Schwitzen in Doha: ZDF-Reporter Norbert König. Foto: ZDF und Jeannette Tripodi
© ZDF und Jeannette Tripodi

Die Leichtathletik-WM im Fernsehen „Ist das der richtige Ort?“

Schlechte Stimmung, skurrile Kameraperspektiven, Menschenrechte: Die Leichtathletik-WM in Doha wird auch im Fernsehen nicht viel besser.

Es gibt leichtere Jobs als den für Norbert König zurzeit. Der Sportreporter des ZDF muss vor der Kamera im Stadion gute Stimmung für eine Veranstaltung machen, die so gar nicht von sich aus für Stimmung sorgt. Die nach Fußball beliebteste Fernsehsportart erlebt ein Trauerspiel: Die Leichtathletik-WM in Doha spielt sich vor leeren Rängen ab. Dazu Marathons zu nachtschlafener Zeit, Kameraleute, die keine Bilder von zusammengebrochenen Athleten machen dürfen und Sportlerinnen, die sich über neue Kameras in Startblocks ärgern – Negativschlagzeilen statt Jubelbilder.

Immerhin, die TV-Quoten sind stabil, verglichen mit der WM 2017 in London. „Mit dem bisherigen Zuschauerinteresse sind wir sehr zufrieden, es befindet sich mit 2,4 Millionen Zuschauer auf demselben Niveau wie vor zwei Jahren", sagt ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Auf 2,82 Millionen kommt das ZDF bislang (Marktanteil: 13,2 Prozent). „Über fünf Millionen Zuschauer beim 3000-Meter-Hindernislauf mit Bronzemedaillengewinnerin Gesa Krause zeigen, welche Zugkraft in der Leichtathletik steckt“, sagt ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann dem Tagesspiegel.

„Die Produktionsbedingungen vor Ort beziehungsweise die Gestaltung des Events ist teilweise positiv, teilweise negativ zu sehen", so Balkausky weiter. Positiv seien auf jeden Fall verschiedene Änderungen in den nun strafferen Zeitplänen und die Tatsache, dass auch einmal neue Produktionsformen und Wettkampfformate ausprobiert werden beziehungsweise eine neue Präsentation der Sportler versucht wird. Anstrengend seien vor Ort, nicht nur für die Sportler, sondern auch für die Journalisten, aber auf jeden Fall die Temperaturen und die teilweise extrem hohe Luftfeuchtigkeit.

Etwas kritischer sieht das der ZDF-Sportchef. „Gleichzeitig beschäftigen uns die Fragen: Ist das Wüsten-Emirat wirklich der richtige Austragungsort einer Leichtathletik-WM? Neben den klimatischen Bedingungen hinterfragen wir in unserer Berichterstattung auch die Menschenrechtssituation, besonders mit Blick auf die ausländischen Arbeiter in Katar.“ Auch die Überinszenierung der Wettkämpfe sei etwas, das die Sportreporter vor Ort immer wieder kritisch begleiten.

Viel Arbeit für Norbert König und Kollegen in  Doha. „Versagen der Veranstalter – WM ohne Zuschauer“ – am Montagabend, kurz nach dem letzten Live-Sprint in Doha, beleuchtete das „heute-journal“ die Rolle des IAAF-Präsidenten Sebastian Coe. Es ist dem Sportfernsehen in diesen Tagen wieder besonders anzumerken: der Spagat zwischen Event-Berichterstattung und kritischer Hinterfragung von etwas, für das man viel Rechte-Geld ausgegeben hat.

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