschauer entscheiden, was die Macher nicht entscheiden können oder wollen: Tagesschau24 oder Phoenix?

Standortinteressen

Auch für den künftigen Verbleib des Senders in Bonn fand Buhrow Argumente: Der WDR als größte ARD-Anstalt sei in Köln, das ZDF in Mainz, solcher Sender-Föderalismus verhindere einen ungewollten Zentralismus. Was der WDR-Intendant nicht sagte: Sein Sender finanziert die ARD-Seite im ARD/ZDF-Programm prozentual mehr als jede andere ARD-Anstalt, also muss Bonn, sprich NRW von diesem Engagement profitieren. Konstruktion und Standort waren und bleiben geprägt von Interessen, die nichts mit dem Programm zu tun haben. 2017 verfügte Phoenix über einen Etat von 37 Millionen Euro, beschäftigt waren 93,5 festangestellte plus ähnlich viele freie Mitarbeitende.

Die Musik spielt, jedenfalls was die Bundespolitik angeht, in Berlin. Dort unterhält Phoenix ein kompetentes Studio, dort unterrichten Gerd-Joachim von Fallois und Erhard Scherfer das Publikum en gros et en détail. Die Berichte über und aus dem Bundestag gehören neben dem "Internationalen Frühschoppen" zu den einschaltstärksten Angeboten von Phoenix, das aktuell einen Marktanteil von 1,2 Prozent verzeichnen kann.

Der Krieg in der Ukraine wie auch die zwei Jahre Pandemie zehren an den Kräften. "Ein besonderer Dank gebührt unserem ganzen Phoenix-Team, das an diesen Tagen ein großartiges Engagement gezeigt und sich bis zur Grenze des Zumutbaren verausgabt hat, sagte Programmgeschäftsführerin Kolster.

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