Freuen oder ärgern Sie sich: Die neue "Bild Politik" Screenshot: Tsp
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Neues Politmagazin: "Bild Politik" Wo Politik auf Gefühle trifft

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Die drei Fragezeichen: Der Axel Springer Verlag versucht sich mit "Bild Politik" an einem neuen Wochentitel.

„Eine disruptive Periode mit so viel Veränderung und Unsicherheit produziert unglaublich viele Nachrichten, das ist gut für alle Journalisten und Nachrichtenanbieter, es gibt viel Material für Geschichten.“ Man kann das so sehen wie Mark Thompson, der Verlagschef der „New York Times“ im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Man kann das aber auch so knackig beschreiben, wie Nikolaus Blome im Editorial des neuen Wochenmagazins „Bild Politik“: „Es rumort in Deutschland, die Zeiten sind so politisch und so emotional wie ganz lange nicht. Die Politik hat dazu viel zu oft keine Antwort, keine Haltung.“ Antworten wolle nun dieses neue Projekt aus dem Hause Axel Springer geben, das am Freitag erstmals erscheint.


Es ist der – angesichts der durch Social Media ohnehin oft schon angeheizten Debatten – nicht ganz unbrisante Versuch, ein Nachrichtenmagazin mit deutlich mehr Emotionen und verändertem Konzept auf den Markt zu bringen. „Bild Politik“ wolle Woche für Woche die wichtigsten Fragen stellen und sie beantworten, so Blome. „Ihre Fragen. Zu den politischen Themen, die Sie verstören und ärgern, neugierig machen oder, ja, auch freuen. Wir nehmen dabei Fakten und Gefühle ernst. Wenn der Bauch auf Politik reagiert, dann sind im Kopf of die wichtigen Fragen noch offen. Wir wollen nicht belehren, sondern klar analysieren oder mutig kommentieren.“


Da spielen die in diesem Journalismus üblichen Unterscheidungen zwischen Innen-, Außen, Wirtschafts- oder Gesellschaftspolitik keine große Rolle mehr. So werden die Hauptthemen der ersten, 52-seitigen Ausgabe – Asyl („Schieben wir zu oft die Falschen ab?“), Kalter Krieg („Braucht Deutschland jetzt mehr Atomwaffen?“) und Krebs („Neue Hoffnung aus dem Gen-Labor?) – gleich mal unter den Labels „Ärger“, „Neugier“ und „Freude“ rubriziert, die das ganze Heft in drei Teile schneiden.

"Warum versagt unsere Regierung?"


Eine Art Emoji fürs Nachrichtenmagazin also. Die mit den drei Labels zusammenhängenden Unterzeilen „Das kann doch nicht wahr sein!“ „Was bedeutet das eigentlich?“ und „Endlich klappt auch mal was!“ kann man sich so oder so ähnlich als Ausruf beim Lesen einer „Bild“-Zeitung oder auch Zuschauen einer „hart-aber-fair“-Ausgabe im Fernsehen vorstellen. Viel Analyse, viel Meinung, weniger Berichte. Das muss kein schlechter Ansatz für ein verkaufsträchtiges Magazin sein, in Zeiten, wo sich Polit-Formate wie „stern“, „Focus“ oder auch „Spiegel“ schwertun am Kiosk. Der erste Titel: „Schrottarmee, Diesel-Wut, Funklöcher – warum versagt unsere Regierung?“ lässt sich allerdings von der Ansage her von den genannten drei Nachrichtenmagazinen kaum unterscheiden.


Bundesweit traut man sich damit auch noch nicht. „Bild Politik“ soll erst mal jeden Freitag in Hamburg und im angrenzenden Umland an ausgewählten Verkaufsstellen erhältlich sein, für 2,50 Euro (Auflage: 20 000). Der Test wird von Selma Stern, 33, und Nikolaus Blome, 55, stellvertretender Chefredakteur „Bild“, verantwortet. Stern ist ein in der Branche noch eher unbeschriebenes Blatt, Blome auch via Fernsehen bekannt. Beide haben, so der Verlag, das Konzept des Magazins gemeinsam entwickelt. Nach dem Aus der „Fußball Bild“ ein neuer Versuch, auf dem Print-Markt für Bewegung zu sorgen.


Wie gesagt: ganz schön knackig. Ein Konzept, das auf die Strahlkraft eines Satzzeichens setzt. So viel Fragezeichen hat es in einem Magazin selten gegeben. Da finden sich weiter Themen wie „Lässt die Politik die Autofahrer im Stich?“, „Warum sind so viele kluge Briten für den Brexit?“ oder auch „Warum kämpfen Feministinnen nicht gegen das Zwangskopftuch?“ Jawoll. Man wird doch mal fragen dürfen. Und antworten. Und versuchen, einzuordnen. Bleibt abzuwarten, ob die Rubriken „Ärger“, „Neugier“ und „Freude“ der disruptiven Periode mit so viel Veränderung und Unsicherheit, von der Mark Thompson spricht, gerecht werden. Oder ob sich der geneigte Leser nicht damit begnügt, Stimmungen, wie sie in „Bild Politik“ evoziert werden, aus dem Hause Springer lieber mit der „Bild“-Zeitung zu holen. Nicht alle Fragen lassen sich mit einer Gegenfrage beantworten wie die an CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer am Ende des Hefts: „Darf man in der Politik lügen, wenn es einem guten Zweck dient?“ „Was ist schon ein guter Zweck?“

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