Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner steht dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) seit 2016 vor. Foto: Jens Kalaene/dpa
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„DDR-Obrigkeitsstaat“, „Propaganda-Assistenten“ Verlegerverband akzeptiert Mathias Döpfners Distanzierung

Döpfner bekräftigt Entschuldigung für die inakzeptable Textnachricht. Der BDZV-Präsidium sieht keinen Grund mehr, die erfolgreiche Arbeit in Frage zu stellen.

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel Springer-Konzerns, bleibt Präsident des Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV). Das 17-köpfige Präsidium des BDZV war am Mittwoch zusammengekommen, um sich unter anderem mit Döpfner und seiner stark kritisierten Textnachricht zu beschäftigen. In der SMS hatte er im Zusammenhang mit der Pandemiebekämpfung einen Vergleich mit dem „DDR-Obrigkeitsstaat“ gezogen und Journalistinnen und Journalisten als „Propaganda-Assistenten“ bezeichnet.
Mathias Döpfner stellte zu Beginn der Sitzung das Zustandekommen und den Kontext seiner privaten Äußerung noch einmal dar und bekräftigte seine inhaltliche Distanzierung und ausdrückliche Entschuldigung, teilte der BDZV in einer Pressemitteilung mit. „Nach einer eingehenden Diskussion haben die Präsidiumsmitglieder Döpfners Erläuterungen und Argumente mit großer Mehrheit für stimmig befunden und seine Bitte um Entschuldigung akzeptiert“, heißt es darin. Es sei unstreitig, dass die Diskussion über angebliche Haltungen und Standpunkte des Präsidenten dem Verband nicht gut getan hätten, so das Gremium. Die Formulierungen in der privaten Textnachricht seien selbstverständlich inakzeptabel und das Präsidium bekannte sich einmütig zu unabhängigem Journalismus, Presse- und Meinungsfreiheit. Nach der konstruktiven Diskussion stelle dies aber keinen Grund dar, die sehr erfolgreiche Arbeit des Präsidiums in den vergangenen Jahren in Frage zu stellen.

Die „New York Times“ hatte im Oktober die private und später geleakte SMS öffentlich gemacht. Das Investigativ-Team der Ippen-Gruppe hatte herausgefunden, dass Döpfners Äußerungen aus einer Nachricht an den Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre stammten. Die Rechercheergebnisse wurden im „Spiegel“ veröffentlicht.

In der SMS von Döpfner hieß es demnach, der damalige „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt sei „halt wirklich der letzte und einzige Journalist in Deutschland, der noch mutig gegen den neuen DDR Obrigkeits-Staat aufbegehrt“.
Thomas Düffert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Madsack Mediengruppe und Mitglied des BDZV-Vorstandes, hatte kritisiert, dass die Aussagen von Döpfner „für alle Journalistinnen und Journalisten der Madsack Mediengruppe und sicherlich auch darüber hinaus eine unangemessene und verfehlte Herabsetzung“ sind. Christoph Rüth, Geschäftsführer der Funke Mediengruppe und Mitglied des BDZV-Präsidiums, nannte die laut Döpfner überspitzte Formulierung „Propaganda-Assistenten“ für die Mehrheit der Journalistin „völlig unpassend“. So ein Gedanke und eine derartige Tonlage seien dem Amt eines BDZV-Präsidenten „nicht angemessen“.

In einer Videobotschaft an die 16.500 Springer-Beschäftigten verwies Döpfner auf den privaten Charakter der Nachricht. „Eine private SMS ist kein Tweet, ist kein Post, ist keine öffentliche Rede“, sagte er. Überdies sei die SMS aus dem Zusammenhang gerissen worden. Damit würden Aspekte wie Polemik, Ironie und Übertreibung unterschlagen.

Klärung an der Verbandsspitze gewünscht

Mit der Vorstandssitzung des BDZV hatte Döpfner selbst sich eine grundlegende Klärung an der Verbandsspitze gewünscht. Es gehe um Grundsatzfragen, hatte der Springer-Vorstandschef der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vor rund zwei Wochen gesagt. „Wenn eine Mehrheit der Mitglieder findet, dass ich durch eine sehr unglückliche Formulierung in einem privaten Meinungsaustausch zur Belastung für den Verband geworden bin, dann werde ich das selbstverständlich akzeptieren“, erklärte Döpfner, der seit 2016 an der Verbandsspitze steht.

Für Döpfner als BDZV-Präsident sprach, dass er Springer zu einem Digitalisierungs-Vorbild für die Branche gemacht hat. Im Konzern machen die digitalen Unternehmungen inzwischen weit über 70 Prozent des Umsatzes aus, ihr Anteil am Ertrag ist noch höher. Auf der anderen Seite sorgte insbesondere die Boulevard-Zeitung „Bild“ nicht nur durch die Causa Reichelt immer wieder für Negativschlagzeilen, mit denen auch der Verband in Verbindung gebracht wurde. Döpfners zeitweise Alleingänge als Facebook-Partner hatten die Verbands-Kollegen zusätzlich verärgert. Doch erst die Obrigkeits-SMS führte dazu, dass öffentlich die Frage gestellt wurde, ob Döpfner dem Verband mehr schadet als nutzt.

So unpassend Döpfners SMS empfunden wurden, den Verband und seine Mitglieder belasten derzeit noch andere Sorgen, wie unter anderem der kräftig gestiegene Papierpreis. Für Verlage mit weitläufigem Verbreitungsgebiet stellen die hohen Zustellkosten zudem ein ungelöstes Problem dar. Die in Aussicht gestellte staatliche Förderung kam unter der Regierung Merkel nicht zustande, die Hoffnung liegt nun auf der Nachfolgeregierung und darauf, dass sich der Präsident des Verbandes mit Nachdruck für ihre Interessen einsetzt.

Die Verleger appellierten an die neue Regierung, die flächendeckende Zustellung der Zeitungen als eine Aufgabe zur Sicherung der Demokratie und des gesellschaftlichen Austauschs zu verstehen und zu unterstützen. So wie dies bereits seit Jahren in anderen europäischen Ländern gesehen und praktiziert werde. Darüber hinaus appellierten die Verleger an die Bundesregierung, die Auskunftsrechte der Presse gegenüber Behörden deutlich zu stärken.

(mit dpa und epd)

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