Bild-Vize Paul Ronzheimer reportiert aus dem belagerten Kiew. Screenshot: Tsp
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Der Krieg bei Bild-TV Hochzeit an der Front

Bild-Vize Paul Ronzheimer berichtet live aus Kiew, aber nicht als Kriegsreporter. Springer-Oligarch Döpfner freilich schießt scharf. Ein Kommentar.

Putins Krieg ist auch der Krieg von Bild-TV. Der Fernsehsender des Springer-Konzerns sieht erkennbar die Stunde und seine Chance gekommen, aus der Wahrnehmungslücke herauszufinden. Ehrgeiz und Einsatz zeigen sich sofort. Fünf Reporter sind über die Ukraine verteilt, dazu kommt Moskau-Korrespondent Peter Tiede. Die Berichtsorte sind via Karte klar benannt, neben einer Transferstation an der ukrainisch-polnischen Grenze sind die Reporter dort, wo der Krieg tobt.

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Zentral agiert Bild-Vize Paul Ronzheimer in Kiew. Mit und ohne Helm wagt er sich durch die Hauptstadt, er zeigt unmittelbar diese teilweise durch die russische Aggression längst verwundete und verwüstete Stadt, er geht in die U-Bahn-Stationen, die als Schutzbunker dienen, er steht am Bahnhof, wie die Menschen in die Züge drängen, er begleitet Vladimir Klitschko zu einer Hochzeit (!). Gerne – und unangenehm werblich – wird das Label eingeblendet: „Bild mit den Klitschkos an der Front“.

Ronzheimer arbeitet als Live-Reporter, als Kriegsreporter, zugleich seine Beiträge keineswegs kriegslüstern noch voyeuristisch sind. Der Zuschauer bekommt mehr als nur eine Ahnung davon, was für ein tiefer Einschnitt Krieg, Putins Krieg für die betroffenen Menschen bedeutet. Ohne Lebensgefahr geht das nicht ab. Wieder und wieder unterbrechen Ronzheimer und seine Kollegen ihre Berichterstattung, um Deckung zu suchen.

Vorsicht in Moskau

In der Berliner Sendezentrale von Bild-TV werden die Bilder und Töne aus der Ukraine aus dem Informations- in den Emotionsmodus verwandelt. Bilder werden zu „unfassbaren Bildern“, Zusammenfassungen mit dramatisch-düsterer Musik unterlegt. Das braucht es nicht, wer Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, ist von der Wucht der Ereignisse überwältigt. Und bei aller Drama-Berichterstattung agiert Bild-TV mit Vorsicht. Wenn sich Peter Tiede aus Moskau meldet und die Ahnengalerie der Sowjetführer von Lenin bis Jelzin abschreitet, vermeidet er jedes Wort über Putins Krieg, wohl wissend, dass die neuen Mediengesetze Russlands ihn jederzeit mit Geld- oder Haftstrafe belegen können.

Nein, Bild-TV ist nicht „in einer Art Kriegsrausch“, wie Autor und Produzent Christian Beetz in der Tagesspiegel-Kolumne „Zu meinem Ärger“ für Deutschland und viele seiner Medien konstatiert hat. Diese Klage trifft mehr Springer-Chef Mathias Döpfner, der in einem martialischen „Bild“-Kommentar den Nato-Einsatz in der Ukraine fordert.

ARD und ZDF kennen nur dieses Thema

Nun ist nicht nur Bild-TV auf Sendung, die private Konkurrenz wie auch ARD und ZDF kennen weit über die Nachrichten hinaus nur dieses eine Thema. Wobei die Öffentlich-Rechtlichen anders agieren. Eine Katrin Eigendorf, nicht erst seit ihrer Afghanistan-Korrespondenz die führende Reporterin des ZDF, meldet sich mal von dieser, mal von jener Stelle in der Ukraine, wie es auch ihre Senderkollegen tun. Das Leiden der Bevölkerung wie auch die millionenfache Fluchtbewegung werden im Zweiten stärker betont als bei Bild-TV.

Der Westdeutsche Rundfunk ist als verantwortlicher ARD-Sender Vorwürfen entgegengetreten, der Senderverbund würde seinem Diktum, das weltgrößte Korrespondentennetz unterhalten, nicht gerecht werden. Ein Sprecher sagte dem Tagesspiegel, zu den bereits in der Ukraine arbeitenden Korrespondentinnen und Korrespondenten würden dieser Tage weitere dazustoßen. Zum Schutz der Journalistinnen und Journalisten würden deren Aufenthaltsorte nicht genannt.

In diesen Kosmos gehört auch, dass die ARD-Spendenaktion bis Samstag 67 Millionen Euro eingesammelt hat, das ZDF für Donnerstag „Markus Lanz – Ein Abend für die Ukraine“ ankündigt.

Putins Krieg ist der Menschen Leid

All diese Senderanstrengungen formen sich trotz oder wegen der unterschiedlichen Perspektiven zu diesem Bild: Putins Krieg ist der Menschen Leid.

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