Eisschnellläuferin Claudia Pechstein zeigt bei ihrer Rückkehr von den Olympischen Spielen auf dem Frankfurter Flughafen mit dem Daumen nach oben. Fragen der ARD lehnt sie ab. Foto: dpa
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Update Pechstein erklärt ARD-Boykott "Schlampige, tendenziöse und ehrverletzende" Berichterstattung

Die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein fordert in einem "Offenen Brief" von der ARD eine "Entschuldigung und Richtigstellung". Die ARD lehnt ab.

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein verteidigt in einem "Offenen Brief" an die ARD ihren jahrelangen ARD-Boykott: "Seit wann ist es durch die Pressefreiheit im Grundgesetz abgedeckt, dass wir Sportler jedem Medium ein Interview geben müssen?" Der ARD-Redaktion um Investigativ-Reporter Hajo Seppelt, die vor etwa zehn Jahren über einen Doping-Verdacht gegen Pechstein berichtet hatte, wirft sie "schlampige, fehlerhafte, tendenziöse und ehrverletzende" Arbeit vor. Pechstein beschuldigt den Sender, sie damals falsch zitiert und ihr keine faire Chance gegeben zu haben, auf die Vorwürfe zu reagieren.

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Weiter kritisiert Pechstein in dem Statement auf ihrem Facebook-Account, die ARD habe ihr Publikum in Bezug auf die Gründe für ihren Boykott "glatt angelogen". Denn nicht die Berichterstattung über ihre dreijährige Dopingsperre sei der Grund für ihren Boykott, sondern die ihrer Ansicht nach falschen Anschuldigungen über das spätere Blutdoping. Zudem verschweige der Sender, dass die besagten Blutbehandlungen den verdächtigen Sportlerinnen "keinen Wettbewerbsvorteil" verschafft hätten."

"Feines Gespür für Recht und Gerechtigkeit"

In ihrem "Offenen Brief" an die ARD schreibt Pechstein weiter: Als Polizeihauptmeisterin habe ich schon von Berufswegen ein besonders feines Gespür für Recht und Gerechtigkeit. Deshalb stehe ich nach wie vor zu meiner Aussage: Wenn eine öffentliche Entschuldigung und Richtigstellung von Ihnen erfolgt, stehe ich ab diesem Zeitpunkt wieder für Interviews zur Verfügung." Es sei ja ohnehin nicht so, dass sie alle Sendeanstalten der ARD boykottiere. "Mit dem rbb und mdr bin ich im regen Austausch. Bereits am kommenden Freitag bin ich in der Sendung Riverboat zu Gast. Denn eines gilt nach wie vor: Wer mich fair behandelt, dem stehe ich Rede und Antwort."

"Riverboat" freut sich auf Pechstein

Fakt ist damit: In der Talkshow „Riverboat“ der beiden ARD-Sender Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) und Mittteldeutscher Rundfunk (MDR), auf deren Gästeliste Pechstein laut Programmankündigung steht, will die Sportlerin sich äußern, in anderen Fällen mit der ARD aber nicht reden. Eine RBB-Sprecherin bestätigte dem Tagesspiegel, dass die Einladung an Claudia Pechstein aufrechterhalten wird: „Ja, selbstverständlich bleibt es dabei. Wir freuen uns auf den Besuch von Claudia Pechstein in der Talkshow Riverboat Berlin. Wir haben sie als Ausnahme-Sportlerin aus unserer Region eingeladen, die an insgesamt acht Olympischen Spielen teilgenommen hat – das hat noch keine Frau vor ihr geschafft. Wir freuen uns, dass sie beim ,Riverboat‘ Berlin über ihre Zeit in Peking, die Wettbewerbe und über ihren 50. Geburtstag erzählen wird.“ Der Talk mit dem Moderatorenduo Kim Fisher und Sebastian Fitzek startet am Freitag um 22 Uhr und wird parallel in RBB/MDR übertragen.


Stümperhafter Seppelt

Laut Pechstein soll das Statement "deutlich machen, wie stümperhaft und verblendet Hajo Seppelt, sogenannter Experte der ARD-Doping-Redaktion, arbeiten könne. Und wie ihm seine Chefs trotz eklatanter handwerklicher Fehler die Stange hielten? "Kein Wunder also, wenn die Glaubwürdigkeit der ARD in der breiten Öffentlichkeit immer mehr schwinde..."

Reaktion der ARD

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky asgte dazu auf Anfrage des Tagesspiegels: "Die Haltung von WDR/ARD zur unserer Berichterstattung in 2012 hat sich nicht geändert. Unsere damalige Berichterstattung entsprach allen journalistischen Sorgfaltsmaßstäben und war und ist rechtlich nicht zu beanstanden. Gleichwohl haben wir in den vergangenen zehn Jahren Claudia Pechstein gegenüber immer wieder unsere Gesprächsbereitschaft signalisiert." Leider habe Claudia Pechstein auf diese Versuche, mit ihr ins Gespräch zu kommen, stets ablehnend reagiert und sie an die Bedingung einer offiziellen Entschuldigung der ARD geknüpft. "Da wir aber bei dem fraglichen Thema nach wie vor eine andere Auffassung haben, gibt es für uns keinen Grund für eine Entschuldigung. Wir sind und bleiben aber jederzeit gerne bereit, die zwischen uns bestehenden Unstimmigkeiten im direkten Austausch miteinander zu besprechen", sagte Balkausky.

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