Frei heraus. Auch Mobbing in sozialen Netzwerken führt zu Polarisierung. Foto: imago images/photothek
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MEDIA Lab Die Treiber-Frage

Joachim Trebbe

Unser Autor fragt sich mit neuen Studien, inwiefern Facebook, Twitter & Co. Plattformen für extreme und hasserfüllte Ansichten sind.

In der medialen Debatte wird den Sozialen Medien häufig die Verantwortung für eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft zugewiesen. Facebook und Twitter gelten landläufig als Plattformen für extreme, eskalierende und hasserfüllte Auseinandersetzungen zwischen Nutzern mit extremen politischen Ansichten.

In der wissenschaftlichen Diskussion ist diese eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung dagegen keine ausgemachte Sache. Auch für die gegenläufige Kausalitätsbeziehung gibt es gute Argumente und wissenschaftliche Forschungsergebnisse. Danach tendieren diejenigen, die eher extreme, polarisierende politische Standpunkte vertreten zu einer vermehrten und intensiveren Nutzung der digitalen Netzwerkmedien.

Maria Nordbrandt von der Universität Uppsala (Schweden) hat diese Frage anhand repräsentativer Befragungsdaten aus den Niederlanden untersucht. Dafür wurden zwischen 2014 und 2020 mehrmals die gleichen 3581 Personen nach ihrer Sympathie für die politischen Parteien befragt. Personen, die dabei große Unterschiede zwischen den Parteien machten, galten als stärker polarisiert als Personen mit moderaten Schwankungen im Bewertungsspektrum. Außerdem wurden die Befragten nach der Häufigkeit der Nutzung sozialer Medien gefragt.

Die Ergebnisse sind interessant und nach den Worten der Autorin, eine „gute Nachricht“ für die Demokratie. Insgesamt zeigt sich zwischen der Nutzung der sozialen Medien und dem individuellen Grad der Polarisierung nur ein schwacher Zusammenhang.

Für die kausale Hypothese, dass die sozialen Medien zur Polarisierung beitragen, fanden sich in ihren Daten überhaupt gar keine Hinweise. Nach Nordbrandt sind Soziale Medien keine Treiber der individuellen Polarisierung.

Für die Gegenrichtung sind die Ergebnisse deutlicher, aber uneinheitlich. So wurde etwa Facebook häufiger genutzt, wenn vorher die Polarisierung zunahm, während die Nutzung von Twitter eher eingeschränkt wurde. Beide Effekte traten nur bei Personen auf, die kaum oder eher selten in den sozialen Netzwerken unterwegs waren. Das lässt noch eine Menge Raum für Spekulationen. Und für Forschung!

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