Der Jesus Christus in der Netflix-Parodie ist schwul und gut drauf. Screenshot: Tsp
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Update Netflix-Film spaltet Brasilien Jesus, ein schwuler Witz

Oberstes Gericht in Rio de Janeiro: Der Streamingdienst Netflix darf nun doch eine umstrittene Jesus-Parodie zeigen.

Verwirrung über eine Serie in Brasilien: Ein Gericht in Rio de Janeiro hatte den US-Streamingdienst Netflix angewiesen, sein umstrittenes Weihnachtsspecial „The First Temptation of Christ“ (Die erste Versuchung Christi) abzusetzen. Das berichteten örtliche Medien am Mittwoch. Der brasilianische Film, der Jesus als homosexuelle Witzfigur darstellt, sorge in der „mehrheitlich christlichen Gesellschaft Brasiliens“ für Unruhe, so der Richter. Am Donnerstagabend ruderte dann das Oberste Gericht zurück: Die Netflix-Satire darf in Brasilien wieder gezeigt werden.

Der 46 Minuten lange Film hatte bereits seit seiner Veröffentlichung Anfang Dezember für Kontroversen gesorgt. Der texanische Bischof von Tyler, Joseph Strickland, hatte auf Twitter Kritik geäußert: „Habe gerade Netflix abbestellt. Hatte eh keine Zeit, es zu nutzen - aber Gotteslästerer verdienen nicht einen Penny Unterstützung.“

Zudem fand eine Online-Petition gegen den Film mehr als zwei Millionen Unterstützer.

Der von der brasilianischen Comedy-Truppe „Porta dos Fundos“ (Hintertür) produzierte Film wurde auch in Brasilien kritisiert. Am 24. Dezember wurde zudem ein Brandanschlag auf die Produktionsfirma in Rio de Janeiro verübt. Die Polizei vermutet dahinter eine rechtsextreme Gruppe, die sich in der Tradition nationalsozialistischer Bewegungen aus Brasiliens 30er-Jahren sieht. Der Anführer soll sich nach dem Anschlag nach Russland abgesetzt haben und werde von Interpol gesucht, so die Polizei.

Die Parodie um den schwulen Jesus spaltet Brasilien

Bei dem nun ergangenen Urteil handelt es sich um eine einstweilige Verfügung. Aus „gesundem Menschenverstand heraus“ sei es besser, den Film bis zu einem endgültigen Urteil abzusetzen, so der Richter. Er wolle damit „die Gemüter beruhigen“, zudem sei das „Recht auf freie Meinungsäußerung nicht absolut“.

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Das Urteil sorgte für Kritik unter anderem von Brasiliens Anwaltskammer. Der Vorsitzende der brasilianischen Anwaltskammer kritisierte die Entscheidung. „Die brasilianische Verfassung garantiert die freie künstlerische Entfaltung“, sagte Felipe Santa Cruz dem Nachrichtenportal G1. „Jede Art der Zensur bedeutet einen Rückschritt und kann von der Gesellschaft nicht hingenommen werden.“ Die Entscheidung des Gerichts in Rio de Janeiro könnte von höheren Instanzen wieder kassiert werden.

Auch in den Sozialen Medien gab es Proteste. Weder „Porta dos Fundos“ noch Netflix äußerten sich bislang zu dem bereits am Dienstag ergangenen Urteil. Der Film war am Mittwochabend, auch für deutsche Netflix-Abonnenten, noch online abzurufen.

Das Oberste Gericht kassiert das Urteil

Kehrtwende dann am Donnerstagabend (Ortszeit). Das Oberste Gericht hob ein Urteil eines Bundesrichters in Rio de Janeiro auf, der die Ausstrahlung der Komödie nach Protesten christlicher Gruppen untersagt hatte, wie die Tageszeitung „Folha de São Paulo“ berichtete.

Der Präsident des Obersten Gerichts, Dias Toffoli, betonte, die Meinungsfreiheit sei unerlässlich für eine Demokratie. Eine Satire könne nicht die christlichen Werte schwächen, deren Wurzeln zweitausend Jahre zurückreichten.

(mit KNA, dpa, epda)

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