Großraum der kurzen Wege: Der crossmediale Newsroom versorgt die verschiedenen Mediengattungen des RBB mit Nachrichten. Foto: Claudius Pflug/RBB
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Digitaler, regionaler RBB verpasst Nachrichten eine neue Struktur

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg startet ein neues Crossmediales Newscenter. In vier Jahren folgt das Digitale Medienhaus.

Einige Räumlichkeiten des neuen Nachrichtenzentrums des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) – des Crossmedialen Newscenters CNC – fallen besonders ins Auge. Da ist der kleine stylische Raum in der siebten Etage des RBB-Fernsehzentrums mit seiner Urwald-Fototapete, den runden Sitzelementen und den von der Decke hängenden Kinderschaukeln. Hier können die Mitarbeiter – das CNC ist auf zwei Etagen für 170 Arbeitsplätze ausgelegt – Pause machen oder sich spontan zu kurzen Gesprächen treffen.

Für die Planung und Produktion der Nachrichten und die Arbeit der Redaktionen erheblich bedeutsamer ist freilich der mit 400 Quadratmetern größte Raum des Newscenters. Trotz seiner Größe ist dies der Raum der kurzen Wege. Hier sitzt die Newsroom-Chefin nur ein paar Meter vom Chef vom Dienst, auf der anderen Seite des Mittelganges laufen am Tempo-Desk sämtliche regionalen Nachrichten ein, die später über Radio, Fernsehen, RBB24 Digital oder Social Media ihren Weg zu den Zuschauern, Hörern und Nutzern des öffentlich-rechtlichen Senders finden. Auch die Koordination mit den Außenstandorten und regionalen Korrespondenten erfolgt von hier.

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Was dies für die Arbeit eines Nachrichtenmediums bedeutet, zeigte sich vor zwei Wochen bei der Amokfahrt vom Breitscheidplatz, bei der eine Frau getötet und viele weitere Personen zum Teil schwer verletzt wurden. „Wir konnten im CNC ganz anders agieren als früher“, sagte RBB-Chefredakteur David Biesinger am Montag bei der öffentlichen Vorstellung des Newscenters. Absprachen erfolgten per Zuruf, das CNC erlaubte eine Koordination für die verschiedenen Mediengattungen aus einem Guss. „Eigentlich war für solche Fälle eine Übung im Sommer geplant. Doch dann kam die Amokfahrt dazwischen und wir haben heiß geübt“, sagte Biesinger.

Ein weiterer Vorteil ist das hochmoderne Nachrichtenstudio, das sich gleich neben dem Newsroom befindet und innerhalb der ARD seinesgleichen sucht. Neben dem Moderator oder der Moderatorin befindet sich darin nur ein Kameraroboter, die technischen Abläufe sind weitestgehend automatisiert, so dass in der Regie statt sechs nur zwei Mitarbeiter benötigt werden. Dabei ist Kostenreduktion nicht das Hauptanliegen, sondern die Steigerung von Effizienz und Tempo und die Umschichtung der Mittel für die neuen Aufgaben im Digitalen.

In wenigen Minuten auf Sendung

Beim Amoklauf vom Tauentzien konnte das Studio jedenfalls innerhalb weniger Minuten hochgefahren werden. Und wenn nötig kann der Moderator des Nachts das Studio sogar im „Einhandbetrieb“ selber fahren, wie Technikchef Wolfgang Hanke erläuterte. Seit Anfang Juni entstehen im CNC zudem die stündlichen Nacht-Nachrichten für die sechs RBB-Radiowellen.

Das Newscenter hat seine Arbeit bereits vor einigen Monaten aufgenommen, noch befindet man sich jedoch in der Lernphase. Entsprechend finden sich überall Zettel, welche Aufgaben an den einzelnen Arbeitsplätzen erledigt werden. Die Mitarbeiter selbst hingegen rotieren zwischen ihren Stammredaktionen und dem CNC, so soll verhindert werden, dass sich das Newscenter zu einem Satelliten entwickelt, der vom Rest des Hauses abgekoppelt ist, wie RBB-Programmchef Jan Schulte-Kellinghaus sagte.

Auf den Zetteln steht jedenfalls rechts oben „CNC 1.0“. Und das mit gutem Grund, denn nach derzeitigen Planungen soll im Jahr 2026 das Digitale Medienhaus seinen Betrieb aufnehmen. Das derzeitige CNC ist somit ein Vorläufer, mit dem bereits viele Bereiche des RBB mit Nachrichten versorgt werden. Noch sind nämlich die beiden wichtigsten Marken des Senders – die „Abendschau“ und „Brandenburg aktuell“ – nicht dabei.

Für die Redaktionen ist jedoch bereits CNC 1.0 eine Herausforderung, die nicht alle Mitarbeiter glücklich stimmt. Die Beschäftigten, die im CNC die Nachrichten organisieren, fehlen nun vor Ort, denn mehr Mitarbeiter wurden nicht eingestellt, wird beklagt. Zudem besteht die Sorge, dass die Themenentwicklung zu stark zentralisiert wird.

Die Kosten für sämtliche technischen Einrichtungen des CNC haben sich übrigens auf vier Millionen Euro belaufen, insgesamt kostete der Aufbau des Nachrichtencenters 13 Millionen Euro. Wie teuer das Digitale Medienhaus wird, lässt sich indes erst nach Abschluss der genauen Planung Mitte nächsten Jahres sagen.

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