Die 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der "HuffPost" sollen auch weiterhin bei BurdaForward einen Platz haben Foto: dpa/Matthias Balk
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Nachrichtenportal geht offline Deutsche "Huffington Post" wird eingestellt

Markus Lücker
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Mit meinungsbetonten Artikeln wurde die "Huffington Post" zum wichtigen Faktor unter deutschen Medien. Überraschend soll das Projekt nun aufgegeben werden.

Lange ließ die amerikanische „Huffington Post“ mit immer neuen internationalen Ablegern der Online-Zeitung aufhorchen. „Piraten in Sicht“ schrieb der „Spiegel“ 2013 damals, kurz vor dem Start der deutschen „Huff Post“, wie die Medienmarke seit wenigen Jahre nur noch heißt. Da waren sie: die Freibeuter, bereit, das deutsche Mediensystem mit einem Journalismus zu kapern, der selten mit trockener Recherche und dafür umso häufiger mit Meinung zu tun hatte.

Deutschland war dabei nur weitere Station. Eigene Redaktionen für England sowie den Spanisch und Französisch sprechenden Raum gab es bereits. Weitere Ableger für die Maghreb-Region, über Indien bis nach Japan sollten erst noch folgen – häufig in Zusammenarbeit mit lokalen Zeitungen wie der „Le Monde“ in Frankreich und der „El País“ in Spanien.

Doch in Deutschland ist die „Huff Post“ nun am Ende, wie das als nationaler Partner verantwortliche Unternehmen BurdaForward am Freitag bekannt gab. Der Vermarkter gehört zum Medienkonzern Hubert Burda Media. In einer Pressemitteilung heißt es, die deutsche „Huff Post“ werde zum 31. März 2019 eingestellt. Geschäftsführerin Tanja zu Waldeck erklärte dazu, man sei stolz auf die Entwicklungen der vergangenen fünf Jahre. „Die Deutsche Huff Post hat gezeigt, dass man innerhalb kürzester Zeit ein neues Nachrichtenangebot in die Top 10 führen kann“

Dass die Lizenz für die „Huff Post“ an ein anderes Unternehmen vergeben werden könnte, sei aktuell nicht geplant. Für die 13 von der Schließung betroffenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werde nach Lösungen gesucht, wie sie weiter bei BurdaForward bleiben könnten.

Grund: Andere Unternehmensstrategien

Zu den Gründen für das Aus äußert sich das Unternehmen hingegen nur vage. Der Deutschen Presse-Agentur sagte eine Burda-Sprecherin über das Verhältnis zwischen dem eigenen Haus und dem Mutterkonzern: „Beide Seiten haben in den letzten fünf Jahren intensiv in die „Huff Post“ Deutschland investiert – sowohl mit Mitarbeiterressourcen als auch finanziell.“ Da Burda und die amerikanische „Huff Post“ derzeit „jedoch unterschiedliche Unternehmensstrategien verfolgen, haben wir uns gemeinsam darauf geeinigt, die Partnerschaft zu beenden.“

Der Beschluss über das Ende dürfte dabei nicht ganz so partnerschaftlich gewesen sein, wie es nun dargestellt wird. Erst im Oktober hatte Burda angekündigt, dass die „Huff Post“-Redaktion zum Jahreswechsel von München nach Berlin umziehen soll, um besser über das politische Geschehen sowie Lifestyle-Themen aus der Hauptstadt berichten zu können. Laut Branchendienst „Meedia“ wurde der Umzug auch bereits weitestgehend vollzogen.

Das Medienjournal „Kress“ berichtet derweil unter Bezug auf anonyme Quellen, dass das US-Mutterhaus den deutschen Ableger nur als Randgeschäft betrachtet habe und selbst in finanziellen Schwierigkeiten stecke. So sollen die Amerikaner den Lizenzvertrag vorzeitig gekündigt und von einem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch gemacht haben. Damit hätte Burda den Weiterbetrieb in Deutschland alleine finanzieren müssen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die „Huff Post“ auch wieder aus Projekten zurückzieht. Im Juni 2018 stellte das Medium seine Arbeit in Südafrika nach rund zwei Jahren wieder ein. Der dortige Partner begründete die Entscheidung damit, dass die „Huff Post“ zwar zu den Top 10 der Nachrichtenseiten gehört habe, sich die Werbeeinnahmen jedoch in der Region als Herausforderung herausgestellt hätten. 2017 geriet eine Partnerschaft in Australien unter Druck und führte zu einer drastischen Kürzung des Teams.

Mehr Qualität bei der Mutter-Redaktion

Das Haupthaus in den USA hat in den vergangenen Jahren radikale Änderungen durchgemacht. 2011 verkauften die Gründer um die gut vernetzte Arianna Huffington, die wie keine andere für die Online-Zeitung stand, das Portal an den Medienkonzern AOL. Der wiederum wurde 2015 vom Telekommunikationskonzern Verizon gekauft. 2016 verließ schließlich auch Arianna Huffington selbst das Projekt und kündigte an, sich Start-up-Unternehmen widmen zu wollen.

Lydia Polgreen, die zuvor für die „New York Times“ gearbeitet hatte, übernahm. Sie kürzte nicht nur den Namen des Mediums, sondern auch gleich das Personal. Man trennte sich von zahlreichen Bloggern, die bislang kostenlos für das Portal geschrieben hatten. Die Online-Zeitung wollte sich so weiter professionalisieren, auch weil die Blogger häufig für Falschmeldungen gesorgt hatten.

Beim deutschen Ableger herrschte dagegen lange Stillstand auf der Führungsebene. Seitdem der ehemalige Chefredakteur Sebastian Matthes im Frühjahr 2018 zum „Handelsblatt“ gewechselt hat, ist der Posten neben „Huff Post“-Herausgeber Cherno Jobatey vakant. Eine Neubesetzung wird jetzt nicht mehr nötig sein.

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