Twitter: Vielleicht nicht die allerbeste Art, sich über Vorgänge auf der Welt zu informieren. Foto: AFP
© AFP

Media Lab Nachrichten aus erster Hand, bitte!

Joachim Trebbe

Abkehr von den traditionellen Medien, aber: Soziale Netzwerke sind kein Ersatz für politische Medienberichterstattung.

Politisches Wissen und politisches Interesse sind wichtige Voraussetzungen, um sich an demokratischen Prozessen zu beteiligen, bei politischen Entscheidungen mitzuwirken und an Wahlen teilzunehmen. Politisches Wissen und politisches Interesse wird in Erziehung und Ausbildung geweckt und dann vor allem durch die Nutzung von Nachrichten und politischer Berichterstattung in den Massenmedien aktualisiert und gestärkt.

Die Beobachtung politischer Prozesse durch die Nutzung von Nachrichten ist für die meisten von uns der einzige Weg, auf dem Laufenden zu bleiben, sich eine Meinung zu bilden und eine informierte Wahlentscheidung zu treffen.

 Für viele von uns, vor allem aber für viele jüngere Menschen ersetzen geteilte Inhalte, Links und Empfehlungen in den sozialen Netzwerken zunehmend die selbständige und aktive Nutzung journalistischer Nachrichten und politischer Berichterstattung.

Die (politische) Umweltbeobachtung wird zunehmend durch die Wahrnehmung eines stetig vorüberziehenden Flusses von Neuigkeiten aus den sozialen Netzwerken und den digitalen Freundeskreisen ersetzt. Kommunikationswissenschaftler sprechen vom NFM („News Finds Me“)-Phänomen, wenn Menschen sich als umfassend und aktuell informiert wahrnehmen –ohne sich selbst aus erster Hand und aktiv zu informieren – alles, was wichtig ist, wird schon irgendwann in meiner Chronik auftauchen.

 Homero Gil de Zúñiga (Universität Wien) und Trevor Diehl (Central Michigan University) haben in einer für die vereinigten Staaten repräsentativen Studie mit mehr als 1000 Befragten untersucht, welche Folgen diese Veränderung des politischen Informationsverhaltens hat.

Sie konnten zeigen, dass durch die Abkehr von den traditionellen Medien das politische Interesse sinkt, das politische Wissen abnimmt und in der Folge auch die Wahrscheinlichkeit zurückgeht, sich an den Wahlen zu beteiligen.

Das sind aus demokratietheoretischer Sicht klare Warnsignale. Wir sollten uns die Information und Meinungsbildung über politische Fragen nicht von Algorithmen, geteilten Neuigkeiten und digitale Freundeskreise aus der Hand nehmen lassen – machen wir uns selbst ein Bild!

Zur Startseite