Journalist:innen umringen den FDP-Vorsitzenden Christian Lindner. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
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Handbuch der Neuen deutschen Medienmacher:innen 30-Prozent-Quote für Journalist:innen aus Einwandererfamilien gefordert

In den Redaktionen arbeiten noch immer hauptsächlich weiße Deutsche. Eine Guide der Neuen deutschen Medienmacher:innen soll Veränderungen voranbringen.

Bei den Neuen deutschen Medienmacher:innen (NdM) herrscht Aufbruchstimmung, als sie ihr „Handbuch für Diversität“ am Mittwoch über Zoom vorstellen. „Das Klima für mehr Vielfalt ist so gut wie nie zuvor”, sagt Konstantina Vassiliou-Enz, NdM-Geschäftsführerin und Autorin des Buches. Der Guide erklärt, warum Diversität Chef:innensache ist und wie mehr Vielfalt im Redaktionsalltag Einzug erhalten kann.

Die Neuen deutschen Medienmacher:innen verstehen sich als Interessenvertretung für Journalist:innen of Color und Medienschaffende mit Einwanderungsgeschichte. Der Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung scheint gut gewählt zu sein. Diversere Blickwinkel werden überall gefordert, heteronormative Perspektiven zunehmend kritisiert.

Der Verein fand in Interviews heraus, dass die Mehrheit der Chefredakteur:innen mehr Diversität in ihren Redaktionen ansteuert, aber oft nicht wisse, was genau getan werden müsse, um diese zu erreichen. „Aber wir wissen das“, sagt Vassiliou-Enz.

Sie wollen aber keine Tipps für die Verkäuflichkeit von Diversität geben. Unternehmenswebsites mit gespielter Diversität und Slogans wie „Synergie durch Vielfalt“ sind bekannt, aber nicht das erklärte Ziel. „Wir sind kein Autokonzern“, sagt Konstantina Vassiliou-Enz. Vielmehr g eht es um Repräsentanz und demokratische Teilhabe.

In Deutschland haben rund 40 Prozent der Jugendlichen einen Migrationshintergrund, trotzdem arbeiten in den Redaktionen noch immer hauptsächlich weiße Deutsche. Vassiliou-Enz lädt zu einem Gedankenexperiment ein: „Man könnte sich das ungefähr wie eine Feuilleton-Debatte über vermeintlich gecancelte weiße Männer vorstellen - es würden aber durchgängig schwarze Frauen darüber schreiben. Reihenweise. Das wäre komisch, oder?“

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So ungefähr wirke die deutsche Medienberichterstattung auf Menschen aus Einwandererfamilien und auf People of Color. Damit sich das ändert, fordern die Medienmacher:innen eine 30-Prozent-Quote für Journalist:innen aus Einwandererfamilien und Medienschaffende of Color.

Je vielfältiger die Redaktion, desto vielfältiger die Inhalte, die sie produziert

„Journalismus prägt den öffentlichen Diskurs, wir sind zur Meinungsbildung da“, sagt Vassiliou-Enz. Je homogener die Redaktionen sind, desto schwieriger sei es, vielfältige Perspektiven einzubringen und vorurteilsfrei zu berichten. Ihr Plädoyer scheint einleuchtend. Von Vielfalt haben alle was: Die Konsument:innen, weil sie Themen finden, die sie interessieren, die Redaktionen, weil sie ein größeres Publikum ansprechen, und angehende Journalist:innen, weil ihre Perspektiven gebraucht werden.

Die Neuen deutschen Medienmacher:innen koppeln eine Bedingung an den Erhalt des Handbuchs. Sie stellen es Medienhäusern erst zur Verfügung, nachdem die Chefredaktion oder Intendanz ihnen eine Stunde Zeit eingeräumt hat, in der sie erklären, warum Diversität Chef:innensache ist. Kaufen kann man es nicht. Die Neuen deutschen Medienmacher:innen wissen, dass sie gerade dringend gebraucht werden.

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