Nena Schink hat einen Selbstversuch als Instagram-Influencerin gemacht. Foto: Moritz Thau
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Influencerin als Selbstversuch „Der Mechanismus von Instagram machte mich abhängig von der Aufmerksamkeit anderer“

Nena Schink schreibt, dass sie mit 26 dünnhäutiger war als mit 16. Weil es damals noch kein Instagram gab. Ein Gespräch über die Gefahren der Plattform.

Nena Schink ist Wirtschaftsjournalistin und hat in einem Selbstversuch versucht, Instagram-Influencerin zu werden. Ihr Buch "Unfollow: Wie Instagram unser Leben zerstört" erscheint am 7. Februar.

Am Freitag ist Ihr Buch „Unfollow: Wie Instagram unser Leben zerstört“ erschienen. Warum ist die Social Media App so gefährlich?
Sie kann zu Depressionen und Selbstzweifeln führen. Und natürlich zu Essstörungen. Es gibt sogar Studien, die das belegen. Die Plattform macht vor allem junge Frauen unsicher, weil sie dort einem Schönheitsdruck ausgesetzt sind.

Frauen haben sich schon immer mit anderen Frauen verglichen. Was ändert Instagram daran?
Die App hat diese Neigung verschlimmert. Auf Instagram konkurrieren wir nicht mit der Realität, sondern mit einer digitalen Lüge. Mit perfekten Frauen, die es so gar nicht gibt. Es gibt zum Beispiel kein Bild von mir auf Instagram, wo ich meine Zähne nicht durch Bildbearbeitung weißer gemacht habe.

Sie haben 2017 einen Selbstversuch gemacht, um zu schauen, wie schnell man Influencerin werden kann. Nach drei Monaten war für Sie das Experiment beendet, weil Sie etwa 5000 Follower hatten und Ihnen durch eine erste Kooperation eine 700 Euro teure Handtasche geschenkt wurde. Wann war der Moment, an dem Sie gemerkt haben, dass Influencersein Ihnen nicht guttut?
Als Freunde und Familie mich darauf aufmerksam machten, dass ich mich auf der Plattform verstelle und blamiere. Außerdem habe ich mein Leben nicht mehr in der Realität gelebt, sondern besondere Momente nur noch für Instagram-Aufnahmen genutzt. Ich war zum Beispiel mal mit meinem Freund in einem sehr besonderen Hotel, dem Hotel Castell Son Claret auf Mallorca, beim Essen. Statt mich mit ihm zu unterhalten, war ich damit beschäftigt, die Likes unter meinem Bild zu zählen. Und ich hatte schlechte Laune, weil ich nach 30 Minuten noch keine hundert Likes hatte.


Es gibt Studien, die sagen, dass Social Media Apps süchtiger machen als Alkohol und Zigaretten zusammen, weil Likes Endorphine freisetzen. Noch dazu sinken Followerzahlen schon, wenn Influencer einen Tag lang nichts posten.
Ich habe nach jedem Post mindestens eine Stunde lang mein Handy gecheckt, bis ich die Schwelle von 150 Likes überschritten hatte. Damals fiel mir auch gar nicht auf, dass ich den ganzen Tag nicht richtig abschalten konnte, quasi immer online war. Aber jetzt, wo ich meine Instagram-Zeit ganz bewusst auf 30 Minuten am Tag begrenze, merke ich, dass meine Konzentration viel höher ist. Ich habe auch mein Profil auf privat gestellt, damit ich kontrollieren kann, wer meine Inhalte sieht, und möchte für mich bald einen handyfreien Sonntag einführen. Ich glaube, es würde uns allen guttun, einen Tag pro Woche aufs Handy verzichten.

Sie schreiben, dass sie mit 26 Jahren dünnhäutiger waren als mit 16. Weil es damals noch kein Instagram gab?
Ich glaube schon. Mit 16 war ich in einer Modelagentur und wurde dort genauso hart für mein Aussehen bewertet wie jetzt auf Instagram. Aber damals hatte ich vielleicht alle zwei Wochen einen Modeltermin. Auf Instagram war ich beim Selbstversuch jeden Tag der Kritik von außen ausgesetzt. Das hat mich viel mehr mitgenommen.

Dieser Mechanismus machte mich abhängig von der Aufmerksamkeit anderer. Instagram ist für mich der verlängerte Arm der Modelwelt, nur schlimmer. Man ist dort in Dauerkonkurrenz und sieht immer, wie viel Follower und Likes die anderen haben. Ich hätte lieber, dass meine kleine Schwester in eine Modelagentur geht, statt Instagram-Influencerin zu werden.

Sex sells. Sie haben während Ihres Selbstversuches auch freizügige Bilder hochgeladen. Inzwischen haben Sie diese Bilder gelöscht.
Ich habe sie gepostet, weil ich wusste, dass es funktioniert. Aber es war selten dämlich von mir, als Wirtschaftsjournalistin ein Bild von mir im Bikini auf einer Wassermelone hochzuladen. Inzwischen finde ich generell, dass solche Bilder nichts in sozialen Medien zu suchen haben.

In Ihrem Buch kritisieren Sie Selbstdarstellung auf Instagram, dabei stellen Sie sich in ihrem Buch dauerhaft selbst da. Wie passt das zusammen?
Das stimmt. Die Hälfte meines Buches ist reine Selbstdarstellung. Ich habe es gemacht, weil mir kein besserer Weg eingefallen ist, dieses Thema interessant darzustellen. Es ist für mich Mittel zum Zweck um Frauen zu zeigen, wie gefährlich Instagram sein kann.

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