Polarlicht am Kap Adara. Im Sommer wird es hier niemals dunkel. Foto: Greenstone TV
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Dokumentarfilm "Antarktika" Ein Paradies ist bedroht

Der Arte-Dokumentarfilm „Antarktika“ zeigt in einem atemraubenden Panorama eine der letzten intakten Eiswelten - die aber gefährdet ist.

Es sind faszinierende Bilder eines abgelegenen Paradieses. Die Kamera gleitet an hohen schneeweißen Eisschollen entlang, die senkrecht aus dem dunkelblauen Wasser emporragen. Die Sonne scheint darüber, Schnee und Eis glitzern. Alles wirkt friedlich und naturbelassen. Immer neue Eisberge sind zu sehen, Riesen aus Eis. Es sind Aufnahmen, die dem Betrachter Respekt abverlangen. Diese Naturgewalt, diese Schönheit.

Zugleich wartet der 90-minütige Dokumentarfilm „Antarktika“ von Tuan Lam mit einem stark kontrastierenden Off-Kommentar auf. „Antarktika ist die letzte Bastion, in der sich die Natur gegen die Herrschaft des Menschen auflehnt: Bis heute wenig erforscht.“ Oder: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch dieses Gebiet kollabiert.“ Es ist die Narration aus dem Off, die – während die Bilder durch die einzigartige Schönheit von Flora und Fauna, durch Tieraufnahmen über und unter Wasser bestechen – eine Schwere erzeugt, der einzig und allein nur Nachdenklichkeit folgen kann.

[„Antarktika, Arte, Samstag, 20 Uhr 15]

Der Dokumentarfilm macht unmissverständlich klar, dass es langfristig auch um Antarktika, deren Artenvielfalt bis heute vom Menschen gerade einmal zu zwei Prozent erschlossen ist, schlecht bestellt ist. Die globale Erwärmung sorgt dafür, dass das ewige Eis am Südpol schmilzt. Die steigenden Temperaturen fressen sich hier in den Panzer der Eisberge und Eisschollen. Zugleich schwindet damit die Lebensgrundlage der Tierwelt. Und diese Tierwelt, die so vielfältig und facettenreich ist, zeigt der Film: So befindet sich hier etwa die weltgrößte Kolonie an Adelie-Pinguinen, mit einer Schar von etwa einer Viertelmillion Tieren. Die Kamera kommt ihnen in einigen Aufnahmen sehr nahe, zeigt ihr Sozialverhalten untereinander, zeigt, welchen Bedrohungen sie ausgesetzt sind. In anderen Aufnahmen fliegt sie über die unendlich wirkenden Pinguin-Ansammlungen, die weiter als das Auge reichen. Wale sind hier ebenso zu Hause wie Albatrosse, Robben ebenso wie Fischschwärme und Krebse. Es ist ein Gefüge, das lange Zeit intakt war und die Nahrungsketten sicherte.

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Die Antarktika, so heißt es weiter, halte das Weltklima im Gleichgewicht. Doch inzwischen sei dieses Gleichgewicht nicht mehr vorhanden. Die Balance stimme nicht mehr. Die Konsequenzen sind global fatal.

Es ist nicht nur das Eis, das schmilzt, es sind Arten, die aussterben, während sich andere neu ausbreiten, die wiederum Bakterien und Viren mitbringen könnten, eine Gefahr für die Spezies Mensch. Dann folgt schließlich wieder einer dieser Sätze aus dem Off-Kommentar, die nichts anderes als zutiefst deprimieren können: „Schmilzt der Eisschild Antarktikas vollständig, steigt der globale Meeresspiegel um etwa 60 Meter.“

Entdeckung des weißen Kontinents

Parallel zur ökologischen Perspektive erzählt die deutsch-neuseeländische Co-Produktion „Antarktika“ zugleich die Geschichte der Entdeckung des weißen Kontinents, der kalten Welt, die früher einmal, vor Millionen von Jahren, den Superkontinent Gondwana bildete, sich dann abspaltete und zum Südpol wanderte. Dabei geht die Retrospektive auch in die jüngere Vergangenheit Antarktikas zurück, um 180 Jahre, zum englischen Entdecker und Seefahrer James Clark Ross, der 1841 auf seiner vierjährigen Reise, die er zwischen 1839 und 1843 unternahm, das Kap Adare entdeckt, den Eingang in das Ross-Meer, werden frühe Bewegtbilder späterer Expeditionen ins ewige Eis montiert, wird die Biografie dieses Kontinents historisch umrissen.

Das Fazit von Tuan Lams sehenswertem Dokumentarfilm „Antarktika“ ist, weitergedacht, letztlich verheerend: „Das Naturgefüge ist aus der Bahn geraten.“ Dadurch entzieht sich der Mensch seine eigene Lebensgrundlage. Er zerstört sich selbst.Thilo Wydra

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