Ob als gedruckte Zeitung oder als E-Paper: Das Vertrauen der Deutschen in Regionalzeitungen ist in der Corona-Pandemie gewachsen. Soeren Stache/dpa
© Soeren Stache/dpa

Glaubwürdigkeit der Medien Vertrauen nimmt in Corona-Pandemie zu

Christoph Arens

Die Glaubwürdigkeit der etablierten Medien hat während der Corona-Pandemie zugenommen. Das bestätigt eine weitere Langzeitstudie.

Im Gegensatz zum Vertrauen in die Politik nimmt das Vertrauen der Bundesbürger in die Medien während der Corona-Krise weiterhin zu. Das zeigen die Ergebnisse der Langzeitstudie „Medienvertrauen“, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Die Studie wurde am Institut für Publizistik der Universität Mainz und am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Düsseldorf durchgeführt, die Befragungen fanden im November und Dezember 2020 statt.

Damit setzt sich ein Trend fort, der sich bereits nach den ersten Monaten der Corona-Pandemie gezeigt hatte. Bei einer repräsentativen Studie von Infratest dimap von Oktober 2020 hatte die Glaubwürdigkeit von Medien im Vergleich zu Vorgängerstudien einen neuen Höchststand erreicht – insbesondere gegenüber dem Jahr 2015, als das Vertrauen in die Medien durch die Berichterstattung über die Flüchtlingskrise drastisch gesunken war.

Trotz dieses Trends geben sich die Autoren der aktuellen Langzeitstudio in der Bewertung ihrer Ergebnisse zurückhaltend. Ob es sich dabei um ein nachhaltiges Vertrauensplus handele, müsse sich erst noch zeigen, schreiben die Wissenschaftler. Es sei möglich, dass sich die Stimmung in den folgenden Wochen erneut verändert habe, parallel zur wachsenden Unzufriedenheit mit dem politischen Krisenmanagement. Befragt wurden 1207 Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren.

[Wenn Sie alle aktuellen Entwicklungen zur Coronavirus-Pandemie live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können ]

Am Ende des Jahres 2020 stimmten laut Studie 56 Prozent der Befragten der Aussage zu: „Wenn es um wirklich wichtige Dinge geht – etwa Umweltprobleme, Gesundheitsgefahren, politische Skandale und Krisen -, kann man den Medien vertrauen.“ In den Vorjahren lag dieser Wert zwischen 41 und 44 Prozent, 2015 sogar nur bei 28 Prozent. Nur 16 Prozent der Deutschen sagten, man könne den Medien „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ vertrauen, 28 Prozent äußerten sich ambivalent („teils, teils“).
Gesunken ist der Anteil an Menschen, die extrem kritisch bis feindselig auf die etablierten Medien blicken: Insgesamt bejahten elf Prozent die Aussage, dass die Bevölkerung von den Medien systematisch belogen werde. In den Vorjahren lag die Zustimmung zwischen 13 und 19 Prozent. Zwei Drittel weisen den „Lügenpresse“-Vorwurf in der neuen Befragung zurück – dies ist der bisher höchste gemessene Wert in der Langzeitstudie.

Zwei Drittel vertrauen Regionalzeitungen

Mit Blick auf die Mediengattungen ist das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit 70 Prozent am größten (Vorjahre zwischen 65 und 72 Prozent). Danach folgen Regionalzeitungen – diesen vertrauen rund zwei Drittel der Deutschen (Vorjahre: 63 bis 65 Prozent). Überregionalen Tageszeitungen vertrauen 56 Prozent (Vorjahre: 49 bis 55 Prozent). Das private Fernsehen mit 23 Prozent und Boulevardzeitungen mit sieben Prozent werden auch in der Corona-Krise nicht als besonders vertrauenswürdige Medien wahrgenommen. Gleiches gilt für Social-Media-Angebote. Nur fünf Prozent der Befragten vertrauen Nachrichten auf sozialen Netzwerken (Vorjahre: drei bis zehn Prozent). Nachrichten auf Videoportalen finden zehn Prozent vertrauenswürdig (Vorjahre: vier bis acht Prozent).

Die Entwicklung des Vertrauens in die Medien seit 2015. Grafik: Ben Bolte/dpa Vergrößern
Die Entwicklung des Vertrauens in die Medien seit 2015. © Grafik: Ben Bolte/dpa

Für die im Oktober 2020 publizierte Studie von Infratest dimap waren zwischen Ende September bis Anfang Oktober 1001 Teilnehmer befragt worden. Insgesamt hielten 67 Prozent der deutschen Bevölkerung die Informationen in den etablierten deutschen Medien für glaubwürdig. Gegenüber der Vorgängerstudie von 2019 entspracht das einem Plus von sechs Prozentpunkten, gegenüber der Studio von 2015 sogar um 15 Prozentpunkte.

Die Ergebnisse der Befragung von 2020 bewerteten die Corona-Berichterstattung der Medien sogar noch etwas besser als die Glaubwürdigkeit insgesamt: 82 Prozent der Befragten benoteten sie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen als gut oder sehr gut, 74 Prozent die im öffentlich-rechtlichen Radio. Auch die Berichterstattung von Tageszeitungen (68 Prozent) und in den Internetangeboten der Öffentlich-Rechtlichen (56 Prozent) schnitten überwiegend positiv ab.

Schlechte Noten gab es auch 2020 für die sozialen Netzwerke. Besonders Twitter, Facebook und Instagram wurden als wenig glaubwürdig erachtet. Youtube schnitte erheblich besser ab. Möglicherweise verdankt das Netzwerk dies dem Rezo-Effekt: Sein Clip über „Die Zerstörung der CDU“ war ein Jahr zuvor das erfolgreichste Youtube-Video. (mit KNA)

Zur Startseite