Gelungene Streaming-Ablenkung von der Pandemie: Kate Winslet in der Sky-Serie „Mare of Easttown“. Foto: HBO
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Die Medien im Umbruch Freud und Leid

Rückblick und Ausblick: Streaming treibt die Umsätze beim Pay-TV. Keine Entwarnung in der Zeitungsbranche.

Jede Krise kennt ihre Gewinner. Die Corona-Krise hat jedenfalls die Umsätze beim Streaming-TV 2020 weiter und deutlich ansteigen lassen – wer ans eigene Zuhause gefesselt war, der brauchte Angebote zu Zeitvertreib und Eskapismus.

Die Branche aus Streaming und Pay-TV setzte im vergangenen Jahr in Deutschland insgesamt 4,2 Milliarden Euro um, wie der Privatsenderverband Vaunet am Dienstag in Berlin mitteilte. 2019 hatten die Umsätze noch bei 3,8 Milliarden Euro gelegen. Vaunet-Geschäftsführer Frank Giersberg rechnet auch für 2021 mit weiterem, wenn auch moderaterem Wachstum, auf dann 4,5 Milliarden Euro. Was für eine Entwicklung: 2015 hatte der Umsatz noch bei 2,5 Milliarden Euro gelegen.

Wachstumstreiber 2020 war laut Verband allein das Geschäft mit digitalen Streamingangeboten à la Netflix. Beim Pay-TV gab es zwar einen Rückgang auf 2,1 Milliarden Euro (2019: 2,3 Milliarden Euro), dennoch bleibt das klassische Bezahlfernsehen umsatzstärkstes Einzelsegment der Branche. Elke Waltheim von Sky Deutschland sagte, „einzigartige Inhalte sind so nachgefragt wie nie und die Bereitschaft, für guten Content Geld auszugeben, steigt.“

Abos treiben den Streaming-Markt

Auf dem deutschen Streamingmarkt ist den Angaben zufolge das Geschäft mit Abonnements, wie sie etwa bei Netflix abgeschlossen werden müssen, das stärkste Segment: Mit dem sogenannten Subscription-Video-on-Demand (SVoD) wurde 2020 demnach einen Gesamtumsatz von 1,6 Milliarden Euro erzielt (2019: 1,2 Milliarden Euro). Für 2021 werden 1,8 Milliarden Euro erwartet. Im Corona-Jahr 2020 habe der Markt für Streaming pandemiebedingt einen Schub erhalten, dennoch sei nun kein Rückgang zu beobachten, und die Nutzungszahlen blieben weiter auf hohem Niveau, sagte Henning Nieslony, Co-Geschäftsführer der RTL-Streamingplattform TV Now.

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Die Zahl der Streaming-Abonnenten lag 2020 bei deutschlandweit 17,5 Millionen und soll laut Vaunet-Prognose im laufenden Jahr erstmals die Marke von 20 Millionen überschreiten. Im Durchschnitt habe ein deutscher Haushalt inzwischen rund zwei Streaming-Abos abgeschlossen, sagte Nicole Agudo Berbel, Geschäftsführerin der ProSiebenSat-1-Tochterfirma Seven.One Entertainment Group.

Die Zahl der Pay-TV-Abonnenten blieb 2020 mit rund acht Millionen stabil. Im Jahresdurchschnitt seien damit durchschnittlich 17,4 Millionen Zuschauer pro Monat erreicht worden, eine Steigerung von 200 000 Personen gegenüber 2019.

Zeitungen: Weniger Anzeigen, stabiler Vertrieb

Der Blick zurück auf das Jahr 2020 sieht für die Zeitungsbranche weniger erfreulich aus. Durch Corona verloren die deutschen Zeitungen ein Sechstel ihres Umsatzes mit Anzeigen und Werbung, hatte der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) ermittelt. Konkret verbuchte die Branche ein Minus von 16,9 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro, das zumindest teilweise durch höhere Vertriebserlöse (plus 4,1 Prozent auf 5,17 Milliarden Euro) insbesondere im E-Paper-Bereich ausgeglichen wurde. Unterm Strich blieb bei einem Gesamtumsatz von 6,99 Milliarden Euro ein leichtes Minus von 2,3 Prozent. Anzeigen und Werbung machen somit nur noch 26 Prozent der Einnahmen aus.

Eine Umfrage des BDZV über die wirtschaftliche Lage im ersten Quartal 2021 ergab, dass sich dieser Trend zumindest am Anfang des Jahres fortgesetzt hat: Die Anzeigen bleiben rückläufig, die Vertriebserlöse steigen leicht. Für das zweite Quartal wird mit einer ähnlichen Entwicklung gerechnet. Durch den Zusammenbruch der Anzeigen- und Werbemärkte nach dem Beginn der Pandemie im März/April 2020 ist ein Vergleich allerdings schwierig. Zudem gibt es auch positive Signale aus der Branche. Vor allem in den Bereichen Lebensmittel, Möbel und Regionaler Handel zögen die Anzeigenumsätze wieder an.

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