Der Tod fährt mit. Lisa Taubenbaum (Anna Fischer) kehrt aus Berlin auf die Schwäbische Alb zurück, um das Bestattungsunternehmen der Eltern fortzuführen. Foto: ARD Degeto/SWR/Daniel Schmid
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"Die Bestatterin" in der ARD Morbide sind die anderen

Die boshafte Heimatkomödie überzeugt mehr als der Krimi: Anna Fischer macht sich als „Die Bestatterin“ in der schwäbischen Provinz unbeliebt.

Bestatter sind im deutschen Fernsehen häufig skurrile Figuren, ihre berufsbedingte Nähe zum Tod prädestiniert sie für schwarzen Humor. In jüngerer Vergangenheit traten zum Beispiel zwei dauerstreitende Sargträger im „Tatortreiniger“ auf. Es gab die total ahnungslosen Bestattungs-Tölpel in der ZDF-neo-Sitcom „Diese Kaminskis“ sowie die flinken Kollegen in der ARD-Reihe „Nord bei Nordwest“, die allerdings wie die Aasgeier an jedem Unglücksort auftauchen. In der ZDF-Krimireihe „Friesland“ wiederum ist der Bestattungsunternehmer mit dem schönen Namen Habedank nicht weniger geschäftstüchtig und immer irgendwie in die Fälle verwickelt. Die Drehbücher für die ersten beiden Folgen von „Friesland“ hatte das Autoren-Duo Arne Nolting und Jan Martin Scharf („Club der roten Bänder“, „Weinberg“) geschrieben, die nun diesen Berufsstand, um den man im wahren Leben doch am liebsten einen Bogen macht, mit einer Hauptrolle für die Samstagabend-Primetime würdigen. „Die Bestatterin: Der Tod zahlt alle Schulden“, ist ein Hybrid aus leidlich spannendem Krimi und boshafter Heimatkomödie.

Und wieder haben sich Nolting und Scharf einen blumigen Namen ausgedacht: Lisa Taubenbaum, gespielt von Anna Fischer, heißt die starke und kein bisschen skurrile weibliche Titelfigur des Films. Lisa kehrte vor einem Jahr aus Berlin in ihre kleine Heimatstadt auf der Schwäbischen Alb zurück. Damals waren ihre Eltern auf einer Landstraße von einem Auto angefahren worden. Der Fahrer beging Fahrerflucht, Lisas Mutter starb, und ihr Vater Alfons (Hartmut Volle) wurde so schwer verletzt, dass er nun im Rollstuhl sitzt. Die Tochter gab ihr altes Leben auf, um ihm und dem geistig behinderten Bruder Hannes (Frederik Bott) zu helfen.

Eine gegen alle

Aus der tragischen Vorgeschichte wird anfangs keine große Sache gemacht, sie bleibt aber immer präsent, etwa in dem manchmal etwas groben Verhalten des Vaters – und optisch in dem bunten Ringelpulli, den Lisa trägt und der ihrer Mutter gehörte. Die Story folgt dem bewährten Muster: eine gegen alle. Nach zwei Leichenfunden kurz hintereinander erwacht in Lisa die Detektivin, die sich im Ort hartnäckig unbeliebt macht. Erst schießt sich der Direktor der örtlichen Bankfiliale – angeblich versehentlich – bei der Jagd in den Kopf, wenig später wird ganz in der Nähe die Großmutter von Lisas bester Freundin Anna (Caroline Junghanns) tot aufgefunden. Dr. Bauer (Christof Wackernagel), der gerne mal am Schnapsfläschchen nippt, diagnostiziert Herzinfarkt, übersieht dabei aber die Würgemale am Hals.

Der Film nimmt die Missgunst und Engstirnigkeit schwäbischer Kleinstadtbewohner mit zum Teil arg überspitzten Figuren aufs Korn. Hier ist man vor allem um sein Ansehen im Ort bemüht. Die Männer schwingen im Wirtshaus böse Reden und verbünden sich gegen die Rückkehrerin, aber eine Frau wie Lisa lässt sich natürlich nicht unterkriegen. Überraschend ist anders, doch ein harmloser Landkrimi ist „Die Bestatterin“ nicht.

Es gibt hochdeutsche Ausnahmen

In dem zahlreich schwäbelnden Ensemble sind Anna Fischer und Christoph Letkowski als der von Lisa zu Hilfe gerufene Stuttgarter Kommissar Zellinger die hochdeutschen Ausnahmen. Anna Fischer ist mal nicht die fröhlich-aufgedrehte Type mit Berliner Schnauze und kann trotzdem ihren ansteckenden Charme ausspielen. Was außerdem für den Film einnimmt, ist die Ernsthaftigkeit, mit der Lisa ihren Beruf ausübt. Sorgfältig, beinahe liebevoll richtet sie die Leichen für die Beerdigung her – von der jungen, 1988 geborenen Regisseurin Isabel Braak („Plötzlich Türke“) in familientauglicher Zurückhaltung inszeniert.

In der Liebe ist ein solches Handwerk eher hinderlich. Bei einem Date erzählt Lisa begeistert von ihrem Faible für die Thanatopraxie, wobei der Körper der Toten auch ästhetisch für die Aufbahrung wiederhergestellt wird – und schlägt damit ihren Gegenüber in die Flucht. Beim zweiten Date ist sie vorsichtiger, aber der nächste Kandidat hat sie leider bereits gegoogelt und scheint gerade wegen ihrer Tätigkeit scharf auf sie zu sein. Die Morbiden, das sind die anderen.

„Die Bestatterin: Der Tod zahlt alle Schulden“; ARD, Samstag, 20 Uhr 15

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