Wiedersehen im Knast: Inkasso-Heinzi (Simon Schwarz) und „Bibi-Puppi“ Fellner (Adele Neuhauser). Foto: dpa
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Immerhin die Rückkehr von Inkasso Heinzi Verwickelter "Tatort" aus Wien

Zwei Frauen und ein arroganter Anwalt ermordet: Bibi Fellner und Moritz Eisner ermitteln im wendungsreichen Krimi

Auch wenn sich dieser „Tatort“ aus Österreich buchstäblich etwas verzettelt, ein freudiges Ereignis gibt es in der Folge „Alles was Recht ist“ auf jeden Fall zu feiern: die Rückkehr von Inkasso Heinzi, dem von Simon Schwarz so unnachahmlich gespielten Wiener Klein-Ganoven und speziellen Freund von Kommissarin Bibi Fellner (Adele Neuhauser). „Endlich zu Hause“, freut sich Inkasso-Heinzi, als er lächelnd nach seiner Verlegung aus dem Gefangenentransporter steigt.

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Allerdings freut sich auch die serbische Mafia über seine Rückkehr, denn mit der hatte er sich vor knapp vier Jahren angelegt. Und so sitzt Inkasso Heinzi etwas lädiert im Besuchsraum des Wiener „Häfn“ (österr.: Gefängnis) vor seiner alten Freundin und bittet „Bibi-Puppi“ um Unterstützung im Händel mit Mafia-Patin Maria Garvic (Ines Miro). Übrigens wird in dieser Folge enthüllt, warum die ehemals bei der Sitte beschäftigte Kommissarin derart eisern zu dem doch etwas windigen Heinz Stepanik alias Inkasso-Heinzi hält. Und das erweicht sogar das Herz des eifersüchtigen Kollegen Moritz Eisner (Harald Krassnitzer).

[„Tatort – Alles was Recht ist“, ARD, Sonntag, 20 Uhr 15]

Auf verschlungenen Wegen hat die Nebenhandlung mit der illustren Nebenfigur auch etwas mit dem aktuellen Fall zu tun. Stefan Weingartner (Johannes Zeiler), ein überaus korrekter, katholisch-konservativer Familienvater und Finanzbeamter, wird von einer Magenverstimmung vorzeitig nach Hause getrieben, wo er im Affekt seiner freimütig über eine Sex-Affäre plaudernden Ehefrau und deren Freundin die Kehle durchschneidet. Weingartner ruft danach selbst die Polizei und gibt Eisner und Fellner noch am Tatort mit ruhiger Stimme detailliert Auskunft, während er blutverschmiert auf dem Sofa sitzt, den Kopf der auf die Seite gekippten, toten Gattin im Schoß.

Angesichts der furchtbaren Stille und gemäldehaften Regungslosigkeit der Figuren liefert Regisseur Gerald Liegel („Schnell ermittelt“, „Soko Kitzbühel“) in dieser Szene die eindringlichsten Bilder des Films. Kurz darauf folgt die erstaunlichste Wendung: Weingartner kommt trotz der eindeutigen Beweislage frei. Ein Gutachter hatte ihm vor Gericht Schuldunfähigkeit attestiert, und die Geschworenen mochten ihn deshalb nicht wegen „vorsätzlichen Mordes“ schuldig sprechen. Ein Fehler der Staatsanwaltschaft, die den Vorwurf einer „Körperverletzung mit Todesfolge“ nicht ebenfalls in die Anklage aufnahm. Ob die überraschende Volte des Drehbuchs (Robert Buchschwentner, Karin Lomot) juristisch hieb- und stichfest ist, sei dahin gestellt.

Arroganter Anwalt

Jedenfalls lenkt dies die Handlung in unerwartete Bahnen. Eisner und Fellner machen für den Freispruch den arroganten Erfolgsanwalt Thomas Hafner (Julian Loidl) verantwortlich, der Weingartner empfohlen worden war – von Inkasso-Heinzi. „Leute wie dieser Hafner gehören aus dem Verkehr gezogen, alles was Recht ist“, mosert Eisner. Und als hätte er das Unheil heraufbeschworen, wird der Anwalt bald darauf, von einer Kugel getroffen, mausetot an seinem Schreibtisch gefunden.

So wird aus einem anfangs eindeutigen Fall eine verwickelte Angelegenheit. Eisner, Fellner und Meret Schande (Christina Scherrer), die Nummer drei im Team, debattieren deshalb häufig über den Stand der Dinge. Die häufigen Erklär-Passagen gehen auf Kosten der Spannung, sind aber zum einen wohl notwendig, damit das Publikum nicht den Überblick verliert. Zum anderen bieten sie die Gelegenheit, die Neue im Team etwas stärker miteinzubeziehen. Ganz einfach ist das nicht, denn auf Augenhöhe mit den durch eine lange Freundschaft verbundenen Altvorderen Eisner und Fellner befindet sich die junge Kommissarin Meret Schande noch nicht. Viel ist den Autorinnen und Autoren zu dieser Figur, die das beim Publikum zu Recht beliebte Wiener „Tatort“-Team auffrischen soll, jedenfalls noch nicht eingefallen.

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